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Ab sofort wird Zollitsch das zweitgrößte deutsche Bistum als „Diözesanadministrator“ leiten.

Papst akzeptiert Rücktritt

Erzbischof Zollitsch verzichtet auf sein Amt

Freiburg - Papst Franziskus hat den Amtsverzicht des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch angenommen, den dieser, wie im Kirchenrecht vorgesehen, zu seinem 75. Geburtstag angeboten hatte.

Ab sofort wird Zollitsch das zweitgrößte deutsche Bistum als „Diözesanadministrator“ leiten, bis ein neuer Oberhirte ernannt ist. Zugleich machte Franziskus am Dienstag aber deutlich, dass Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bis zum Frühjahr der wichtigste Repräsentant der katholischen Kirche in der Bundesrepublik bleiben soll. Denn erst im März endet Zollitschs sechsjährige Amtszeit; erst dann werden die deutschen Bischöfe einen neuen Vorsitzenden wählen.

Damit bleibt in Freiburg zunächst vieles, wie es bislang war: Denn auch als Administrator behält Zollitsch weiterhin alle Rechte und Pflichten des Ortsbischofs. Andererseits beginnt nun eine Etappe des Übergangs im Erzbistums. Zollitsch bleibt genügend Zeit, um in den kommenden Monaten von ihm begonnene Initiativen und Projekte fortzusetzen: auf Bistumsebene etwa die bis 2015 umzusetzenden neuen Strukturen und Zuschnitte der Gemeinden und Seelsorgeeinheiten; auf Bundesebene den von ihm angestoßenen Dialog zur Zukunft der Kirche.

Als Bischofskonferenzvorsitzender prägte Zollitsch das öffentliche Auftreten der Kirche in Deutschland entscheidend mit. Dabei warteten nach seiner überraschenden Wahl 2008 zahlreiche Herausforderungen auf den Donauschwaben: Intern vermittelte er zwischen den Kirchenflügeln. Zugleich warb Zollitsch dafür, dem Priestermangel und den langsam sinkenden Katholikenzahlen durch eine größere Einbeziehung aller in der Kirche Engagierten zu begegnen.

Anfang 2010 stürzte die Kirche mit dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen durch Priester und Ordensleute in eine schwere Vertrauenskrise. Unter Zollitschs Führung gelang die Verabschiedung strenger kirchlicher Leitlinien zur Missbrauchsprävention und zur Reaktion auf Verdachtsfälle. Die Kirche übernahm in vielen Fällen Therapiekosten von Missbrauchsopfern und bietet „Anerkennungszahlungen“ an. Die kirchlichen Leitlinien wurden erst in dieser Woche neu überarbeitet.

Die im Südwesten traditionell engen Kontakte zwischen Protestanten und Katholiken pflegt Zollitsch auch auf Bundesebene. Auch wenn bei ethischen Positionen - etwa bei Gentests an Embryonen oder zuletzt im Familienbild - unterschiedliche Positionen zutage treten. Im Bundestagswahlkampf scheute er sich nicht, vor antieuropäischen Parolen zu warnen.

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Zollitschs Persönlichkeit und Religiosität sind stark durch die Kriegserfahrungen seiner Jugend geprägt. Geboren 1938 in Filipovo im ehemaligen Jugoslawien muss er als Kind mitansehen, wie Tito-Partisanen im November 1944 seinen Bruder und 200 weitere Dorfbewohner ermorden. „Ich kann die Schüsse noch heute hören“, sagt er. Mit seinen Eltern gelang ihm die Flucht in den Westen. Über Umwege kam er schließlich nach Mannheim. Er dachte über ein Studium der Literatur oder Geschichte nach. Es wurde dann doch Theologie. „Ich wollte anderen Menschen helfen, im Glauben ein sinnvolles Leben zu führen.“

Als Jahrhundertereignis und Höhepunkt seiner Arbeit erlebte Zollitsch den Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. im September 2011. Dessen viel beachtete „Entweltlichungs-Rede“ im Freiburger Konzerthaus bewertete er differenziert, nach dessen Rücktritt bedauerte er ausdrücklich, dass manche Anregungen des deutschen Papstes in Deutschland nicht klar genug verstanden worden seien.

Schließlich machte sich Zollitsch für einen bundesweiten Dialogprozess zur Zukunft von Religion, Glaube und Kirche stark. Am vergangenen Wochenende zog er beim dritten bundesweiten Dialogtreffen in Stuttgart eine positive Zwischenbilanz des Erreichten. Das Vertrauen in der Kirche sei gewachsen; die Gesprächskultur habe sich verbessert.

Im Bistum Freiburg erarbeitete zuletzt eine vielbeachtete Diözesanversammlung zentrale Zukunfts- und Reformaufgaben. Ihnen wird sich Zollitsch nun auch als Diözesanadministrator weiter widmen.

KNA

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