Sie sollen abschrecken - eigentlich

Kommentar zu Ekel-Bildern auf Zigaretten: Einfach nur scheinheilig

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München - Schwarze Lungen, wuchernde Geschwüre, faulende Beine: Ekelbilder auf Zigarettenschachteln sollen abschrecken. Von wegen. Abschreckend ist höchstens die Scheinheiligkeit, die dahinter steckt. Ein Kommentar. 

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit Ekel-Bildern auf Zigarettenschachteln. Das war in einem Urlaub in Spanien. Ich habe mir eine "Gauloises"-Packung gekauft, auf der ein wucherndes Geschwür zu sehen war, das irgendwann einmal eine Lunge gewesen sein muss. Ekelhaft. Das wollte ich nicht sehen, deswegen habe ich die Packung einfach umgedreht, war ja nur auf einer Seite das Bild. Danach habe ich mir ganz entspannt eine Kippe in den Mund gesteckt. Lungenzug. Wunderbar.

Für mich haben Ekel-Bilder auf den Zigarettenpackungen schon deswegen keine abschreckende Wirkung, weil es tausende Möglichkeiten gibt, sie beim Rauchen zu umgehen. Es gibt sogar sehr hübsche Schachteln, in die man den Inhalt der Schachtel verfrachten kann. Die Ekelbilder sind überflüssig. Und die Politiker, die sie verordnen, sind einfach nur scheinheilig. 

Denn, wenn Kippen Menschen töten und wenn schlimme, wuchernde Geschwüre Raucher qualvoll sterben lassen - warum werden die Glimmstengel nicht einfach verboten, sondern munter vollkommen legal überall verkauft? Es ist an Absurdität kaum zu überbieten, weiterhin Ware anzubieten, die auf einen schleichenden Tod hinweist. Jeder andere Artikel, der die Gesundheit der Menschen gefährdet, wird zurückgerufen, aus dem Sortiment genommen. Umgehend.

Es macht mich wütend, weil das Warum so offensichtlich ist: Kippen bringen Kohle, jede Menge, vor allem für den Staat. Natürlich zahlen die Raucher den Preis vollkommen freiwillig. Aber jeder, der sich als "Bürgerschützer" verkauft, weil er die Hersteller zum Aufkleben von Fotos mit entstellten Embryos zwingt, muss sich dieses Etikett gefallen lassen: "Scheinheiligkeit tötet."

Rubriklistenbild: © dpa

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