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Eisbär Anton musste wegen der Unachtsamkeit eines Besuchers sterben.

Unachtsamer Besucher in Stuttgart

Todesdrama im Zoo: Eisbär verschluckt Jacke 

Stuttgart - Ein unachtsamer Besucher des Stuttgarter Zoos ist wohl Schuld am Tod von Eisbär Anton. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in dem Tierpark.

Vermutlich sei die Jacke einem Besucher mitsamt einer Tasche aus Unachtsamkeit ins Gehege gefallen, teilte der Zoo Wilhelma mit. Anton verendete an schweren Darmverletzungen und Darmentzündungen, wie erste Untersuchungen im Veterinäruntersuchungsamt ergaben. Laut Wilhelma hatte sich Anton in den vergangenen Tagen seltsam verhalten. Dass mit ihm etwas nicht stimmte, sei offensichtlich gewesen. Als Anton anfing, Gewebestücke zu erbrechen, habe der Tierarzt ihm Abführmittel verabreicht, wodurch das Tier weitere Teile des Fremdkörpers ausschied.

Unklar sei, warum der Eisbär die Tasche samt Jacke überhaupt gefressen hat, anstatt sie nur zu zerlegen, wie er es sonst mit Fundstücken getan habe. „Es muss etwas sehr Leckeres darin gewesen sein, dem Anton nicht widerstehen konnte“, vermuten seine Pfleger Andreas Wössner und Jürgen Deisenhofer.

Rätselhaft bleibt auch, wie Tasche und Jacke überhaupt ins Gehege kamen, schließlich gibt es einen Elektrozaun an einem Großteil der hohen Gehegescheiben. Tierarzt Tobias Knauf-Witzens bat die Besucher, Verluste zu melden. „Hätten wir gewusst, dass etwas im Gehege war, hätten wir Anton vielleicht noch retten können.“

Tragische Unglücke mit Fremdkörpern sind im Stuttgarter Zoo keine Seltenheit: Vor etlichen Jahren war das Flusspferd Egon an einem Darmverschluss gestorben - verursacht von einem verschluckten Tennisball. Und Charly, der letzte See-Elefant der Wilhelma, starb an einem Stofftier, das er gefressen hatte. Sage und schreibe 200 Kinderschuhe sind laut Wilhelma trotzdem in den vergangenen 20 Jahren im Wasser gelandet - ebenso wie rund 50 Schnuller pro Jahr, zahllose Mützen, Fotoapparate, Handys und Brillen.

Jetzt will der Stuttgarter Zoo seine Sicherheitsmaßnahmen überprüfen. Es werde geschaut, ob zum Beispiel Absperrungen verstärkt werden müssten, sagte ein Sprecher der Wilhelma am Dienstag.

Anton wurde 25 Jahre alt. Als Vater des bisher einzigen in Stuttgart geborenen Eisbären ging er in die Geschichte des Zoos ein: Sein Nachwuchs Wilbär wurde 2007 wie der Berliner Eisbär Knut sehr populär. Anton hätte laut Wilhelma noch gut 10 bis 15 Jahre leben können, wenn er die Jacke nicht verschluckt hätte.

dpa

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