Thailändische Dorfbewohner in der Nähe des ausgetrockneten Phayao-Sees in der Provinz Phayao in Nordthailand. Thailand ist mit einer Wasserknappheit konfrontiert, die durch das Wetterphänomen El Nino verschärft und mit saisonalem hitzelichem Wetter kombiniert wird
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Dürren aufgrund anhaltender Trockenperioden sind eine von vielen Folgen des Wetterphänomens El Niño

Weihnachtliche Klimaanomalie

El Niño: Das sind die Auswirkungen des Phänomens

Luftdruck und Winde kehren sich um, der Ostpazifik erwärmt sich überdurchschnittlich: El Niño hat gravierende Auswirkungen auf das Wetter und in der Folge auf die Umwelt und Lebensbedingungen von Millionen Menschen.

  • El Niño findet im Durchschnitt alle vier Jahre statt.
  • Vor allem im Ostpazifik zwischen Südamerika und Indonesien führt das Wetter-Phänomen zu weitreichenden Veränderungen der Meeresströme und der Passatwinde.
  • Die Folgen beeinflussen die Menschheit in weiten Teilen der Erde.

Offenbach – Im Winter 2009/2010 beobachtete der Deutsche Wetterdienst auffällige Temperaturanomalien: Während es in Deutschland kälter und schneereicher war als gewöhnlich, wurden in anderen Teilen der Welt Hitzerekorde gebrochen. Der Grund: das Wetter-Phänomen El Niño. Eigentlich hat das hierzulande kaum Auswirkungen. Es kann Forschungen zufolge jedoch Ausnahmen geben. Stark spürbar ist El Niño unter anderem auf dem amerikanischen Kontinent und in Südostasien.

El Niño: Warum kommt es zu den Wetterveränderungen?

Im Durchschnitt kommt es alle vier Jahre zu einem El-Niño-Ereignis. Die Entstehung des Phänomens hat im Ostpazifik ihren Ursprung. Die Gründe sind bislang weitgehend ungeklärt, die Forschung befindet sich noch in den Anfängen. Wissenschaftler vermuten Sonneneruptionen als eine mögliche Ursache. Etwa alle vier Jahre verändert sich deren Intensität – das entspricht dem durchschnittlichen Auftreten von El Niño.

Klimaforscher beobachteten bis 1997 eine Zunahme des Phänomens und vermuteten einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Tatsache, dass sich die Häufigkeit seitdem wieder normalisiert hat, spricht jedoch dagegen.

El Niño: Wie entsteht das Phänomen?

Als El Niño werden Veränderungen der Meeresströmungen des äquatorialen Pazifiks bezeichnet.

Der Südost-Passatwind nimmt oberhalb der subtropischen Hochdruckgürtel Richtung äquatoriale Tiefdruckrinne üblicherweise einen Weg von Osten nach Westen. So fließt auf der Meeresoberfläche kühles Wasser von der Küste Südamerikas Richtung Westen nach Südostasien. Auf dem Weg dorthin erwärmen sich die Wassermassen und treffen, dort angekommen, auf kaltes Wasser, das in umgekehrter Richtung fließt.

Die Folge: Kaltes, nährstoffreiches Wasser bewegt sich von Westen nach Osten und gelangt vor der Westküste Südamerikas an die Oberfläche – in den sogenannten Humboldstrom.

Im Normalfall kommt es aufgrund erhöhter Temperaturen im Westpazifik zu einer Abnahme des Luftdrucks. Im kühleren Ostpazifik bildet sich dagegen ein Hochdruckgebiet. So entstehen bodennahe Ostwinde, die das warme Oberflächenwasser von Südamerika Richtung Westen nach Indonesien transportieren. Die Luftzirkulation wird auch als „Walker-Zirkulation“ bezeichnet, benannt nach dem britischen Meteorologen Gilbert Walker, der das Phänomen in den 1920er-Jahren entdeckte.

El Niño: Die Umwandlung des Wetterkreislaufs

In einem El-Niño-Jahr gerät dieser Kreislauf ins Wanken. Es kommt aufgrund von schwächeren oder ausbleibenden Passatwinden zu einem geringeren Auftrieb des kühlen Wassers an die Oberfläche. Der Humboldstrom wird erst schwächer und kommt dann ganz zum Erliegen. Da kaltes, mit wichtigen Nährstoffen angereichertes Wasser fehlt, erwärmt sich die Meeresoberfläche vor der südamerikanischen Westküste überdurchschnittlich stark. In der Folge schwappen die Warmwassermassen von Indonesien in Richtung Südamerika, statt, wie in normalen Jahren, den umgekehrten Weg zu nehmen.

El Niño: Typische Auswirkungen auf das Wetter und die Umwelt

Die Umwandlung der Meeresströmungen hat signifikante Auswirkungen auf das Wetter in weiten Teilen der Welt – insbesondere auf den amerikanischen Kontinent und auf Südostasien. Typische Folgen von El Niño sind:

  • Fischsterben vor der südamerikanischen Küste aufgrund der Erhöhung der Wassertemperatur
  • starke Regenfälle, Überschwemmungen und Überflutungen
  • Orkane und Hurricanes
  • Dürren aufgrund anhaltender Trockenperioden

Durch die Erwärmung des Meerwassers verlieren zahllose Lebewesen ihre Nahrungsgrundlage: Plankton stirbt unter diesen Bedingungen ab, sodass Fische nichts mehr zu fressen finden und abwandern oder aufgrund der erhöhten Temperatur sterben. Das wiederum vernichtet die Existenzgrundlage der Fischer. Robben finden keine Nahrung mehr und die Tiere verhungern. Auch Korallen vertragen die hohen Wassertemperaturen nicht, sie bleichen aus und sterben schließlich ab.

El Niño: Wo werden die Klimaveränderungen deutlich?

El Niño ist auf rund drei Vierteln der Erdoberfläche spürbar. Dabei sind die Auswirkungen auf das Wetter zweigeteilt: Auf der ostpazifischen Seite regnet es wesentlich stärker, während die Gebiete am Westpazifik Hitzeperioden erleben.

So kommt es in Jahren, in denen das Phänomen aufritt, auf den Galapagosinseln vor der südamerikanischen Küste zu starken Niederschlägen, die tropischen Regenwälder im Amazonasgebiet leiden dagegen unter Trockenheit. Vor der mexikanischen und nordamerikanischen Küste toben Hurricanes und richten zum Teil große Schäden an. An der ostafrikanischen Küste, darunter in Kenia und Tansania, häufen sich die Regentage und weite Teile des Landes werden fortgespült.

Auf der anderen Seite fehlt der Regen: Buschfeuer und Waldbrände in Südostasien und Australien können ebenfalls Folgen von El Niño sein. Der Monsun, der gewöhnlich die Feuer löscht, verzögert sich mit Auftreten von El Niño oder bleibt ganz aus.

Anhaltende Dürre führt zu Missernten. Auch im südlichen Afrika ist es deutlich trockener als in Jahren, in denen das Wetter-Phänomen nicht auftritt.

El Niño: Wann trat die Wetter-Anomalie bislang auf?

Innerhalb der vergangenen 300 Jahre wurde das Phänomen El Niño im Abstand von zwei bis acht Jahren beobachtet. Im Durchschnitt kommt es alle vier Jahre zu der Umkehrung der Wind- und Wassermassen. Meist sind die Veränderungen des Wetters nur schwach ausgeprägt und kaum bemerkbar.

Typische Ereignisse, die auf El Niño hindeuten, traten Vermutungen zufolge bereits vor mehr als 11.000 Jahren auf. Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus wurden typische Auswirkungen von El Niño schriftlich überliefert. Größere, deutlich spürbare Ereignisse gab es Dokumentationen zufolge in folgenden Wintern:

  • 1790 bis 1793
  • 1828
  • 1876 bis 1878
  • 1891
  • 1925/1926
  • 1972/1973
  • 1982/1983
  • 1997/1998
  • 2015/2016

In den Jahren 1982/1983 und 1997/1998 stieg die Wassertemperatur um sieben Kelvin über den Durchschnitt. In der Folge wurde die Luft um 1,5 Kelvin erwärmt – üblich sind in El-Niño-Jahren 0,25 Kelvin.

Im März 2015 prognostizierten Wissenschaftler ein erneutes Aufkommen von El Niño in den kommenden Monaten. Im November 2015 wurde deutlich, dass es sich zum drittstärksten Klima-Ereignis der vergangenen 65 Jahre entwickelte, nach den Jahren 1982/1983 sowie 1997/1998. Die südamerikanische Pazifikküste war von extrem starkem Regen, Südostasien und Australien von Dürre statt feucht-tropischer Witterung betroffen. In Äthiopien litten zwischen Millionen Menschen an Hunger und Wasserknappheit. Zusätzlich zur Klimaerwärmung gilt El Niño als Grund für die weltweiten Hitzerekorde im Jahr 2015. Das Jahr 2019 war unter anderem dem Deutschen Wetterdienst zufolge ebenfalls ein El-Niño-Jahr.

El Niño: Ist Deutschland betroffen?

Obwohl El Niño ein weltweites Klima-Phänomen ist, beeinflusst es das Wetter in Deutschland in der Regel wenig. Es gab allerdings in der Vergangenheit Ausnahmen. Eine Fernwirkung war Forschungen zufolge der ungewöhnlich strenge europäische Winter 1941/1942. Andere sehen darin jedoch nicht El Niño als Ursache, sondern eine sogenannte Pazifische Dekaden-Oszillation, eine abrupte Änderung der Oberflächenwassertemperatur im Pazifik.

El Niño soll auch auf den klirrend kalten Winter 2009/2010 in Deutschland Einfluss gehabt haben. Ursache sei Forschungen zufolge ein Zusammenspiel des pazifischen Wetter-Phänomens mit einem lang anhaltenden Kältetief über dem Nordatlantik.

El Niño und La Niña als „Gegensatz-Phänomene“

In Verbindung mit El Niño ist häufig auch von La Niña die Rede. Hierbei handelt es sich um das umgekehrte Phänomen. Beide treten häufig nacheinander auf. La Niña ­– spanisch für „das Mädchen“ – bringt eine ungewöhnlich kalte Meeresströmung im äquatorialen Pazifik mit sich. Aufgrund dessen kommt es rund um Indonesien zu einem ausgeprägten Tiefdruckgebiet. Starke Passatwinde kühlen den Ostpazifik weiter ab und führen zu extremen Regenfällen in Südostasien.

Auf der anderen Seite leidet man dagegen unter Trockenheit: Die südamerikanische Küste ist von anhaltender Trockenheit betroffen.

Üblicherweise wirkt sich La Niña nicht so stark aus wie ihr Gegenstück. Dennoch hat das Phänomen erheblichen Einfluss auf das globale Wetter. Durch die Erwärmung des Westpazifiks fällt an der Nordostküste Australiens sowie in Südostasien mehr Regen als gewöhnlich. Im Südwesten führen lange Trockenperioden zu Dürre, Busch- und Waldbränden. An der nordamerikanischen Küste steigt in La-Niña-Jahren die Gefahr von Hurricanes.

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