Eisiger Winter in Europa

- Hamburg - Eisige Zeiten: In Deutschland und anderen Teilen Europas hat die extreme Kälte mit zweistelligen Minusgraden bereits mehr als 100 Menschenleben gefordert. Allein in Polen stieg die Zahl der Kältetoten seit Winterbeginn auf 159. In Deutschland forderten die frostigen Temperaturen ein fünftes Opfer: In Brandenburg starb ein Mann an den Folgen einer Unterkühlung. Auch in Ungarn und Frankreich erfroren Menschen. In Rumänien hat die Kälte bis Dienstag 15 Menschenleben gefordert.

In Deutschland war es in der Nacht zum Dienstag vielerorts noch kälter als in der Nacht zuvor. Am unbewohnten bayerischen Funtensee wurden 36,2 Grad unter Null gemessen, nach 34,8 Grad Frost in der Nacht zum Montag, teilte der Wetterdienst Meteomedia mit.

Mit einer Temperatur von minus 29,1 Grad erlebte auch die bayerische Gemeinde Haidmühle die bisher kälteste Nacht des Jahres. Am wärmsten war die Nacht mit minus 3,1 Grad in Krefeld in Nordrhein-Westfalen. Hoch "Claus" soll die Temperaturen bis Mittwoch weiter im Keller halten. Danach sollen weite Teile Deutschlands allmählich wieder auftauen.

Das fünfte Kälteopfer in Deutschland ist ein 63 Jahre alter Mann aus Brandenburg. Ein Nachbar fand ihn am Montagabend in seinem unbeheizten Haus in Großräschen.

In Mecklenburg-Vorpommern setzte ein 46-jähriger Mann seine Wohnung in Brand, als er versuchte, die eingefrorene Heizung mit einem Haartrockener wieder in Gang zu bringen. Es entstand 100 000 Euro Schaden. Verletzt wurde niemand. In der Lutherstadt Eisleben platze am frühen Morgen mitten in der Stadt eine Hauptwasserleitung. Eine 15 Meter hohe Fontäne spritze aus dem geborstenen Rohr und verwandelte die Straßen der Umgebung in gefährliche Rutschbahnen.

Wegen der strengen Kälte haben die Zoos im Ruhrgebiet Stallpflicht für zahlreiche Tiere angeordnet. "In unserer afrikanischen Savanne haben sich Eisflächen gebildet, da könnten die Zebras und Antilopen drauf ausrutschen", sagte Sabine Hass, Sprecherin des Gelsenkirchener Zoos. Der deutsche Tierschutzbund mahnte: "Sobald Sie merken, dass Ihr Hund zittert, beenden Sie den Gassigang."

Auf dem Main-Donau-Kanal, der Oberelbe und im Elbe-Seiten-Kanal wurde am Dienstag die Schifffahrt gestoppt. Auch auf der mittleren Elbe, dem Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal sollte die Schifffahrt wegen starken Eisgangs am Dienstagabend eingestellt werden.

Den Bauern machte die Kälte noch keine Sorgen. "Raps und Wintergetreide tut es gut, wenn die Spitzen abfrieren, weil sie sich dann besser verzweigen", sagte ein Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg.

Auch in anderen Teilen Europas herrschte bittere Kälte. In der Gemeinde Balsa, nahe der nordostungarischen Bezirksstadt Nyiregyhaza, erfror ein 58-Jähriger in seiner Wohnung. In Tiszafüred - 160 Kilometer östlich von Budapest - war bereits am Montag ein 73jähriger Mann an Unterkühlung gestorben. Aber auch im Westen Europas, in Joinville-le-Pont südöstlich von Paris, lag ein Obdachloser tot in einem Autowrack. Er war vermutlich der Kälte zum Opfer gefallen.

In Polen ließen sich bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad seit dem Wochenende mehr als tausend Menschen wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandeln. In Krakauer Parkanlagen wurden Kohlebecken aufgestellt, damit sich Obdachlose aufwärmen können. Auch die Stettiner Werft, die ihre Belegschaft zum größten Teil in Urlaub schickte, ließ für die wenigen verbliebenen Arbeiter Kohlebecken aufstellen. In Masuren waren etwa tausend Haushalte vom Zusammenbruch der Gasheizung betroffen. In einer Kaserne und in Schulen wurden Decken und warmes Essen für die Frierenden bereit gehalten. An vielen Schulen fiel der Unterricht aus.

Die extreme Kälte mit Tiefsttemperaturen von minus 30 Grad hat bis Dienstag in Rumänien laut Medienberichten mindestens 15 Menschenleben gefordert. Die meisten Opfer gab es im besonders von der Kälte betroffenen Norden und Osten des Landes. In den nördlichen Regionen, aber auch in Teilen der Hauptstadt Bukarest brach das Heizsystem wegen Störungen an den Gasleitungen zusammen. In vielen ländlichen Gegenden fiel der Unterricht aus, weil die Schulen nur ungenügend beheizt werden konnten. In Bulgarien hatten bei Temperaturen um minus 20 Grad etwa 35 Orte keinen Strom.

Eisige Temperaturen bis zu minus 13 Grad und Sturm sorgten auch in Griechenland für Probleme. Die verschneite Akropolis in der Hauptstadt Athen wurde wegen Glättegefahr für Besucher geschlossen. Inlandsflüge wurden gestrichen, die Fährverbindungen auf der Ägäis eingestellt, vielerorts fiel der Strom aus.

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