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Biologieprofessor Mark van Kleunen von der Universität Konstanz im Botanischen Garten der Uni neben blühenden Goldruten. Foto: Patrick Seeger

Exotische Arten können zum Problem werden

Palmen mitten im Buchenwald? Gar nicht mehr so unwahrscheinlich. In Deutschlands Gärten wachsen viele Zierpflanzen aus anderen Teilen der Welt, die sich bei steigenden Temperaturen rasant verbreiten können.

Konstanz (dpa) - Sie sehen hübsch aus, sind aber eine potenzielle Bedrohung für die heimische Flora und Fauna: Exotische Pflanzen wie Hanfpalmen und Wandelröschen könnten in Deutschland künftig einen Boom erleben.

Mit dem Klimawandel wachse die Gefahr, dass sich mediterrane und subtropische Gewächse ausbreiten und heimische Arten verdrängen, sagte Biologieprofessor Mark van Kleunen von der Universität Konstanz.

Gemeinsam mit Kollegen aus dem In- und Ausland hat van Kleunen eine umfassende Übersicht über sogenannte Neophyten weltweit erstellt - von Pflanzen also, die sich auf fremdem Boden etabliert haben. Die Studie wird in der Fachzeitschrift "Nature" vorgestellt. Überrascht habe ihn, wie groß die Zahl der ausgewanderten Arten sei, sagte der Ökologe. Fast vier Prozent der globalen Flora, insgesamt mehr als 13 000 Arten, seien auch fernab ihrer Heimat zu finden. Zum Vergleich: In ganz Europa gibt es rund 14 000 Pflanzenarten.

In Deutschland haben die Forscher rund 450 Neophyten ausgemacht. Nicht alle verdrängten die heimische Flora, sagte van Kleunen. Einige potenziell problematische Arten haben sich bislang auch kaum verbreitet. Doch sie könnten einen plötzlichen Boom erleben, wenn sich die Lebensbedingungen zu ihren Gunsten ändern - etwa, wenn die Sommer heißer und die Winter milder werden.

Dies gelte unter anderem für einige Gartenpflanzen aus mediterranen und subtropischen Zonen, sagte der Biologe. Das hübsche, aber hochgiftige Wandelröschen etwa habe sich in anderen Teilen der Welt schon unkontrolliert verbreitet. Ähnliches gelte für die Hanfpalme, ein beliebtes Gewächs für den Vorgarten. Im Tessin verdränge diese Art bereits den heimischen Wald, und auch in Deutschland könnte sich die Palme schon bald in freier Wildbahn ausbreiten.

Van Kleunen rät generell zu mehr Vorsicht im Gartenbau. Es solle genau überlegt werden, welche Pflanzen man von anderen Kontinenten nach Europa hole. Problematische Arten sollten unbedingt im Auge behalten werde, um eingreifen zu können, bevor sie wirklich heimisch werden. In Radolfzell am Bodensee untersucht der Biologe zusammen mit seinem Team und der Deutschen Umwelthilfe, was auf den Grünflächen der Stadt angepflanzt wird und welche Pflanzen dort besser nicht hingehören.

Wenn es um Neophyten geht, ist Europa aber nicht nur Opfer, sondern auch Täter. "Wir haben fast die ganze europäische Flora exportiert", sagte van Kleunen. So macht sich der rot blühende Blutweiderich in Nordamerika breit. Zur Plage wird dort auch die Knoblauchsrauke, die Einwanderer als Gewürz mitbrachten und die heimische Arten verdrängt.

Besonders betroffen ist jedoch Neuseeland. Weil dort die Weiden für Kühe und Schafe zu mager waren, brachten Siedler Pflanzen aus ihrer Heimat mit und säten sie teils sogar mit Flugzeugen aus. Die Folge: Heute hat Neuseeland eine fast europäische Flora. Es gibt 1500 einheimische Pflanzenarten - und 1500 exotische. "Das ist schon ein eher krasses Beispiel", sagte van Kleunen. Nicht überall auf der Welt seien solche Folgen zu erwarten. "Doch die Pflanzenwelt wird in Zukunft homogener und ein bisschen langweiliger."

Die Forscher hatten für Analyse Informationen zu eingewanderten Pflanzenarten aus über 480 Festland- und mehr als 360 Inselregionen gesammelt. Die meisten nicht-heimischen Arten haben sich demnach mit fast 6000 in Nordamerika angesammelt, die schnellste Zunahme bei der Zahl der Invasoren gibt es derzeit auf den Pazifikinseln.

Link zur Studie (nach Ablauf der Sperrfrist)

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