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Die Hallig Langeneß ist nochmal mit dem Schrecken davon gekommen. Am Freitagmorgen wagt sich sogar die Sonne langsam wieder raus.

„Wir haben Glück gehabt“

Erleichterung auf Halligen nach Sturmnacht

Langeneß/Hooge - Die Angst vor der nächtlichen Sturmflut war groß. Nachdem bereits Donnerstagnachmittag "Land unter" war, stieg das Wasser an den Warften weiter. Wie die Bewohner die Nacht überstanden haben:

Freitagnacht ist die Lage auf den nordfriesischen Halligen wegen der schweren Sturmflut mit Orkan „Xaver“ Spitz auf Knopf. „Die Nordseewellen hatten wir vorm Fenster in Augenhöhe“, sagt Heike Hinrichsen, Bürgermeister der größten Hallig Langeneß. „Wir hatten keine Angst, aber man empfindet doch Respekt vor den Naturgewalten.“ Einige Wellen schwappten über die 4,60 Meter hohe Warft. Doch die Schotten am Hauseingang verhindern, dass Wasser eindrang. „Für den Fall hatten wir noch im Haus zusätzlich Sandsäcke als Schutz.“

Aufatmen auch im Hotel „Anker's Hörn“ an der besonders gefährdeten Nordwestspitze von Langeneß. Bis auf den äußersten Rand der 5,30 Meter hohen Warft schossen die Wellen, aber das wenige Meter entfernte Hotel bleibt verschont. Hotelier Malte Karau (36) und sein Onkel Malte Lorenzen (67) kontrollierten nachts die Lage. Mit einer Taschenlampe kämpften Lorenzen und ein Begleiter gegen die Orkanböen, die den Männern fast die Beine wegrissen.

Fenster mit Holzbrettern verschlossen

Schrecksekunde am Abend im Hotel: Der heftige Nordweststurm drückt eine mit Holzbrettern geschützte zweiflügelige Fenstertür auf, tosender Wind zieht durchs Haus. Männer stemmen sich von innen gegen das Fenster, bis Lorenzen - er ist Handwerker und vorsorglich als Helfer nach Langeneß gekommen - ruckzuck drei dicke Bretter zurechtsägt und zwischen den Mauervorsprüngen innen befestigt. Das Fenster trotzt dem Orkan.

Beim Frühstück am Morgen danach sind alle wieder entspannt, auch die Hotelgäste. „Wir haben nicht so gut geschlafen und haben nachts immer wieder aus dem Zimmerfenster gebannt auf die tosende Nordsee geschaut“, erzählen Marion (52) und Udo Hausmann (53) aus Oerlinghausen bei Bielefeld. Der Sturm rüttelte am Haus; Regen und frühmorgens Hagelkörner prasselten an die Scheiben.

Weihnachten kann kommen

Zahlreiche SMS besorgter Freunde und Verwandte haben die Hausmanns erreicht, ob sie in Gefahr seien, wie es ihnen gehe? „Gut“, sagen die Hausmanns - von den Stürmen haben sie Skizzen und Fotos gemacht. Zuhause will Marion Hausmann davon Bilder malen - ihr Hobby. Hotelier Karau ist erleichtert, „wir haben Glück gehabt“.

Auch Pastor Matthias Krämer und der Postschiffer Fiede Nissen auf anderen Warften sind wie die Bewohner auf der benachbarten Hallig Hooge ohne Wassereinbruch davongekommen. „Niemand hat nasse Füße bekommen, alles ist gut gelaufen, jetzt können wir Plätzchen backen“, sagt Erco Jacobsen, Leiter des Touristikbüros Hooge.

Hinrichsen sieht ein grundsätzliches Problem: „Der Schutz der Halligen muss noch besser und insbesondere die Warften erhöht werden.“ Da müsse das Land jetzt wie in den vergangenen Jahrzehnten ran. „Wäre die Sturmflut 3,50 Meter - wie zunächst vorhergesagt - und nicht nur etwa 2,50 Meter höher als das mittlere Hochwasser gewesen, wären die Warften mit den Häusern vollgelaufen.“

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dpa

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