Eiseskälte in Deutschland

- Berlin/Moskau/Helsinki - Mit Russland-Hoch "Claus" haben in Deutschland die kältesten Tage dieses Winters begonnen. In Teilen Sachsens und Brandenburgs sowie in Bayern sollte es laut Wetterdienst Meteomedia in der Nacht zum Montag minus 20 Grad und kälter werden. Derweil steigt die Zahl der Frosttoten in Osteuropa: Allein in der russischen Hauptstadt Moskau erfroren seit Beginn der Rekordkältewelle vor einer Woche 23 Menschen, in Polen starben binnen weniger Tage an diesem Wochenende mindestens 21 Menschen, in Tschechien waren es bislang 13. In Lettland und Estland registrierten die Behörden seit vergangener Woche 18 Opfer. Im finnischen Lappland fielen die Temperaturen am Wochenende auf unter 40 Grad Frost.

Knapp drei Wochen nach dem Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall mit 15 Toten brach im niederbayerischen Bernried nahe Deggendorf in der Nacht zum Sonntag eine Reithalle ein. Das Holzdach hatte der Last der gewaltigen Schneemassen nicht mehr standgehalten. Die Polizei schätzt, dass bis zu 80 Zentimeter Schnee auf dem Dach lagen. Verletzt wurde niemand. Auch in Tschechien stürzten die Dächer einer Tankstelle und eines Feuerwehrmuseums unter der Schneelast ein - auch hier gab es keine Opfer.

"Vor allem im Osten Deutschlands wird es knackig frisch", kündigte Roland Reiter vom Wetterdienst Meteomedia an. Die tiefsten Temperaturen wurden für die Zwickauer Mulde und die Niederlausitz in Sachsen erwartet: minus 22 Grad. Im brandenburgischen Grünow ließ Hoch "Claus" die Temperaturen bereits in der Nacht zum Sonntag auf minus 16 Grad sinken. Auch in der Nacht zum Montag sollte es wieder bitterkalt werden. Für den Osten Bayerns wurden ebenfalls strenger Frost und Tiefstwerte um minus 20 Grad angekündigt.

In Berlin kam es nach einem Temperatursturz um rund 20 Grad zu Schienenbrüchen bei der S-Bahn - und zu Verspätungen. Die S-Bahn setzte Zusatzkräfte ein, um Türen der Züge zu enteisen. Die U-Bahn meldete keine Probleme. "Da wir weitgehend unterirdisch fahren, sind wir davon nicht betroffen", sagte eine Sprecherin der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG).

Unter dem strengen Frost leiden auch die Berliner Obdachlosen. Als Übernachtungsplätze öffnete die BVG mehrere U-Bahnhöfe. Viele Wohnungslose suchten Zuflucht in Vorräumen von Banken und Sparkassen.

In Moskau kamen in der Nacht zum Sonntag drei weitere Menschen ums Leben, wie der städtische Notfalldienst mitteilte. Bei vergleichsweise milden 19 bis 22 Grad Frost entspannte sich die Lage in der Zehn-Millionen-Stadt leicht, bevor ab Montag wieder Tiefsttemperaturen von minus 30 Grad erwartet wurden.

In ganz Russland forderte die ungewöhnlich lange Kältewelle mehrere Dutzend Todesopfer und brachte zahlreiche Störungen der Energieversorgung mit sich. Auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Russlands versuchten Rettungsmannschaften, einen Konvoi von 14 Lastwagen zu erreichen. Sie waren vergangenen Mittwoch 70 Kilometer von der Gebietshauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski entfernt im Schnee stecken geblieben. Den 16 Fahrern gehe es gut, doch ihr Lebensmittelvorrat sei erschöpft, teilte der Zivilschutz mit.

In Polen kamen seit Beginn des Winters mindestens 144 Menschen durch die Kälte ums Leben. "Ständig kommen aus den Dienststellen im ganzen Land neue Meldungen über Menschen, die erfroren aufgefunden wurden", sagte am Sonntag ein Sprecher der Zentralen Polizeibehörde der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Im Osten des Landes, wo in der Nacht Temperaturen von minus 28 Grad herrschten, erfror ein 80jähriger Rentner in seiner Wohnung. In Niederschlesien fand ein Priester in der Nähe seiner Kirche die Leiche einer 73-Jährigen. Die Polizei appellierte an die Bevölkerung, armen Rentnern zu helfen, die kein Geld für Heizmaterial haben und in ihren Wohnungen zu erfrieren drohen.

Aus Litauen werden Hamsterkäufe gemeldet: Die großen Supermarktketten verzeichnen sprunghaft steigende Verkaufszahlen von warmer Bettwäsche, starken Alkoholika und Zusatzheizungen, berichtete die baltische Nachrichtenagentur BNS.

Im finnischen Lappland stürzten die Temperaturen am Wochenende auf minus 40,8 Grad in der Gemeinde Naruska. Heftiger Schneefall und stürmische Winde hatten bereits zum Auftakt des Wochenendes für chaotische Zustände gesorgt. In Dänemark mussten mehrere hundert Autofahrer vor der wegen Eisschlaggefahr gesperrten Brücke über den Großen Belt in ihren Wagen übernachten. In der Türkei riss eine Lawine einen Bus ins Tal, acht Menschen starben.

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