Katastrophe in Mittelitalien

Schweres Beben verwüstet italienische Dörfer - Viele Tote

Rom - Mitten in der Nacht hat ein schweres Erdbeben die Menschen in Mittelitalien aus dem Schlaf gerissen. Von vielen Häusern in mehreren kleinen Orten sind nur Schutthaufen übrig.

Nach dem schweren Erdbeben in Italien ist die Zahl der Toten nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa auf mindestens 120 gestiegen.  Diese Zahl nannte der italienische Regierungschef Matteo Renzi am frühen Mittwochabend. „Und diese Bilanz ist nicht endgültig“, sagte Renzi bei einem Besuch in der Region.

Der Zivilschutz sprach am Mittwoch zunächst in einer vorläufigen Bilanz von 38 Toten. Es sei noch schwierig, die Zahl der Vermissten und Verletzten zu schätzen. Viele Kinder sind unter den Opfern, mehrere kleine Orte in der Bergregion wurden verwüstet.

Häuser glichen Schutthaufen, Trümmer und Staub bedeckten Autos und Straßen. Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gab die Stärke des Bebens mit 6,2 an. Das Epizentrum lag demnach an der Grenze der Regionen Latium, Marken und Umbrien - etwa 100 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Rom, wo der Boden ebenfalls wackelte. In der Nähe liegt der Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga in den Abruzzen. Die Erdstöße rissen die Menschen mitten in der Nacht aus dem Schlaf und waren auch an der Adriaküste zu spüren. Es gab mehrere Nachbeben.

„Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor“, sagte laut Ansa der Bürgermeister der besonders stark betroffenen Gemeinde Amatrice, Sergio Pirozzi. Helfer suchten in den Trümmern völlig zerstörter Häuser nach Überlebenden und Toten. Ganze Familien wurden ausgelöscht, einige Kinder konnten aus den Trümmern gezogen werden, erlagen dann aber später ihren Verletzungen.

Erdbeben in Italien: In der Region halten sich viele Touristen auf

Für die Menschen ohne Obdach sollen laut RaiNews24 möglicherweise Zelte in Amatrice und Accumoli aufgebaut werden. Nach ersten Schätzungen sind wahrscheinlich mehrere Tausend Menschen ohne Unterkunft. In der Region hielten sich auch zahlreiche Urlauber auf.

Der Bürgermeister von Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf allein in seinem Ort. Unter ihnen seien auch etwa 2000 Menschen, die in dem Ort in den Abruzzen Urlaub machten. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar, sagte Petrucci. „Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren.“ Obwohl August ist, herrschten nachts nur zehn Grad.

Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen. Amatrice - eine Gemeinde mit etwa 2600 Einwohnern in der Provinz Rieti in der Region Latium - ist über die Straße rund 150 Kilometer von Rom entfernt. Historische Städte wie Perugia und Assisi sind nicht allzu weit. Die Häuser in der Region sind teils jahrhundertealt; bei einem solchen Beben fallen sie rasch in sich zusammen.

Um 3.30 Uhr in der Nacht fing die Erde an zu beben. Vor allem die kleineren Ortschaften Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto wurden getroffen. „Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern“, sagte der Bürgermeister von Amatrice dem Nachrichtensender RaiNews24. Straßen waren blockiert, der Strom war ausgefallen. Der Bürgermeister forderte Hilfe per Hubschrauber. Ein Einwohner sagte dem Sender: „Alles ist kaputt.“

Renzi nach Erdbeben: "Lassen niemanden alleine"

Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert. Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte jegliche Unterstützung zu. „Wir lassen niemanden alleine.“ Für Mittwochnachmittag kündigte er einen Besuch im Erdbebengebiet an.

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. 2009 war bei einem Beben die mittelitalienische Stadt L'Aquila verwüstet worden. Damals starben mehr als 300 Menschen. L'Aquila liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Amatrice entfernt.

Bilder: Schweres Erdbeben in Italien

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte Hilfe zu. „Die Nachrichten aus Italien über das nächtliche Erdbeben habe ich mit Erschrecken aufgenommen“, teilte er mit. „Wenn gewünscht, stehen wir natürlich bereit, Unterstützung zu leisten.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Kondolenztelegramm an Renzi ihr Mitgefühl aus.

Auch Papst Franziskus zeigte sich tief betroffen. Er finde kaum Worte, seinen großen Schmerz auszudrücken, sagte er zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. „Den Bürgermeister von Amatrice sagen zu hören, dass der ganze Ort nicht mehr existiert, und zu wissen, dass unter den Opfern Kinder sind, hat mich sehr berührt.“

Alle Informationen rund um das schwere Erdbeben in Italien finden Sie im Live-Ticker.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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