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Erstmals Bilder der Afghanistan-Geisel

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Kairo/ Berlin/ Kabul - Knapp zwei Wochen nach der Entführung zweier deutscher Bauingenieure in Afghanistan sind erstmals Bilder der überlebenden Geisel veröffentlicht worden.

Der arabische Sender Al-Dschasira strahlte am Dienstag eine Videoaufnahme aus, auf der der 62-jährige Deutsche umringt von maskierten Kämpfern zu sehen ist, die ihre Waffen auf ihn richten. Nach Angaben des Senders fleht der Mann um Hilfe. Die Bundesregierung bezeichnete das Video als «gezielt lanciertes Dokument der Einschüchterung». Unterdessen läuft am Mittwoch ein weiteres Ultimatum der Entführer von 21 Südkoreanern aus. Die Taliban haben gedroht, weitere Geiseln zu erschießen, sollten ihre Forderungen nicht bis 12.00 Uhr Ortszeit (0930 MESZ) erfüllt werden.

Nach Angaben des Nachrichtensprechers von Al-Dschasira bittet der entführte Deutsche die Bundesregierung und die USA in dem Video darum, «die Truppen aus Afghanistan abzuziehen», damit er zu seiner Familie zurückkehren könne. Die Stimme des Mannes selbst war auf dem Video kaum zu hören. Es zeigt ihn in einer felsigen Landschaft. Einen Hinweis darauf, wann die Aufnahme entstanden ist, gibt es nicht.

«Die Experten des Krisenstabes sind dabei, die Videobotschaft sorgfältig zu analysieren und auszuwerten», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger. Man tue alles, um die Freilassung der Geisel zu erreichen.

Der Deutsche befand sich nach dpa-Informationen zumindest noch am Montag in der südlichen Provinz Ghasni in der Hand einer örtlichen Taliban-Gruppe, die einen eher kriminellen Hintergrund haben und nur lose Verbindung zu den straffer organisierten Rebellen um Mullah Omar und Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi unterhalten soll.

Der 62-jährige Deutsche war am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen in der Provinz Wardak verschleppt worden. Die Leiche seines Kollegen war wenige Tage später mit mehreren Schusswunden gefunden worden. Der Leichnam des Mannes wird seit Ende vergangener Woche in Köln untersucht. Ein Ergebnis steht noch aus.

Einen Tag nach den beiden Deutschen waren im Süden Afghanistans auch 23 Südkoreaner, Anhänger einer christlichen Freikirche, verschleppt worden. Für ihre Freilassung fordern die Taliban die Entlassung von acht Gesinnungsgenossen aus afghanischen Gefängnissen. Zwei Geiseln wurden bereits erschossen. Sollten die Regierungen in Kabul und Seoul nicht bis 12.00 Uhr am Mittwochmittag auf die Forderungen eingehen, würden weitere Geiseln getötet, sagte Taliban- Sprecher Ahmadi am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wenige Stunden zuvor war die Leiche des zweiten getöteten Koreaners am Rand einer Straße in der Provinz Ghasni gefunden worden.

Das Präsidialamt in Seoul forderte ein Ende dieser «abscheulichen» Morde an Unschuldigen und die sofortige Freilassung der Geiseln. Die Forderung nach einer Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen der Taliban sei jedoch jenseits der Macht der südkoreanischen Regierung. Seoul rief aber zur Flexibilität bei der Lösung der Krise auf.

Dagegen wandte sich der afghanische Präsidentensprecher Humayun Hamidzada indirekt gegen ein Eingehen auf die Forderungen der Taliban. «Wir sollten Entführer nicht ermutigen, indem wir ihre Forderungen tatsächlich akzeptieren», sagte er. In dem spezifischen Fall wolle er sich aber wegen laufender Verhandlungen nicht zu einer möglichen Entscheidung äußern.

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