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Wissenschaftler Peter Michalik hält eine Tasmanische Höhlenspinne auf der Hand. Foto: Christian Wirkner/Archiv

Nervenzellen in Begattungsorgan von Spinnen nachgewiesen

Nichts spüren beim Sex - so stellten sich Forscher bisher das Liebesleben von Spinnenmännchen vor. Eine neue Analyse ergab nun: Offenbar haben die Tiere doch Nervenzellen an ihrem Begattungsorgan. Das hat weitreichende Folgen.

Greifswald (dpa) - Im Begattungsorgan von Spinnenmännchen haben Forscher erstmals Nervenzellen nachgewiesen.

Offenbar hätten die Männchen zumindest während der Paarung Einfluss auf ihren Vaterschaftserfolg - und nicht wie bisher angenommen nur die Weibchen, berichten Zoologen der Universität Greifswald im Fachmagazin "Biology Letters". Über die Nerven erhielten die Tiere während der Paarung Informationen über das Weibchen und könnten wohl den Fluss ihres Ejakulats entsprechend anpassen. Bislang galten die Begattungsorgane der männlichen Tiere bei allen Spinnenarten als taub und unempfindlich.

Die Forscher um die Zoologin Elisabeth Lipke hatten Tasmanische Höhlenspinnen (Hickmania troglodytes) untersucht, eine in Australien vorkommende, handtellergroße Spinnenart. In 15 000- bis 20 000-facher Vergrößerung analysierten sie mit einem sogenannten Transmissions-Elektronenmikroskop die zu Begattungsorgangen umgewandelten Extremitäten im Vorderkörper, die Pedipalpen. "Die Neuronen in der Spitze des Begattungsorgans steuern Druck und Zug und könnten dem Männchen dabei helfen, sich während der Paarung besser auf das Weibchen einzustellen", erklärt Lipke.

Zudem wiesen die Forscher zwei Drüsen im Begattungsorgan nach, die offenbar beim Transfer des Spermas während der Kopulation eine wichtige Rolle spielen. "Ähnlich wie bei Insekten könnten die Spinnenmännchen über diese Drüsen ihre Samenflüssigkeit modifizieren und zusätzliche Sekrete an das weibliche Tier abgeben und so Prozesse im Weibchen beeinflussen", vermutet Lipke. "Somit könnten die Männchen sich über die Beigabe von individuellen Sekreten den Vaterschaftserfolg sichern."

Spinnenweibchen paaren sich häufig mit mehreren Männchen, die sich mitunter durch üppige Brautgeschenke die Gunst der Auserwählten zu sichern suchen. Bei längerer Kopulationszeit werden mehr Spermien übertragen und somit auch mehr Nachkommen gezeugt, so die Annahme. Den Männchen wurde dabei bisher lediglich eine passive Rolle zugeschrieben. "Männchen der Tasmanischen Höhlenspinne nehmen offenbar einen direkten Einfluss auf die Kopulation", sagt Peter Michalik, Leiter des DFG-Forschungsprojektes zur Evolutionsmorphologie von Reproduktionsorganen bei Spinnen und Mitautor der Studie.

Den Greifswalder Forschern gelang der morphologische Nachweis von Nervengewebe - die genaue Funktion der Zellen müsse nun in experimentellen Studien analysiert werden, schreiben sie. Offen sei zum Beispiel, ob die Männchen der Tasmanischen Höhlenspinne so etwas wie Spaß beim Sex empfinden. Künftige Studien sollen zudem zeigen, ob es ähnliche Nervenzellen auch in den Begattungsorganen anderer Spinnenarten gibt.

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