Geplante Kasinostadt

"Europa-Las Vegas" in Spanien geplatzt

Madrid - Das gigantische Kasino- und Tourismus-Projekt „Eurovegas“ wird doch nicht im Madrider Vorort Alcorcón realisiert: Der Investor stellte laut spanischer Medien enorme Forderungen.

Hiobsbotschaft für das krisenerschütterte Spanien: Das gigantische Kasino- und Tourismus-Projekt „Eurovegas“ wird nun doch nicht im Madrider Vorort Alcorcón realisiert. Das 30-Milliarden-Dollar-Vorhaben (ca. 21 Milliarden Euro) sei abgesagt worden, teilte die Las Vegas Sands Corporation von US-Kasino-Tycoon Sheldon Adelson (80) am Freitag in einem Kommuniqué mit. Der Bau eines integrierten Resorts in Europa sei seit Jahren seine Vision gewesen, aber nun werde man asiatische Länder wie Japan oder Südkorea als Partner zu gewinnen versuchen, sagte Adelson laut Mitteilung.

Las Vegas Sands habe in letzter Minute als „unverhandelbar“ bezeichnete Forderungen gestellt, die Madrid aber auf keinen Fall habe erfüllen können, berichteten spanische Medien zuvor unter Berufung auf die Regierung. Adelson habe etwa eine Senkung der Glücksspielsteuern sowie eine Absicherung seiner Investitionen vor eventuellen Änderungen der Gesetze im EU-Land gefordert. Zudem war auch das strikte Rauchverbot in Spanien zuletzt zu einem großen Hindernis bei der Realisierung des Milliardenprojekts geworden.

Tourismusverband: "Katastrophale Entscheidung"

Der Grundstein zur Errichtung des „europäischen Las Vegas“ hätte nach der ursprünglichen Vereinbarung eigentlich schon Anfang Dezember gelegt werden sollen. In Alcorcón knapp 15 Kilometer südwestlich der spanischen Hauptstadt sollten in den nächsten Jahren auf 750 Hektar sechs Kasinos, zahlreiche Hotels, Einkaufs- und Konferenzzentren, Theater, Golfplätze sowie ein Stadion für 15 000 Zuschauer hochgezogen werden. Die erste von drei Etappen wollte man 2017 abschließen. Das Projekt sollte im Euro-Krisenland direkt und indirekt insgesamt mehr als 250 000 Arbeitsplätze schaffen.

Der Dachverband der Madrider Unternehmen der Tourismus-, Freizeit-, Hotel- und Kulturwirtschaft („La Plataforma por el Ocio“) bezeichnete die Nachricht sofort als „katastrophal“. „Dass man sich ins eigene Bein schießt, tut dem Tourismus alles andere als gut“, meinte Sprecher Vicente Pizcueta. Auch der Unternehmerverband der Hauptstadt (CEIM) bedauerte das Scheitern der Verhandlungen. Obwohl Spanien im Sommer einen Rekordansturm von Urlaubern erlebt hatte, war in Madrid ein starker Rückgang der Touristenbesuche registriert worden.

Angst vor kriminellem Zuzug contra Massenarbeitslosigkeit

In Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit hatte „Eurovegas“ zwar viel Begeisterung ausgelöst, aber auch Kritiker auf den Plan gerufen. Die Gegner des Vorhabens wiesen darauf hin, dass Spanien sich in Zukunft eigentlich auf Hightech- und nicht auf neue Dienstleistungsprojekte konzentrieren wollte. Zudem wurde befürchtet, dass das Spielparadies auch zu einem Prostitutionszentrum werden und Kriminelle anlocken könnte. Auch Steuer- und andere Vergünstigungen, die Madrid dem Multimilliardär Adelson zugesagt hatte, waren angeprangert worden.

Die knapp 19 000 Follower der Plattform „Eurovegas No“ dürften nun aber jubeln. Der Gewerkschaftsbund CCOO tat es bereits. Man habe „Investoren von zweifelhaftem Ruf“ abgewiesen, hieß es. Madrids Bürgermeisterin Ana Botella versicherte unterdessen, man werde „weiterarbeiten, um auch ohne Eurovegas vorwärtszukommen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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