Noch Überlebende gefunden

Kampf um Trinkwasser: Unruhen in Nepal

Kathmandu - Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal muss das Leben weitergehen, doch überall herrscht Mangel - und der Verteilungskampf beginnt. Die Menschen kritisieren die Regierung.

Wegen der schlechten Versorgungslage nach dem Erdbeben in Nepal drohen Verteilungskämpfe unter den Überlebenden. Es gebe bereits vereinzelte Streitereien um Trinkwasser, berichtete das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) in der Nacht zum Mittwoch. „Ungleiche Verteilung erhöht das Risiko von Auseinandersetzungen unter den Betroffenen.“

Den Rettern läuft die Zeit davon: Im Mai erreicht der Monsun Nepal, schon jetzt erschweren Regenfälle immer wieder die Arbeiten. Im Wettstreit um Nahrungsmittel wächst zugleich die Aggressivität.

Aus Angst vor Nachbeben verbringen viele Tausende die Nächte im Freien. Gerüchte verbreiten sich wie Lauffeuer: Er habe gehört, dass das nächste Beben die Stärke 15 haben werde, sagte ein junger Mann. Regierungsbehörden und Helfer baten in sozialen Netzwerken, die Menschen nicht mit unwahren Gerüchten zu erschrecken.

Jetzt schon 5000 Tote

Die Zahl der Toten allein in Nepal stieg auf mehr als 5000. Außerdem seien mindestens 10 000 Menschen verletzt worden, sagte Kumar Dahal vom Innenministerium am Mittwoch in Kathmandu. Hinzu kommen 100 Tote in den Nachbarländern Indien und China. Helfer fürchten, dass die Zahl deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen erreicht werden.

Wegen der schlechten Versorgungslage mehrt sich Kritik an der Regierung. Regierungschef Sushil Koirala warb am Dienstagabend um Verständnis: Die Regierung werde aus ihren Fehlern lernen, betonte er.

Noch Überlebende gefunden

Doch es werden auch noch Überlebende gefunden: Nach fast 82 Stunden unter den Trümmern sei ein Mann in Kathmandus Stadtteil Gongabu gerettet worden, berichtete die Zeitung „Nepali Times“ online. Die nepalesische Polizei und ein französisches Team hätten zehn Stunden gegraben, um ihn zu befreien. Ein zweiter Mann dort habe es nicht geschafft. „Wir hatten gehofft, er kommt lebend raus, weil er noch mit uns gesprochen und uns seinen Namen gesagt hat“, sagte Kipendra Thapa der Zeitung. Nach UN-Angaben wurden allein am Dienstagabend 14 Menschen aus dem Schutt geholt.

Der ohnehin überlastete Flughafen musste am Mittwoch vorübergehend wegen Rissen in der Landebahn gesperrt werden, wie lokale Journalisten berichteten. Die Risse seien aber schnell repariert worden.

Nepal will keine weiteren ausländischen Bergungsteams mehr

Die Regierung des Himalaya-Staats bat darum, dass keine weiteren ausländischen Rettungs- und Hilfsteams mehr anreisen sollen. UN-Einsatzkoordinator Jamie McGoldrick sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, nach Ansicht der Regierung in Kathmandu seien inzwischen genug ausländische Experten vor Ort. "Sie glauben, über genügend eigene Kapazitäten zu verfügen, um die dringenden Anforderungen bei der Suche und der Rettung von Opfern zu bewältigen", sagte McGoldrick. Wer auf dem Weg sei, dürfe kommen, die anderen sollten besser fernbleiben.

Der Flughafen von Kathmandu, der nur über eine Start- und Landebahn verfügt, kann die zahlreichen Hilfsflüge kaum bewältigen. Zudem sitzen viele der ausländischen Hilfsteams, die es bis Kathmandu schafften, nach Angaben von McGoldrick immer noch in der nepalesischen Hauptstadt fest, weil die Straßen in abgelegenere Gebiet zerstört sind.

Tausende Tote bei Erdbeben im Himalaja

Tausende Tote bei Erdbeben im Himalaja

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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