Um sich zu verabschieden

Eltern kuscheln zwei Wochen mit totem Baby

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York - Charlotte und Attila Szakacs haben ihre Tochter Evlyn einen Monat nach der Geburt verloren. Sie waren noch nicht bereit, sie gehen zu lassen - also griffen sie zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.

Die kleine Evlyn wird mit einem Gendefekt geboren. Das Gehirn des Mädchens ist unterentwickelt und weich, Evlyn kann nur schwer atmen und ihr Herz schlägt nur schwach, berichtet der Mirror. Einen Monat kämpft das Neugeborene um sein Leben, doch Evlyn hat keine Chance. Sie stirbt am 10. Januar in den Armen ihrer Eltern. 

Familie verbringt weitere zwölf Tage zusammen

Charlotte (21) und Attila (28) Szakacs aus York in Großbritannien fällt der Abschied von ihrem kleinen Mädchen unfassbar schwer.

Die Zeit mit ihr war zu kurz. Deswegen bleibt die junge Familie weitere zwölf Tage im Hospitz und lebt mit dem toten Neugeborenen. Die Leiche liegt in einem gekühlten Bett, damit die Eltern mit ihrem Baby kuscheln können. Sie gehen sogar mit Evlyn spazieren. Vier Tage vor der Beerdigung dürfen sie das tote Mädchen mit nach Hause nehmen. Dort „schläft“ Evlyn in dem Zimmer, das ihre Eltern für ihre Tochter eingerichtet hatten.

„Das hat uns emotional sehr geholfen“

Charlotte Szakacs macht ihre traurige Geschichte öffentlich. Sie will, dass möglichst viele Eltern wissen, dass es die Möglichkeit gibt, sich in Ruhe von ihrem Kind zu verabschieden. „Für uns war es so wichtig, diese normale Familienzeit zu haben, das hat emotional sehr geholfen“, sagt sie dem Mirror.

Die 21-Jährige und ihr Mann versuchten ein Jahr schwanger zu werden. Umso größer war die Freude, als Evlyn unterwegs war. 

In der 20. Schwangerschaftswoche wurde der Gendefekt entdeckt. Charlotte und Attila Szakacs entscheiden, so viel Zeit wie möglich mit ihrer Tochter zu verbringen. Evlyns Zustand ist bereits nach der Geburt kritisch. Ihre Eltern können sie sieben Stunden lang nicht sehen und dürfen sie drei Tage nicht berühren.

Mitgefühl und Unverständnis

Charlotte Szakacs bekommt auf Facebook viel Zuspruch für die Entscheidung, Zeit mit ihrer toten Tochter zu verbringen. „Auf Wiedersehen zu sagen, ist das Schwerste. Ich hoffe, ihr habt etwas Trost in der Zeit mit eurer wunderschönen Tochter gefunden“, schreibt zum Beispiel eine Frau. Eine andere bedauert, dass sie nicht die Chance hatte, sich von ihrem Kind zu verabschieden. 

Doch: Fast zwei Wochen mit einer Leiche zu kuscheln, dieses Verhalten kann nicht jeder nachvollziehen. Einige fragen sich, ob der Abschied dann nicht noch schwerer fällt. Und ob die Leiche nicht anfängt zu stinken.

„Die Frau braucht mentale Hilfe“, schreibt eine Userin.

Charlotte Szakacs versteht, dass es nicht für jeden die richtige Entscheidung ist. Doch sie will, dass zumindest alle Eltern die Wahl haben. Auch in Deutschland haben Eltern die Möglichkeit, sich in Ruhe von ihrem Neugeborenen zu verabschieden. Manche Bestattungsinstitute überführen es auch in die Wohnung der Eltern, wenn ihnen das bei der Trauerbewältigung hilft. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann so ein Abschiedsritual heilsam sein.

scw

Rubriklistenbild: © Facebook/ Charlotte Szakacs

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