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Kurt Meier (r) und Uwe Glinka posieren in Brietlingen (Kreis Lüneburg) mit Gemüse und Spar-Kochbüchern.

Ex-Arbeitslose zeigen: So sparen Sie richtig

Berlin - Thilo Sarrazin wurde für seine Menüvorschläge für Hartz-IV-Empfänger vielfach kritisiert. Kurt Meier und Uwe Glinka dagegen werden ihre Kochtipps aus der Hand gerissen. Der Unterschied: Die beiden wissen, wovon sie reden.

Ihr Briefkasten quillt über, der Terminkalender ist dicht. Seit die ehemaligen Hartz-IV-Empfänger Kurt Meier (57) und Uwe Glinka (56) vor drei Jahren das günstige Einkaufen und Kochen zu ihrem Beruf gemacht haben, haben sie eine rasante öffentliche Karriere hinter sich. Mit ihren Ratgebern für Arme waren die Männer aus dem Kreis Lüneburg in Niedersachsen bereits in etwa 30 Fernsehsendungen zu Gast. Ihr sechstes Buch, “Spar dir das Fleisch“, steht von Montag an (19. September) in den Regalen im Buchhandel.

Insgesamt 100 000 Exemplare ihrer Spar-Ratgeber sind bereits verkauft. Mit Titeln wie “Das Familiensparkochbuch“ oder “Richtig feiern (fast) ohne Geld“ ist die Zielgruppe klar: Menschen, die sparen wollen oder müssen. “Es werden immer mehr, die mit ihren Einkünften nicht auskommen. Das sind längst nicht mehr nur Hartz- IV-Empfänger“, sagt Kurt Meier.

Meier und Glinka, die als Informationselektroniker und Autoverkäufer vor Jahren arbeitslos wurden, wollten sich trotz Hartz IV nicht unterkriegen lassen. Nachdem sie sich bei einer Arbeitslosen-Maßnahme kennengelernt hatten, machten sie gemeinsam aus der Not eine Tugend. Sie wollten beweisen, dass man sich mit Selbstgekochtem einen Monat von dem wenigen Geld ernähren kann, das einem zur Verfügung steht.

Und es gelang: Bei den Landfrauen sammelten die beiden Rezepte für preisgünstige Mahlzeiten für ihre erste Broschüre. Mit Block und Bleistift zogen beide monatelang durch die größten Discounter und verglichen und notierten penibel die Preise der notwendigen Lebensmittel. “Das Besondere an unseren Kochbüchern ist, dass man immer von vornherein weiß, was ein Menü kosten wird“, betont Glinka.

Eine Einladung von Günther Jauch, als der noch “Stern TV“ moderierte, brachte ihnen den Durchbruch. “Wir hatten damals kein Geld, die Broschüre drucken zu lassen und haben sie kostenlos auf die Homepage von “Stern TV“ gestellt“, berichtet Meier. 1,5 Millionen Menschen luden sich daraufhin die 30 Tagesrezepte für eine ausgewogene Ernährung runter, deren Kosten dem Hartz-IV-Regelsatz pro Tag entsprechen. Der Erfolg ermunterte die Autoren, sich Geld für den Druck zu leihen.

Längst haben die beiden Spar-Profis ihre Recherchen auf alle Lebensbereiche ausgeweitet. Eine neue Broschüre, in der die günstigsten Anbieter von Drogerieartikeln im Vergleich aufgelistet sind, ist im Eigenverlag erschienen. Weitere Ratgeber zum Sparen im Haushalt sind in Arbeit. Tipps und Tricks, wie man günstig seine Freizeit gestaltet oder zum Beispiel Hochzeitsgäste bewirtet, wollten Glinka und Meier am Freitagabend in der NDR-Fernsehsendung “Billig durch den Alltag“ (21.15 Uhr) verraten.

dpa

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