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Estland: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Blick auf die Altstadt von Talinn
Estland hat in den vergangenen Jahrhunderten eine bewegte Geschichte durchlebt © picture alliance / dpa | Mauritz Antin

Estland hat in den vergangenen Jahrhunderten eine bewegte Geschichte durchlebt. Die Zeit, während der das Land eine Sowjetrepublik war, hat Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Estland - Am 1. Januar 2011 wurde in Estland der Euro als nationale Währung eingeführt. Er löste die estnische Krone ab, die vom Jahr 1992 an das offizielle Zahlungsmittel in der jungen Republik gewesen war. Dieses Datum markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des baltischen Staates: Er schuf optimale Bedingungen für einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Zugleich trieb Estland durch die Währungsumstellung seine Integration in die EU weiter voran, der das Land im Jahr 2004 beigetreten war.

Estland: Anfänge der Geschichte

Vor ungefähr 11.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit begann die Besiedelung Estlands. Bis ins 12. Jahrhundert hinein lebten auf dem Gebiet des heutigen baltischen Staates heidnische Stämme. Erst zu dieser Zeit begann die Christianisierung durch dänische und deutsche Missionare. Allerdings hatte dieses Vorhaben zunächst wenig Erfolg. Aus diesem Grund entschied sich der Bischof von Riga, Albert von Buxthoeven, gewaltsam vorzugehen, und setzte die Armee des Schwertbrüderordens zur Durchsetzung des christlichen Glaubens ein. Der Schwertbrüderorden wandte sich im Verlauf der Mission vom Bischof ab und ging eine Allianz mit dem Dänenkönig Waldemar dem Zweiten ein. Diese Allianz eroberte anschließend im Jahre 1219 Estland. Das Datum markiert den Beginn der Kolonialisierung beziehungsweise Fremdherrschaft in dem baltischen Land, die über viele Jahrhunderte andauern sollte.

Estland: Die Geschichte vom Mittelalter bis zur ersten Unabhängigkeit

Im Laufe der Geschichte beherrschten verschiedene fremde Mächte im Wechsel das kleine Estland, im Einzelnen handelt es sich dabei um:

Für die Bevölkerung besonders folgenreich war die Einführung der Leibeigenschaft im Jahre 1400. Sie wurde erst unter russischer Besatzung im ersten Quartal des 19. Jahrhunderts wieder aufgehoben.

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in der estnischen Bevölkerung zunehmend ein Bewusstsein der eigenen nationalen Identität und der Wunsch, einen eignen Staat zu gründen. Die Wirren der russischen Oktoberrevolution nutzten die Esten als Gelegenheit, einen unabhängigen Staat zu gründen. Am 24. Februar 1918 wurde dieser in Form einer Republik proklamiert. 1921 trat Estland dem Völkerbund, der Vorläuferorganisation der Vereinten Nationen, bei.

Estland: Von der Sowjetrepublik bis in die Gegenwart

Im sogenannten Hitler-Stalin-Pakt vereinbarten die beiden Diktatoren 1939 die Annektion der drei baltischen Staaten durch die Sowjetunion. Stalin setzte die Einverleibung Estlands als Sowjetrepublik mit großer Brutalität um, unter anderem kam es in deren Verlauf zu Massendeportationen, schweren Repressalien gegen „Volksfeinde“ und die gezielte Ansiedlung von Russen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Estland von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Nach dessen Ende setzte die Sowjetunion ihre repressive Politik gegenüber den baltischen Staaten, auch mit dem Ziel einer Russifizierung, fort.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion erreichte Estland erneut die Unabhängigkeit. Am 30. März 1990 wurde Estland wieder zur Republik ausgerufen. Im Rahmen einer Volksabstimmung entschied sich am 3. März 1991 mit 78 Prozent die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Moskau.

Der estnische Staat trat in den folgenden Jahren diesen Organisationen bei:

Als erstes baltisches Land führte Estland 2011 den Euro ein.

Estland: Staat und Politik

Der estnische Staat ist als parlamentarische Republik organisiert. Die Staatsversammlung beziehungsweise das Parlament tritt als gesetzgebende Gewalt auf und besitzt derzeit 101 Abgeordnete. Bürger haben ab 18 Jahren das aktive und ab 21 Jahren das passive Wahlrecht. Als Staatspräsident von Estland kann sich jeder estnischstämmige Bürger wählen lassen, der das 40. Lebensjahr vollendet hat.

Der Staatspräsident nimmt vor allem repräsentative Aufgaben wahr. Die Regierung des Staates verantwortet die Politik und besteht aus dem Premierminister und Ministern. Am 3. März 2019 fand die letzte Parlamentswahl statt. Dazu traten die wichtigsten Parteien Estlands an:

Gegenwärtig (Stand Dezember 2020) regiert Jüri Rataas von der Zentrumspartei den Staat als Premierminister beziehungsweise Ministerpräsident. Seit dem Jahre 2016 hat Kersti Kaljulaid das Amt der Staatspräsidentin inne.

Estland: Geografie und Klima

Estland liegt im Norden des Baltikums. Das Land erstreckt sich über eine Fläche von 45.339 Quadratkilometern und ist somit geringfügig kleiner als das deutsche Bundesland Niedersachsen. Der Staat hat eine Küstenlänge von knapp 3.800 Kilometern. Die Geografie Estlands ist von Hügeln und Wäldern geprägt. Zahlreiche Moore und Seen kennzeichnen die Struktur. Das Land liegt im Durchschnitt nur 50 Meter über dem Meeresspiegel.

Das Klima des Landes wird durch die nördliche und maritime Lage bestimmt: Nur mäßig warmen Temperaturen im Sommer folgen frostige Winter.

Die wichtigsten Klimadaten im Überblick:

Die Fauna und Flora Estlands sind typisch für den nördlichen Ostseeraum: Birken und Waldkiefer beherrschen die Wälder, die etwa die Hälfte der Landesfläche bedecken. In ihnen lebt zahlreiches Großwild wie Elche, Rothirsche, Rehe, Bären und Wölfe.

Estland: Bevölkerung und die größten Städte

Estland hat eine Bevölkerung von rund 1,3 Millionen Einwohnern. Die Bevölkerungsdichte beträgt 29 Einwohner je Quadratkilometer. Estland ist in 15 Landkreise eingeteilt und hat 34 Städte.

Die größten Städte sind:

NameEinwohnerzahl (Stand)
Tallinn434.562 (2019)
Tartu92.970 (2020)
Narva53.103 (2018)
Parnu51.272 (2019)
Kohtla-Järves34.394 (2019)

Das Durchschnittsalter der estnischen Bevölkerung liegt derzeit bei 42,4 Jahren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es bis zum Jahre 2050 auf über 48 Jahre ansteigen wird. Die Ursache für diese Entwicklung besteht zum einen im demografischen Wandel aufgrund einer steigenden Lebenserwartung bei einer gleichzeitig kontinuierlich zurückgehenden Geburtenrate. Zum anderen verzeichnet Estland wie viele andere osteuropäische Staaten eine starke Abwanderung von jungen Bürgern sowohl nach Skandinavien als auch nach Westeuropa.

Estland: Sprache und Kultur

Aufgrund seiner bewegten Geschichte ist Estland ein Staat, in dem Bürger unterschiedlicher Abstammung und mit verschiedenen Sprachen leben. Insbesondere die sowjetische Fremdherrschaft prägte das Land, da zu dieser Zeit umfangreiche Umsiedlungen von Russen in Estland durchgeführt wurden. Heute ist rund ein Viertel der Bevölkerung Estlands russischer Herkunft und damit auch russischsprachig.

Darüber hinaus leben in dem baltischen Land unter anderem Minderheiten der folgenden Volksgruppen:

Estnisch ist eine eigenständige Sprache, die eine starke Verwandtschaft mit dem Finnischen aufweist. Sie ist geltende und einzige Amtssprache des Staates und wird von rund 950.000 Personen gesprochen.

Die Kultur Estlands ist ebenso von vielfältigen historischen Einflüssen geprägt. Das Land besitzt eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen an Volksliedern. Das Nationalepos „Kalevipoeg“ erzählt die Geschichte eines tapferen Helden, der nach vielen bestandenen Abenteuern König von Estland wurde. Auch das estnische Kunsthandwerk besitzt noch heute eine große Bedeutung für das Kulturleben des Landes. Einige der wichtigsten Museen Estlands sind:

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