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Nach dem Bankräuberpärchen hatte die Polizei seit 15 Jahren gefahndet.

Karlsruher Pärchen war wohl die "Gentlemen-Räuber"

Stuttgart - Bei dem Karlsruher Bankräuberpärchen handelt es sich laut Polizei sehr wahrscheinlich um die seit 15 Jahren gesuchten “Gentlemen-Räuber“.

Die “Gentlemen-Räuber“ hatten etwa 20 Banken in der Region Nordbaden und in der Südpfalz überfallen. Der Spitzname bezieht sich auf den Umstand, dass die Täter bislang bei ihren Überfällen vergleichsweise höflich waren. So schickten sie einmal den Schlüssel eines Fluchtautos zurück oder entschuldigten sich für einen Überfall. Sie hatten bei ihren Raubzügen etwa zwei Millionen Euro erbeutet.

Ob es sich wirklich um die seit vielen Jahren gesuchten Ganoven handelt, können die Ermittler erst nach der Auswertung eines DNA- Vergleichs sicher sagen. Fest steht, dass es sich bei dem toten Duo um ein tschechisches Ehepaar handelt. Der 40 Jahre alte Mann und seine 38 Jahre alte Frau hatten sich in einem nahe gelegenen Hotel eingemietet. Sie hatten ihre Ausweise dabei.

Derweil kamen weitere Details zu den Tätern raus. Ihrem Sohn erzählte das Ehepaar laut “Bild am Sonntag“ vergangenen Mittwoch, es wolle verreisen. “Sie haben mir erzählt, sie würden zu Freuden nach Prag fahren“, sagte er dem Blatt. Stattdessen fuhr es wohl Richtung Karlsruhe - zum nächsten Bankraub. Beide lebten diesen Angaben zufolge in einem Dorf im Süden Tschechiens.

In die Bank stürmte das Räuberpaar am Freitagabend nach Auskunft der Polizei kurz vor Geschäftsschluss. Fünf Angestellte und mehrere Kunden waren in der Filiale. Einige Bankmitarbeiter und Passanten, die Zeugen der Schießerei wurden, erlitten einen Schock. Auch die Polizisten werden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Wie durch ein Wunder kam in der belebten Einkaufsstraße niemand zu Schaden.

Tatort gezielt ausgesucht

Nach Einschätzung eines Polizeiexperten haben sich die beiden den Tatort in der belebten Innenstadt ganz bewusst ausgesucht. “Sie haben sich auf ihre Taten bestens vorbereitet und sich Objekte ausgesucht, die mit veralteten oder gar keinen Videoanlagen ausgestattet waren“, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack, der Nachrichtenagentur dpa. Somit sei eine frühe und eindeutige Identifizierung nicht möglich gewesen. “Das waren professionelle Kriminelle, die ihr Objekt der Begierde tagelang ausspähen.“

“Die Konzentration der vergangenen rund 20 Banküberfälle auf die Region Nordbaden und Südpfalz könnte darauf hindeuten, dass das Pärchen auch in der Gegend gewohnt hat“, meinte Lautensack.

Polizistin auf dem Weg der Besserung

Die Streifenpolizisten hätten nach dem Überfall gar keine andere Wahl gehabt, als selbst zu schießen, weil sie von den Verbrechern beschossen worden seien. “Dazu sind sie nach dem Polizeigesetz auch befugt.“ Allerdings könnten Beamte in so einer akuten Situation nicht gezielt auf etwa Beine oder Arme von Tätern schießen. Sie müssten auch das Umfeld im Blick haben, damit kein Unbeteiligter zu Schaden komme. Der Vorfall werde nun routinemäßig von der Staatsanwaltschaft untersucht, sagte Lautensack. “Ich rechne aber nicht mit einem Ermittlungsverfahren gegen die Beamten.“ Sie hätten in klassischer Notwehr gehandelt.

Die bei der Schießerei schwer am Oberschenkel verletzte 28 Jahre alte Polizistin ist auf dem Weg der Besserung. Die Beamtin wurde am Freitagabend operiert. “Für die Schwere der Verletzungen geht es ihr verhältnismäßig gut“, sagte ein Polizeisprecher. Sie werde keine bleibenden Schäden davontragen. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) dankte den Beamten für ihren guten Einsatz.

dpa

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