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Der Tatort

Wer ermordete Hollywoods PR-Queen?

New York - Wer an die Stars wollte, musste an ihr vorbei. Doch jetzt ist Hollywoods mächtigste PR-Agentin tot. Erschossen. Von wem? Die Polizei tappt im Dunkeln.

Die Tat könnte aus einem ihrer Filme sein: In Los Angeles wird am legendären Sunset Boulevard eine Frau erschossen. Das Opfer ist Ronni Chasen, eine der mächtigsten PR-Agentinnen Hollywoods. Doch auch Tage nach der Bluttat tappt die Polizei, trotz einer hohen Belohnung der Filmbranche, im Dunkeln: Wer wollte die PR- Queen ermorden?

Der Dienstag war in Los Angeles erst ein paar Minuten alt, als die 64-Jährige auf dem Rückweg von der Premierenfeier von “Burlesque“ war, einem Film mit Cher und Christina Aguilera. Chasen sitzt allein in ihrem schwarzen Mercedes, als sie von fünf Schüssen in die Brust getroffen wird. Der Wagen kommt von der Straße ab, rammt einen Lichtmast, die Airbags springen auf. Chasen lebt noch, als Polizisten sie finden. Sie stirbt wenig später im Krankenhaus.

Doch viel mehr ist nicht bekannt. Von einem “Hollywood Mystery“ spricht die “New York Times“. “Der Mord hinterlässt mehr Fragen als Antworten“, schreibt das Blatt, “wer wollte den Tod der PR-Agentin?“

Chasen war in Hollywood eine Legende. In den 70er Jahren war die New Yorkerin in die Filmmetropole gekommen und hatte schnell Einfluss gewonnen. Sie steckte hinter vielen Oscar-Erfolgen, machte Kampagnen für “Slumdog Millionaire“ und “The Hurt Locker“. Außerdem vertrat sie den Oscar-prämierten deutschen Filmmusikkomponisten Hans Zimmer.

Wer an die Stars wollte, musste an ihr vorbei. Sie kämpfte mit harten Bandagen, heißt es in den Nachrufen. Wer der “Oscar- Strategin“ (“Times“) als zu unwichtig erschien, wurde von ihr brüsk abgebürstet. Auch die eigenen Mitarbeiter hielt die Unverheiratete fest im Griff: Noch aus dem Auto schickte sie eine Aufgabenliste für den nächsten Morgen an ihr Büro - sechs Minuten bevor die Schüsse fielen.

Aber so hart der Umgang auch gewesen sein mag - ist das ein Mordmotiv? Die Polizei weiß diese Frage nicht zu beantworten und ermittelt in alle Richtungen. Auch die Tat selbst weist viele Fragen auf: Wie konnte Chasen in die Brust geschossen werden - ohne, dass es Einschusslöcher in der Frontscheibe gibt. Das Seitenfenster war zwar unten, aber so ganz passt das nicht zum vermuteten Tathergang. Saß der Mörder etwa mit der PR-Queen im Auto?

Der Mord an der 64-Jährigen verstört die Filmbranche. “Sie hatte keine Feinde. Und das ist bemerkenswert in dieser Branche“, sagte Chasens früherer Partner Dick Guttman. Die Einschätzung mag von der Trauer geprägt sein, doch tatsächlich versammelten sich Filmleute in Los Angeles und New York spontan zu Gedenkgottesdiensten und Trauerfeiern. Die Tat habe in Hollywood “einen Nerv getroffen“, schreibt die “New York Times“.

Die Polizei hofft auf die Bilder von Überwachungskameras, die die Fahnder zusammensuchen. Der Branche ist das offenbar nicht genug. Gleich mehrere Belohnungen wurden für die Aufklärung der Tat ausgesetzt, allein 100 000 Dollar (74 000 Euro) vom Palm Springs International Film Festival, für das Chasen gearbeitet hatte.

dpa

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