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Neuer Europameister in der Königsdisziplin  "3x3x3" wurde Philipp Weyer aus Willich am Niederrhein. Foto: Matej Divizna

Europameisterschaft der Zauberwürfel-Experten in Prag

Es muss nicht immer die neueste Smartphone-App sein: In Prag hatten am Wochenende Hunderte EM-Teilnehmer Spaß mit dem Zauberwürfel. Neuer Europameister wurde ein Deutscher.

Prag (dpa) - Ein Knobel-Klassiker wird wiederentdeckt: Bei der Zauberwürfel-Europameisterschaft in Prag sind am Wochenende 525 Meister im Sortieren der bunten Felder aufeinandergetroffen.

Was für die meisten ein minutenlanges Geduldsspiel ist, lösen sie in Sekunden. Die Finger fliegen im Blitztempo über die verdrehten Würfel, bis alle sechs Seiten jeweils eine Farbe haben.

Neuer Europameister in der Königsdisziplin "3x3x3" wurde Philipp Weyer aus Willich am Niederrhein, wie die Veranstalter am Sonntag mitteilten. Der Sieger konnte sich über einen Pokal und 1000 Euro Preisgeld freuen. Der Deutsche ist kein Unbekannter: Auf der Weltrangliste liegt Weyer derzeit auf Platz 45 mit einer Bestzeit von 6,44 Sekunden. Bester Tscheche wurde Matej Grohmann, der mit 7,7 Sekunden einen neuen Landesrekord aufstellte.

Neben dem klassischen 3D-Würfel mit drei mal drei Feldern pro Seite griffen die Teilnehmer in einer Sporthalle im Prager Vorort Radotin auch zu ungewöhnlicheren Modellen bis zur Jumbo-Größe sieben mal sieben. Wem das nicht schwer genug war, spielte mit einer Hand, verbundenen Augen oder sogar den Füßen.

Unter den knapp 50 deutschsprachigen Teilnehmern war auch Tim Schädel aus Mainz. Auch wenn er nicht unbedingt einer der Schnellsten sei, fasziniere ihn das Spiel, sagte der 22-Jährige: "Es ist der Ansporn, immer schneller und immer besser zu werden." Wichtig seien räumliche Vorstellungskraft und viel Übung. Von den anderen Teilnehmern könne man zudem immer den einen oder anderen Trick lernen. Viele hätten den Zauberwürfel ihrer Eltern auf dem Dachboden gefunden - und dann im Internet recherchiert.

Bei der Europameisterschaft gibt es 18 Kategorien, in denen Spieler verschiedener Altersklassen antreten. Am besten sind meist die Teenager: "Sie lösen den Zauberwürfel schneller, als ich diesen Satz zu Ende sprechen kann", sagte Organisator Jaroslav Flejberk. Wenige Zehntelsekunden könnten über den Sieg entscheiden.

Der bekannte Zauberwürfel ist eine Erfindung des ungarischen Architekten und Designers Erno Rubik. Ihm kam die Idee dazu 1974, als er ein Modell für seine Studenten baute, das die räumliche Vorstellungskraft schulen sollte. Mit Lucas Etter hält derzeit ein US-Amerikaner den Weltrekord im "Speedcubing" mit einer Zeit von nur 4,9 Sekunden.

Der Ex-Mathematiklehrer und Spiele-Fanatiker Flejberk hatte 2004 ein erstes Zauberwürfel-Turnier in Tschechien veranstaltet. "Ich war der Gewinner, weil außer mir niemand gekommen war", erinnerte er sich mit einem Augenzwinkern. Inzwischen habe die Europameisterschaft sogar mehr Teilnehmer als die Weltmeisterschaft. Computerspiele sieht er nicht als direkte Konkurrenz: "Hier ist der Mensch der Held, nicht das Spiel", sagt der Sammler mechanischer Geduldsspiele.

Zauberwürfel-EM

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