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Erste Anklage in Chile gegen Schäfer

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- Santiago de Chile - Der frühere Chef der berüchtigten Deutschen-Siedlung «Colonia Dignidad» im Süden Chiles, Paul Schäfer, ist am Donnerstag wegen der Entführung eines Gegners der Pinochet-Diktatur unter Anklage gestellt worden. Das habe der Richter Joaquín Billard entschieden, berichtete die Zeitung «La Tercera».

Das Mitglied der linken Bewegung MIR, Alvaro Vallejos, war 1974 ein Jahr nach dem Putsch von Augusto Pinochet zuletzt in der sektenartigen Landwirtschaftssiedlung gesehen worden. Schäfer hat die Vorwürfe bestritten.

Ein ehemaliges Mitglied der Geheimpolizei Dina hatte zu Protokoll gegeben, er habe Vallejos damals Schäfer direkt übergeben. Der chilenische Arzt Luis Peebles berichtete zudem, er selbst und andere Opfer seien 1975 in der «Colonia Dignidad» mit Elektroschocks gequält, in enge Kisten gepfercht, mit kaltem Wasser begossen und ohne Nahrung gelassen worden.

Als Verteidigerin wurde dem Deutschen, der rechtlichen Beistand zunächst abgelehnt hatte, die Rechtsanwältin María Eugenia Correa beigeordnet. Die Justiz wirft Schäfer noch weitere Fälle von Beteiligung an den Verbrechen der Militärdiktatur (1973-1990) sowie sexuellen Missbrauch von Minderjährigen vor. Nach jahrelanger Flucht war Schäfer am Donnerstag vergangener Woche bei der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires aufgespürt und am Sonntag nach Chile abgeschoben worden. Schäfer hatte die sektenartige Gemeinschaft mit etwa 300 Mitgliedern aus Deutschland 1961 gegründet.

Eine Untersuchung des körperlichen und psychischen Zustands des 83-Jährigen hatte Medienberichten zufolge ergeben, dass Schäfer verhandlungsfähig ist. Wegen mangelnden Appetits wurde ihm in der Untersuchungshaft aber ein intravenöser Zugang gelegt. Darüber können dem Körper Vitamine, Fette und Kohlenhydrate zugeführt werden.

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