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Tausende Menschen tummeln sich am Samstag (11.02.2012) auf dem zugefrorenen Maschsee in Hannover.

Eispartys in Deutschland - Schneechaos auf dem Balkan

Berlin - Alstereisvergüngen in Hamburg, Maschsee-Party in Hannover und Eiszauber im Spreewald: Während viele Deutsche den Winter genießen, ist die Lage in anderen Ländern dramatisch.

Eispartys und Winterzauber: Auf der Hamburger Außenalster haben sich am Samstagnachmittag rund 100 000 Menschen bei Deutschlands größter Wintersause getummelt. 15 Jahre nach dem letzten offiziellen Alstereisvergnügen versuchten sie sich als Schlittschuhläufer, spielten Eishockey oder zogen ihre Kinder auf Schlitten über den 164 Hektar großen See mitten in der Stadt. Auf den Maschsee in Hannover wagten sich am Samstag ebenfalls Schlittschuhläufer und Familien mit Kinderwagen, mehr als 100 000 Besucher wurden am gesamten Wochenende erwartet. Auf Deutschlands Wasserstraßen stecken derweil immer mehr Frachtschiffe im Eispanzer fest. In Italien sorgen heftige Schneefälle erneut für Chaos. Die Behörden des Adriastaates Montenegro haben den Ausnahmezustand ausgerufen.

Die Verlierer der Kälte

Die Verlierer der Kälte

In Deutschland soll es in den kommenden Tagen wärmer werden. Tief Maike befreit Deutschland vom Kühlschrank-Wetter und bringt zum Wochenbeginn allmählich wieder Temperaturen über Null. Kältehoch Dieter werde an diesem Sonntag abziehen, sagte Diplom-Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst am Samstag in Offenbach. Am Montag kommt ein weiteres Tief und bringt Schnee, in den Niederungen in Nord- und Westdeutschland auch Regen. Deshalb droht Glättegefahr zum Start der Arbeitswoche.

Bis Sonntag werden mehr als eine Million Besucher beim Alstereisvergnügen erwartet.

In Hamburg werden bis Sonntag über eine Million Besucher beim Wintervergnügen auf der Alster erwartet. Die Polizei zählte am Samstagnachmittag etwa 100 000 Besucher und sprach von einem “total friedlichen“ Fest. Anders als beim letzten offiziellen Alstereisvergnügen 1997 dürfen aber in diesem Jahr keine Stände auf dem Eis stehen. Dafür locken am Ufer 60 Buden mit Glühwein, Punsch, Kakao, Würstchen und Waffeln. Auch eine mobile Sauna, Kinderschminken und viel Musik werden geboten. Das Betreten der Außenalster erfolgt auf eigene Gefahr, auf die Binnenalster darf niemand gehen.

Der Maschsee war am Mittwoch freigegeben worden, nachdem eine Eisdicke von 13 Zentimetern erreicht worden war. Im Winter 2009 durfte der See zum letzten Mal betreten werden - auch damals kamen Zehntausende. Winterzauber auch im Spreewald: In Scharen pilgerten die Menschen am Samstag zu den zugefrorenen Gewässern. Die Gastronomen nutzten die Chance: “Einige haben wieder geöffnet“, berichtete der Chef der Kahnfährgenossenschaft, Steffen Franke, im brandenburgischen Lübbenau. Andere stehen mit Glühwein oder warmer Suppe am Wegesrand und beköstigten die Touristen.

Die Gewinner der Kälte

Die Gewinner der Kälte

Für den Schiffsverkehr wird das dicke Eis auf vielen Wasserstraßen zunehmend problematisch. Auf den Kanälen in Nordrhein-Westfalen war der Betrieb beinahe komplett lahmgelegt. Die meisten Kanäle sind dicht, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Düsseldorf am Samstag. Auch auf dem Neckar hängen nach der Sperrung mehrerer Schleusen immer mehr Schiffe fest. Inzwischen seien 42 Schiffe zwischen Mannheim und dem Hafen Heilbronn vom Eis eingeschlossen, sagte Jörg Huber vom Wasser-und Schifffahrtsamt Heidelberg.

In Italien gab es wieder heftige Schneefälle. Erneut kamen sechs Menschen ums Leben. Zwei Frauen starben in Rettungsautos auf dem Weg ins Krankenhaus, als die Fahrzeuge im Schnee steckenblieben. In Rom sorgt seit Tagen andauernder Schneefall für Chaos. In der Heiligen Stadt blieben am Freitag zahlreiche Schulen und öffentliche Gebäude geschlossen. Zudem führte das eisige Winterwetter in Italiens Serie A zu zwei weiteren Spielabsagen. Die für Sonntag angesetzten Fußball-Partien FC Bologna gegen Juventus Turin und FC Parma gegen AC Florenz wurden verschoben. Für Juve und Parma ist es bereits die zweite Zwangspause wegen des Wetters.

In Montenegro herrscht derweil der Ausnahmezustand. Der Nationale Sicherheitsrat unter Führung von Staatspräsident Filip Vujanovic habe einen entsprechenden Beschluss gefasst, berichteten Medien am Samstagabend. Mit Arbeitsverpflichtungen soll die Versorgung mehrerer tausend Menschen ermöglicht werden, die in vielen Dörfern von der Außenwelt abgeschnitten sind. In der Hauptstadt Podgorica hatte es in der letzten Nacht einen halben Meter geschneit. Für die nächsten Tage ist ein weiterer Meter Neuschnee vorausgesagt. Die Stadtverwaltung erließ bis auf weiteres ein Fahrverbot für allen privaten Pkw. Ein wichtiges Ziel sei die Stromreduzierung, da das Netz wegen der extremen Kälte und dem hohen Verbrauch zusammenzubrechen drohe.

In Serbien waren 50 000 Menschen eingeschneit, teilte der Leiter des Notfallstabes, Predrag Maric, am Samstag in Belgrad mit. Um Strom zu sparen, bestimmte die serbische Regierung die nächste Woche als arbeitsfrei.

Auch in Bulgarien legte eine dicke Eisdecke die Schifffahrt auf der Donau lahm. Bei der Donaustadt Silistra im Osten war der Fluss komplett zugefroren, wie die bulgarische Donaubehörde am Samstag mitteilte. In Rumänien starben in der Nacht zum Samstag acht Menschen, die Zahl der Kälteopfer liegt dort inzwischen bei 65.

dpa

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