Thierry Breton vor einer weißen Wand spricht und bewegt seine Hände.
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Thierry Breton, EU-Industriekommissar verspricht bis Ende des Sommers alle Erwachsenen EU-Bürger gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

EU im Kampf gegen das Coronavirus

Corona-Versprechen: EU-Bürger bis Ende des Sommers zu 100 Prozent durchgeimpft

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Bis Ende des Sommers sollen bereits alle erwachsenen EU-Bürger geimpft sein, bis Juli 70 Prozent. Das gab der EU-Industriekommissar Thierry Breton bekannt.

München - Die EU stellt ein Ende des langen Wartens auf Corona-Impfstoff in Aussicht. Laut der Welt sei der Plan der EU, bis zum Herbst ausreichend Versorgung mit Erst-Impfungen zu erreichen. Das gab vergangenen Donnerstag EU-Industriekommissar Thierry Breton, seit zwei Monaten der Leiter der Impf-Taskforce von der EU-Kommission, bekannt.

Er wolle mehr Druck auf die Impfstoffhersteller ausüben, ihre Lieferversprechen auch einzuhalten. Dabei helfe außerdem die neue Produktionsstätte für das Vakzin Biontech/Pfizer in Marburg. Breton teilte bei einer Pressekonferenz mit: „Wir haben jetzt genug Lieferzusagen bis Mitte Juli, dass wir sicherstellen können, dass 70 Prozent der erwachsenen EU-Bürger bis Mitte Juli geimpft werden können und mit allen Lieferzusagen, die wir haben, 100 Prozent der Erwachsenen bis zum Ende des Sommers“.

420 Millionen Impfdosen für die gesamte EU, Ausfall von Astrazeneca-Lieferungen bereits mit eingerechnet

420 Millionen Impfstoff-Dosen gegen das Coronavirus seien bis Ende Juli auf dem Weg. Bis Ende Juni bereits 360. Bei dieser Berechnung sei sogar das Worst-Case-Szenario, dass von Astrazeneca zu wenig oder gar kein Impfstoff mehr komme bereits berücksichtigt. So sagte Breton: „Nach unseren Berechnungen werden wir unsere Impfziele selbst dann erreichen, wenn die 70 Millionen Dosen von AstraZeneca ausfallen“.

Die EU setze hauptsächlich auf die Vakzine von Biontech/Pfizer (200 Millionen), Johnson & Johnson (50-55 Millionen) sowie Moderna (35 Millionen). In der Rechnung noch nicht enthalten ist der deutsche Impfstoff Curevac, der noch auf seine Zulassung wartet. Im zweiten Halbjahr erwarte die EU sogar beinahe eine Milliarde Dosen Vakzine. Dann sollen nämlich die Produktionskapazitäten bereits enorm gestiegen sein. Diese Impfungen seien für Auffrischungsimpfungen, auch wegen der sich immer wieder ändernden Virusvarianten nötig.

Ab September 100 Millionen Impfstoff-Dosen pro Monat produzierbar

„Im September oder Oktober werden wir eine Produktionskapazität von 100 Millionen Dosen pro Monat erreichen“, so Breton. Die Anzahl der versprochenen Impfdosen ist damit höher als zuvor angekommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von-der-Leyens Prognose war, dass nur 70 Prozent der EU-Bürger bis Ende des Sommers geimpft werden können - und selbst diese Ansage zweifelten viele an.

Breton betonte dabei, dass es völlig unnötig sei, den russischen Impfstoff Sputnik V zu bestellen. Zwar begrüße er generell neuen Impfstoff, glaubt jedoch dass Sputnik V in der gegenwärtigen Situation zu lange bräuchte, bis er in der EU hergestellt werden kann. Grund dafür sei, dass es bis zu einem Jahr dauere bis Fabriken gebaut wären, die den Impfstoff in Europa produzieren. „Aber für uns ist die kritische Zeit jetzt“, erklärte er. Das Impfen in Deutschland ging bisher eher zäh voran. Das bestätigen auch die aktuellen Corona-Zahlen.

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