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Nach Tod eines Festgenommenen

Erneut Proteste gegen Polizeigewalt in Baltimore

Washington - Die Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA findet offenbar kein Ende. Diesmal stehen Polizisten in Baltimore unter Verdacht. Ein 25-Jähriger erlitt nach seiner Festnahme schwere Verletzungen, fiel ins Koma und starb Tage später. Haben Beamte den Mann misshandelt?

Nach dem Tod eines Schwarzen in Polizeigewahrsam ist es zu erneuten Protesten in der US-Metropole Baltimore gekommen. Mehrere Hunderte Demonstranten versammelten sich am Dienstagabend in der Hafenstadt an der Ostküste. Das Fernsehen zeigte Bilder von friedlichen Protesten, Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet.

Zugleich leitete auch das Justizministerium Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung der Bürgerrechte ein, wie die Zeitung „Baltimore Sun“ berichtete. Kommentatoren in den Medien fragten sich, warum die Umstände der Festnahme und des Todes des 25-jährigen Freddie Gray noch immer nicht eindeutig geklärt seien. Auch Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake äußerte sich irritiert. Die Stadt durchlebe ein Trauma. „Wir müssen dieser Sache auf den Grund gehen“, forderte sie.

Bisherigen Informationen zufolge wurde Gray bereits am 12. April nach einer Verfolgung festgenommen. Videoaufnahmen zeigten, wie der junge Mann in ein Polizeifahrzeug geschleift wurde - offenbar konnte er bereits seine Beine kaum noch bewegen. Als er auf das Polizeirevier gebracht wurde, habe Gray eine Rückenmarkverletzung erlitten, wie die Behörden der Stadt ohne weitere Einzelheiten mitteilten.

Während der Fahrt habe er nach Angaben der Polizei über Probleme beim Luftholen geklagt. Als er aus dem Wagen geholt wurde, habe er nicht mehr geatmet. Später sei er ins Koma gefallen und eine Woche nach seiner Festnahme am 19. April im Krankenhaus gestorben. Nach Ergebnissen der Obduktion starb er an den Folgen der Rückenverletzung, teilte die Polizei mit.

Die sechs Polizisten, die an der Festnahme beteiligt waren, seien zunächst vom Dienst suspendiert worden, berichtete die Polizei weiter. Der Anwalt der Familie des Opfers wirft der Polizei vor, brutal mit dem Mann umgegangen zu sein. Er sei grundlos festgenommen worden.

Der Fall ereignete sich inmitten einer Debatte über Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Bereits im vergangenen Sommer hatte der Tod des unbewaffneten schwarzen Teenagers Michael Brown in Ferguson in Missouri für landesweite Empörung gesorgt - ein weißer Polizist hatte ihn erschossen. Seitdem kamen zahlreiche weitere Fälle von Polizeigewalt ans Tageslicht.

Baltimores Bürgermeisterin Rawlings-Blake hatte bereits im Oktober die Polizeiführung auf schwere Missstände wie exzessive Gewalt von Beamten hingewiesen. Nach einem Bericht der „Baltimore Sun“ haben Gerichte die Stadt nach Zivilklagen über Polizeigewalt zwischen 2011 und 2014 zur Zahlung von über 5,7 Millionen Dollar verurteilt.

dpa

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