Stundenlanges Martyrium

Totgeprügelter Teenager wollte Sekte verlassen

New Hartford - Der 19-Jährige, der im US-Bundesstaat New York von seinen Eltern bei einem Treffen ihrer Kirche über Stunden zu Tode geprügelt worden sein soll, hatte offenbar vor, die Sekte seiner Eltern zu verlassen.

Im US-Bundesstaat New York sollen Eltern ihren 19-jährigen Sohn in einer Kirche zu Tode geprügelt haben. Der 65 Jahre alte Vater und die 59 Jahre alte Mutter müssten sich wegen Totschlags verantworten, teilte die Polizei im Ort New Hartford am Mittwoch mit. Vier weitere Kirchenmitglieder wurden wegen ähnlicher Vorwürfe festgenommen.

Nach Angaben der Polizei hatte der 19-Jährige zuvor den Wunsch geäußert, die Sekte seiner Eltern zu verlassen zu wollen. Noch seien viele Fragen zu dem grausamen Fall offen, doch könnte dies erklären, warum die Sekte eine "seelsorgerische Sitzung" für den 19-Jährigen und seinen 17-jährigen Bruder anberaumt hatte, sagte Polizeichef Michael Inserra, die dann in eine wahre Gewaltorgie umschlug. An ihr waren die Eltern der beiden Jugendlichen sowie vier weitere Mitgliedern beteiligt, darunter eine Halbschwester der Opfer.

Brüder wurden über Stunden zu Opfern körperlicher Bestrafung

Der 19-jährige Sohn erlag den Angaben zufolge am Montag in einem Krankenhaus seinen Verletzungen, nachdem Kirchenmitglieder ihn dorthin gebracht hatten. Stunden später wurde in der Kirche auch sein schwerverletzter 17-jähriger Bruder gefunden. Polizeichef Michael Inserra sagte, die Familie sei zunächst nicht mit Informationen herausgerückt, weshalb es Stunden gedauert habe, bevor der Bruder gefunden worden sei. Der 17-Jährige sei nun in einem Krankenhaus und schwebe in Lebensgefahr.

Beide Brüder waren Polizeichef Inserra zufolge über Stunden Opfer "körperlicher Bestrafung", damit sie "frühere Sünden beichten und um Vergebung bitten würden". Zunächst war unklar, um was für "Sünden" es sich gehandelt haben soll. Nachbarn sagten dem Portal Syracuse.com, die Kirche sei ein "Kult" gewesen, die Mitglieder hätten oft mitten in der Nacht Kirchenlieder angestimmt.

Bezirksstaatsanwalt Scott McNamara zufolge werden die Eltern nicht verdächtigt, den Tod ihres Sohnes geplant zu haben. Allerdings hätten sie ihn "ernsthaft verletzen" wollen, an diesen Verletzungen sei er schließlich gestorben. Mit weiteren Festnahmen in dem Fall wurde gerechnet.

dpa/AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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