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Amanda Berry (oben links im kleinen Bild) wurde mit unzähligen Luftballons und Kuscheltieren empfangen.

„Ich habe dich nie vergessen“

Entführte Frauen mit Familien vereint

Washington - Zehn Jahre waren drei Frauen entführt und eingesperrt. Während immer neue gruselige Details ans Licht kommen, zählt für die Opfer und ihre Familien nur eins: „Der Alptraum ist vorbei.“

Die Familie hatte die Hoffnung nie aufgegeben. Das Zimmer von Amanda Berry sah aus wie immer, auch Jahre nachdem das damals 16-jährige Mädchen 2003 in Cleveland verschwunden war. An Berry gerichtete Post und Zeitschriften habe ihre Mutter im Kinderzimmer gestapelt, berichteten US-Medien unter Berufung auf Berrys Tante Tina Miller. Geschenke für Geburtstage und Weihnachten, an denen die Vermisste fehlte, lagen daneben. Ein Anruf, dass jemand sie von ihrem Job bei einem Fast-Food-Restaurant nach Hause bringen würde, war das Letzte, was Berrys Familie vor zehn Jahren von ihr hörte. Dann kein Wort, kein Lebenszeichen mehr. Das jahrelange Hoffen und Bangen begann. Berry Mutter starb über dem Kummer 2006.

Ein Jahrzehnt nach der Entführung, die Amanda Berry mit zwei anderen Frauen eingesperrt in einem „Horrorhaus“ nur wenige Kilometer entfernt von ihrem Zuhause verbrachte, hat die Gruselgeschichte doch noch ein glückliches Ende: „Hallo Papa, ich lebe“, sagte Berry nach ihrer Befreiung am Montag(Ortszeit) am Telefon zu ihrem Vater. „Sie hat dann gesagt "Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich" und dann haben wir beide angefangen zu weinen“, sagte der inzwischen im US-Bundesstaat Tennessee lebende Johnny Berry US-Medienberichten zufolge.

Auch ihre Großmutter rief Berry an. „Ich liebe dich, Schätzchen, Gott sei Dank“, antwortete die Frau. „Ich habe all diese Jahre immer an dich gedacht. Ich habe dich nie vergessen.“ Es gehe ihr gut, sagte Berry. Während ihrer Gefangenschaft habe sie eine Tochter zur Welt gebracht.

Nach rund zehn Jahren Gefangenschaft sind Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight wieder mit Familie und Freunden vereint. Um allen mehr Zeit zu geben, hat die Polizei die Befragung der drei Entführungsopfer vertagt und schottet ihre Aufenthaltsorte ab.

An dem Haus von DeJesus hingen am Tag nach ihrer Befreiung Luftballons, wie auf TV-Bildern und Fotos zu sehen war. Die ganze Familie habe vor Freude geweint, als die Nachricht kam, erzählte DeJesus' Bruder Ricardo. „Ich bin so froh, dass ich sie wiedersehen konnte. Es waren neun lange Jahre. Ich bin einfach so froh, dass ich sie sehen und umarmen und sagen konnte "Ja, du bist endlich wieder zu Hause".“ Es gehe DeJesus den Umständen entsprechend gut, sagte ihre Schwester Mayra. Und ihre Tante ergänzte: „Diese Mädchen sind so stark. Was wir in zehn Jahren gemacht haben ist nichts im Vergleich zu dem, was sie in der Zeit gemacht haben, um zu überleben.“

In der langen Phase des Wartens waren die drei Frauen eigentlich ganz nah: Von der Lorain Avenue, in der laut CNN alle drei wohnten, bis zum „Horrorhaus“ in der Seymour Avenue sind es mit dem Auto nur wenige Minuten. Die festgenommenen und tatverdächtigen drei Brüder waren in dem ärmlichen, hauptsächlich von Einwanderern bewohnten Viertel der Stadt im US-Bundesstaat Ohio bekannt. Trotzdem gab es anscheinend rund zehn Jahre lang keine heiße Spur, kein Lebenszeichen der Opfer.

USA: Entführte Frauen nach einem Jahrzehnt befreit

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DeJesus' Onkel Tito spielte sogar in mehreren Bands mit dem Hauptverdächtigen Ariel Castro und besuchte ihn zu Hause. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung“, sagte Tito DeJesus. Das Haus sei immer abgeschlossen gewesen, sagte Castros Sohn Anthony, der nach eigenen Angaben schon vor längerer Zeit zu Hause auszog und nur noch wenig Kontakt zu seinem Vater hat. „Es gab Orte, an die wir nie gehen durften. Der Keller war verschlossen, der Dachboden, die Garage.“

Viele Fragen sind nach diesem spektakulären Entführungsfall mit Happy-End allerdings noch offen. Wie konnte es sein, dass die Frauen so lange unentdeckt blieben? Gab es weitere Opfer? Was wurde ihnen angetan? Aber zunächst sei hauptsächlich eines wichtig, sagte Clevelands FBI-Chef Stephen Anthony: „Der Alptraum ist vorbei. Die Heilung kann beginnen.“

dpa

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