+
Pestizide stehen im Verdacht für das vielfache Bienensterben verantwortlich zu sein. Foto: Roland Weihrauch

EU untersucht im Kampf gegen Bienensterben erneut Pestizide

Bienen bestäuben einen Großteil unserer angebauten Pflanzen. Zum Schutz der Insekten hat die EU schon länger den Einsatz bestimmter Pestizide beschränkt. Jetzt prüft die Kommission neue Informationen - eine wichtige Studie dazu gibt es schon.

Brüssel (dpa) - Im Kampf gegen das Bienensterben will die EU die Wirkung umstrittener Pestizide erneut unter die Lupe nehmen. Bis Ende Mai sollten neue wissenschaftliche Ergebnisse zu sogenannten Neonicotinoiden gesammelt werden, teilte die EU-Kommission in Brüssel auf Anfrage mit.

Eine Studie des Wissenschaftsnetzwerks Easac kommt zu dem Schluss, dass die Nervengifte Honigbienen, aber auch anderen wichtigen Insekten erheblich schaden können.

Es sei noch zu früh, um zu sagen, was das Ergebnis dieses Prozesses sein könne, hieß es bei der EU-Behörde. Die seit 2013 bestehenden Einschränkungen zur Nutzung von Neonicotinoiden seien aber ohnehin nicht zeitlich beschränkt gewesen, sondern behielten ohne Frist ihre Gültigkeit.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern sichtete für den neuen Bericht mehr als 100 Studien. Es gebe mehr und mehr Hinweise darauf, dass der Einsatz dieser Wirkstoffe Folgen für eine Reihe von Organismen im Ökosystem habe, berichtete Easac, ein Verbund von Nationalakademien in Europa. Beispiele seien Hummeln, aber auch Wespen, Käfer oder Regenwürmer.

Die EU hatte den Gebrauch von Neonicotinoiden 2013 erheblich eingeschränkt, gleichzeitig aber einen neuen wissenschaftlichen Überblick für dieses Jahr versprochen. Der Bericht sei ein wesentlicher Teil davon, hieß es bei der EU-Kommission. Landwirte dürfen Pestizide mit drei der umstrittenen Nervengifte nicht mehr großflächig nutzen, etwa gegen den Schädling Maiswurzelbohrer. Das gilt etwa beim Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle.

Die Mittel wurden zuvor genutzt, um Saatgut zu beizen. Das sei wie ein "Gesundheitsschutz für das ganze Leben einer Pflanze" gewesen, sagte ein Sprecher des Deutschen Bauernverbands in Berlin. Als Ersatz müsse heute häufiger gespritzt werden. "Wir spüren, dass etwa beim Raps vermehrt Schädlinge auftreten", sagte der Sprecher.

Der Großteil aller angebauten Pflanzen muss bestäubt werden. Die Wissenschaftler warnten davor, sich alleine auf Bienen zu verlassen. Auch andere Bestäuber wie Hummeln, Schmetterlinge oder Motten müssten geschützt werden. Deren Anzahl sei in Europa generell zurückgegangen. "Der Schutz der Biene allein reicht nicht aus, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu sichern", heißt es in dem Easac-Bericht.

Easac-Studie zu Neonicotinoiden

Informationen der EU zum Bienensterben

Mitteilung von Easac zur Studie

EU-Verordnung 485/2013

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unbekannter filmt mit Drohne nackten Mann im Bad
Mit einer Drohne hat ein Unbekannter Menschen in einem Haus gefilmt. Für einen Mann war das besonders schlimm: Er war gerade nackt.
Unbekannter filmt mit Drohne nackten Mann im Bad
Totale Sonnenfinsternis am 21. August 2017: Alle Infos zu dem Naturspektakel 
Am 21. August 2017 steht den USA die erste totale Sonnenfinsternis seit 38 Jahren bevor. Hier erhalten Sie alle Eckdaten und wichtige Hintergründe zu dem seltenen …
Totale Sonnenfinsternis am 21. August 2017: Alle Infos zu dem Naturspektakel 
Mann erschossen - Polizei prüft mögliche Kontakte in Rockerszene
Als er gerade seine Tochter im Auto anschnallen wollte, wurde der Mann erschossen. Die Polizei schließt eine Verbindung zur Rockerszene nicht aus.
Mann erschossen - Polizei prüft mögliche Kontakte in Rockerszene
Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen
In der finnischen Stadt Turku sind mehrere Menschen niedergestochen worden. Ein Täter wurde festgenommen - die Polizei fahndet nach weiteren Verdächtigen.
Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

Kommentare