Entführter Motorsegler nach Großalarm in Frankfurt gelandet

- Frankfurt/Main - Mit einem entführten Motorsegelflugzeug hat ein vermutlich geistig verwirrter Mann am Sonntagnachmittag Frankfurt in Angst und Schrecken versetzt. Gut zwei Stunden nachdem er das Leichtflugzeug in seine Gewalt gebracht hatte, landete der Pilot auf dem Frankfurter Flughafen und ließ sich festnehmen. Er hatte damit gedroht, in ein Hochhaus zu fliegen. Mehrfach kam er den Wolkenkratzern gefährlich nahe. Die Bundesregierung und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wurden laufend über die Entwicklung am Frankfurter Himmel informiert.

<P></P><P>Der nach erstem Eindruck verwirrte Pilot sagte dem Nachrichtensender n-tv noch während seines Fluges, er wolle niemanden gefährden, sich aber am Ende der Aktion umbringen. Es komme ihm darauf an, die Astronautin Judith Resnick bekannt zu machen, die beim Absturz der US-Raumfähre Challenger im Jahr 1986 ums Leben gekommen war. Die Behörden hatten versucht, mit der Familie der Amerikanerin Kontakt aufzunehmen. Während seines Irrflugs um die Spitzen der Frankfurter Bankentürme hatte der Mann ständig Funkkontakt mit der Polizei und der Flugsicherung am Flughafen.</P><P>Die Polizei sperrte die gesamte Innenstadt für den Verkehr und evakuierte sämtliche Hochhäuser, in denen auf Grund des Sonntags aber wenig Betrieb herrschte. Phantom-Kampfjets der Bundeswehr verfolgten das Kleinflugzeug über der Innenstadt. Der Flugverkehr am Rhein-Main-Flughafen wurde wie der öffentliche Nahverkehr vorübergehend eingestellt.</P><P>Passanten wurden von Kriminalbeamten aufgefordert, die Frankfurter City zu verlassen, Hotels geräumt. Die Verfolger-Jets aus Neuburg an der Donau waren voll bewaffnet.</P><P>Die Maschine vom Typ Super Dimona HK 36 TC ist nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) bis auf 150 Fuß (rund 50 Meter) in die Nähe des Bodens gekommen. Sie wurde ständig von einem Polizeihubschrauber verfolgt. Der Täter hatte sie nach DFS-Angaben gegen 14.55 Uhr auf dem südhessischen Flugplatz Babenhausen mit vorgehaltener Waffe in seine Gewalt gebracht. Sämtliche Zeugen des Überfalls wurden sofort ins Darmstädter Polizei-Präsidium gebracht.</P><P>Bei seiner Festnahme habe der Täter einen verwirrten Eindruck gemacht, sagte ein Sprecher der Frankfurter Polizei. Die Waffe habe er nach wie vor bei sich getragen. Nach ersten Polizei-Informationen soll es sich um einen Deutschen handeln. Die Landung des Flugzeugs sei glatt verlaufen. Am Abend wollte die Polizei auf einer Pressekonferenz über weitere Einzelheiten informieren.</P><P>In der Innenstadt schauten Menschen gebannt in den Abendhimmel. "Mein Gott, fliegt der tief", stöhnte eine Frau, als das Flugzeug knapp über ein Hochhaus flog. Ab und zu durchbrachen Martinshörner die Stille. An einer Kreuzung, etwa hundert Meter entfernt, beruhigte ein Polizist, der mit seinem Wagen eine Straße absperrte, eine aufgeregte Frau. "Sie können jetzt nicht in die Innenstadt, auch wenn dort Ihr Freund ist, aber es ist bestimmt bald alles vorbei."</P><P>34 Passagiermaschinen mussten von Frankfurt auf andere Flughäfen umgeleitet werden, berichtete die Flughafenbetreibergesellschaft Fraport. Sieben Minuten nach der Landung der Maschine wurde der normale Betrieb wieder aufgenommen. Während der Sperre fielen 78 Starts und 61 Landungen zunächst aus. Es gab stundenlange Verspätungen. </P><P>Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) lobte die gute Zusammenarbeit aller Behörden bei der Verfolgung und Festnahme des Motorsegler-Kidnappers. Der Vorfall habe erneut gezeigt, dass Frankfurt einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sei, sagte Bouffier im Hessischen Rundfunk. Über den Ausgang sei er erleichtert. Mit dem Piloten, der stundenlang über der Frankfurter Innenstadt gekreist war, sei ein Polizeipsychologe in ständigem Gesprächskontakt gewesen.</P><BR> 

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