22 Mal schwarz gefahren

Erneut Haftbefehl gegen "Oma Gertrud"

Wuppertal - Einer 87-Jährigen aus Wuppertal droht erneut Gefängnis. Die als „Oma Gertrud“ bekanntgewordene Dame ist schon wieder schwarz gefahren - und das gleich 22 Mal. 

Sie blieb am Donnerstag einem Gerichtstermin fern, weshalb das Wuppertaler Amtsgericht Haftbefehl gegen die Frau erließ - „schweren Herzens“, wie der Richter ausdrücklich anmerkte.

Die 87-Jährige hatte schon im Juni Schlagzeilen gemacht, als sie ins Gefängnis sollte, weil sie 400 Euro Geldstrafe wegen Schwarzfahrens nicht zahlen konnte. Keinem der beteiligten Beamten sei die Festnahme leicht gefallen, hatte ein Sprecher der Bundespolizei damals gesagt. Das löste eine Welle der Sympathie und Spendenbereitschaft für die alte Frau aus, die von ihrer kleinen Rente offenbar nicht leben kann und nebenher putzen ging.

Die „Bild“-Zeitung zahlte die Strafe damals und ersparte der alten Dame das Kittchen. Allerdings soll sich die offenbar recht mobile Frau nicht wirklich geläutert gezeigt haben: Wegen 22 weiteren Fällen von Schwarzfahrerei sollte sich die schon einschlägig verurteilte Frau am Donnerstag erneut vor Gericht verantworten.

„Der Fall zeigt die Widersinnigkeit des Systems der Ersatzfreiheitsstrafen und kennt nur Verlierer“, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Justizministeriums auf Anfrage. Den Staat würde die Frau pro Hafttag 115 Euro kosten. Hinzu komme noch die medizinische Überprüfung ihrer Haftfähigkeit. Dabei könnte die rüstige Dame als Strafe doch besser Parks oder Kirchen säubern.

Die rot-grüne Landesregierung will deshalb eine bundesweite Reform der Strafgesetzgebung anstoßen. In solchen Fällen sollen Richter als Strafe künftig auch gemeinnützige Arbeit verhängen können.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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