USA ersuchen UN um Unterstützung im Irak

- New York/Bagdad - Einen Tag nach dem blutigsten Anschlag in Bagdad seit Jahresbeginn haben die USA die Vereinten Nationen um Unterstützung im Irak ersucht. Während UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York mit dem US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, und einer Delegation des provisorischen Regierungsrates zu Gesprächen zusammentraf, demonstrierten in Bagdad mehr als 100 000 irakische Schiiten für direkte Wahlen noch in diesem Jahr.

Zu der friedlichen Kundgebung hatten der schiitische Klerus und dessen höchster Repräsentant, Großajatollah Ali el Sistani, aufgerufen.

Laut Bremer ist es an der Zeit, dass die Vereinten Nationen in den Irak zurückkehren: "Sie haben viel Erfahrung mit der Vorbereitung von Wahlen und dem Schreiben von Verfassungen."

In UN-Kreisen wurden die erwarteten Vorschläge Bremers und des provisorischen Regierungsrates zu der künftigen Rolle der UN im Irak mit Vorbehalt kommentiert. "Sie wollen, dass wir ihnen Legitimität verleihen. Aber sie wollen uns kein echtes Mitspracherecht geben. Wir sträuben uns, so lange wir können. Doch der Druck ist groß", sagte ein hochrangiger UN-Mitarbeiter in New York.

Annan ließ vor der Erwartung schneller Beschlüsse warnen. Zunächst werde er nur zuhören und Fragen stellen, ließ der UN-Chef ausrichten. Auf sein Geheiß hatten alle internationalen UN-Mitarbeiter den Irak nach dem folgenschweren Bombenanschlag auf den UN-Sitz in Bagdad am 19. August verlassen.

Annans Sprecher, Fred Eckhard, begrüßte die Bitte der USA als Zeichen "für eine Rückkehr zur Normalität, zu einer Situation, in der die Regierungen wieder zusammenarbeiten und die internationale Verständigung nationale Priorität hat". Skeptiker fürchten, dass die USA in den UN einen Sündenbock suchen, dem sie beim Scheitern ihrer Irakmission die Schuld zuweisen können. Wie viel Macht die USA den UN im Irak einzuräumen bereit sind, ist nach einem Bericht der "New York Times" selbst in Washington noch umstritten. Bedenken gegen zu viel UN-Einfluss im Irak würden vor allem von US-Vizepräsident Richard Cheney geäußert.

In Bagdad töteten US-Soldaten nach Angaben des arabischen Senders El Dschasira einen Syrer und zwei Jemeniten. Der Sender berichtete, die drei Männer hätten, als die Amerikaner ihr Haus stürmen wollten, das Feuer auf die Soldaten eröffnet.

 

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