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Ein Containerschiff passiert den Panama-Kanal. Mit chinesischer Hilfe will Nicaragua einen zweiten Kanal zwischen Atlantik und Pazifik bauen. Foto: Alejandro Bolivar/Archiv

Experten warnen vor großen Umweltschäden beim Nicaraguakanal

Es wäre eines der größten Bauprojekte der Welt. Nicaraguas Regierung verspricht sich von der Wasserstraße einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch das Vorhaben würde die Natur und das soziale Gefüge des Landes für immer verändern.

Managua (dpa) - Der umstrittene Nicaraguakanal hätte nach Einschätzung von Experten erhebliche ökologische und soziale Konsequenzen.

Der Bau der Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik würde Regenwald zerstören, die Wasserqualität des Nicaraguasees gefährden und rund 30 000 Menschen aus ihren Heimatorten vertreiben, heißt es in einer Studie der Beratungsfirma ERM.

Den Risiken stünden jährliche Konzessionsgebühren der chinesischen Betreiberfirma HKND, steigende Steuereinnahmen und möglicherweise ein genereller Wirtschaftsaufschwung gegenüber. Eine Abwägung der positiven und negativen Effekte des Kanals müsse die nicaraguanische Regierung vornehmen. Präsident Daniel Ortega verspricht sich von dem Vorhaben einen Boom für das zweitärmste Land Lateinamerikas.

Die britische Unternehmensberatung ERM erstellte das Umwelt- und Sozialgutachten im Auftrag der HKND. In den vergangenen Wochen waren zunächst nur Details der Studie bekanntgeworden, am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichte das Unternehmen nun das ganze 113 Seiten starke Papier.

Die Chinesen wollen neben der neuen Wasserstraße zwei Häfen, einen internationalen Flughafen, Fabriken und eine Freihandelszone errichten. Trotz des offiziellen Baubeginns im Dezember vergangenen Jahres kommt das 50 Milliarden US-Dollar schwere Vorhaben kaum voran. Kritiker bezweifeln, das die in Infrastrukturprojekten unerfahrene HKND in der Lage ist, den Bau des Kanals zu finanzieren und umzusetzen.

So müssten für den Bau der 278 Kilometer langen Wasserstraße fünf Milliarden Kubikmeter Erde, Schlamm und Gestein abgeräumt werden. Es wäre damit das größte zivile Tiefbauprojekt der Geschichte, schrieben die ERM-Experten. Während der fünfjährigen Bauzeit seien jährlich rund 50 000 Arbeiter nötig. Da Nicaragua nur über wenige qualifizierte Facharbeiter verfüge, müsse die Hälfte voraussichtlich im Ausland rekrutiert werden. Das könne zu erheblichen sozialen Verwerfungen führen.

Durch den Bau des Kanals könnte Salzwasser in den Nicaraguasee eindringen, warnte ERM. Der See ist der größte Süßwasserspeicher der Region und Lebensgrundlage für zahlreiche Menschen. Bei den Grabungsarbeiten könnten zudem Sedimente freigesetzt werden, die das ökologische Gleichgewicht des Sees stören.

Entlang der geplanten Route müssten rund 2900 Quadratkilometer Land enteignet werden. Das ist etwas mehr als die Fläche von Luxemburg. 30 000 Menschen würden dadurch ihre Heimat verlieren. Bislang sei noch unklar, wie die Betroffenen entschädigt werden sollen, kritisierten die ERM-Experten. Zuletzt gab es immer wieder Proteste der Anwohner.

Studie zu ökologischen und sozialen Auswirkungen des Kanals

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