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Schätzungen zufolge gibt es bundesweit 400.000 private Drohnen. 2020 werden es 1,2 Millionen sein.

Vom Spielzeug zur Gefahr

Expertin erklärt: So gefährlich sind Drohnen

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Drohnen erleben momentan einen richtigen Boom. Doch Sicherheitsexperten sind in Sorge, denn viele Drohnen-Besitzer wissen nicht, an welche Regeln sie sich halten müssen. Neue Gesetze sind auf dem Weg.

Drohnen sind für Hobbypiloten ein Freizeitspaß. In drei Jahren werden schon 1,2 Millionen dieser Fluggeräte durch deutsche Lüfte düsen. Und werden ein Sicherheitsproblem. Immer öfter muss die Polizei zu Drohnen-Unfällen ausrücken oder sich mit Straftaten beschäftigen. Vom Spannerflug mit Fotodrohnen über Nachbars Garten bis zum drohenden Terroranschlag ist vieles möglich. Experten diskutierten am Montag in Kaufbeuren mögliche Abwehrmaßnahmen. Und das Bundesverkehrsministerium bringt gerade gesetzliche Neuerungen für private Drohnenflieger auf den Weg. Wir sprachen mit Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung über das Thema:

Warum muss sich jetzt die Politik mit zivilen Drohnen beschäftigen?

Ute Otterbein: Es gibt einfach mittlerweile viele. Wir gehen davon aus, dass sich rund 400.000 dieser Drohnen – privat und gewerblich genutzt – im bundesweiten Luftraum tümmeln. Das sind Schätzungen, denn Drohnen müssen nicht registriert werden. Hauptproblem ist, dass Menschen Drohnen nutzen und nicht genau wissen, an welche Regeln sie sich zu halten haben.

Welche Regeln gelten bislang?

Otterbein: Datenschutz und Persönlichkeitsrechte müssen beachtet werden. Und natürlich Sicherheitsaspekte am Boden. Zum Beispiel dürfen Sie nicht über den Gartenzaun Ihres Nachbarn fliegen und den heimlich filmen – das verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht. Es gibt Gebäude, die nicht überflogen werden dürfen: Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften und Kraftwerke zum Beispiel, Gefängnisse, Betriebsgelände. Sie dürfen aber auch Menschenansammlungen nicht überfliegen. Das sind die allgemeinen Regeln – und wir von der Flugsicherung haben darüber hinaus noch weitere Themen. 

Und das heißt konkret?

Otterbein: Wir müssen darauf achten, dass der Flugverkehr so sicher wie möglich ist und bleibt. Daher ist der Drohnenflug etwa in der Nähe von Flughäfen streng reglementiert. (Immer wieder kommt es am Flughafen München zu Zwischenfällen zwischen Drohnen und Flugzeugen, Anm. d. Red.)

Da hat es schon Zwischenfälle gegeben?

Otterbein: Das noch nicht, es ist zum Glück noch nichts passiert. Wir hatten aber Sichtungen. Und zwar nicht auf dem Radar – und das ist ein Problem, denn die Drohnen sind für unsere Lotsen nicht sichtbar – sondern direkt. Heißt also, ein Pilot im Anflug auf den Flughafen sieht eine Drohne und meldet sie. Wir hatten 2015 insgesamt 14 Sichtungen, 2016 waren es bereits 64. Rund um Flughäfen gibt es die sogenannten Kontrollzonen, also kontrollierte Lufträume, in denen Drohnen nicht fliegen dürfen. Alles was in diesen Bereich fliegt, muss der Lotse auch erlauben, denn er ist für den sicheren Anflug bzw. die sichere Landung zuständig. Grundsätzlich verboten ist der Drohnenflug in einem Radius rund um Flughäfen von 1,5 Kilometer. Darüber hinaus erlauben wir in der Kontrollzone Drohnenflüge – aber maximal bis 30 bzw. 50 Meter Höhe, je nach Gewicht.

Halten Sie eine bundesweite Regelung für angebracht?

Otterbein: Es gibt sie bereits – die Luftverkehrsordnung. Sie wird derzeit durch das Bundesverkehrsministerium novelliert. Eine große Neuerung wird die Kennzeichnungspflicht von Drohnen in Form einer Plakette mit Adresse des Besitzers sein. Zweiter Punkt ist ein in nach Größe der Drohnen abgestufter Führerschein.

Wir hatten in und um München bereits konkrete Vorfälle mit Drohnen – so ist kürzlich eine Drohne mit einem Auto kollidiert. Müssten die Flugverbotszonen Ihrer Ansicht nach ausgeweitet werden?

Otterbein: Bisher durften Drohnen nur in Sichtweite geflogen werden. Bei der Kollision mit dem Auto war das Fluggerät dem Besitzer ja quasi „ausgebüxt“. Stellen Sie sich vor, ein Rettungshelikopter ist im Anflug – Sie müssen reagieren können! Denn die Drohne ist in diesem Fall immer ausweichpflichtig. Bisher war daher die Sichtweite Pflicht, mit der neuen Luftverkehrsordnung gibt es hier eine Neuerung.

Drohnen als Terrormittel – sehen Sie diese Möglichkeit auch als Gefahr?

Otterbein: Das kann man leider nicht ausschließen. Auch darüber beraten die Fachleute in Kaufbeuren. Wir von der Deutschen Flugsicherung arbeiten zu und entwickeln auch zu diesem Thema Ideen. Wir haben ein Forschungsprojekt gemeinsam mit der Telekom, wo es darum geht, Drohnen besser sichtbar zu machen, sie zu orten. Es geht uns um die sichere und faire Integration von Drohnen. Denn sie können auch Gutes tun: Eilige Medikamente oder Blutkonserven transportieren, die Feuerwehr setzt sie zur Lageeinschätzung ein – Drohnen haben das Potenzial, Leben zu retten, und sind nicht gefährlich, wenn man sie vernünftig einsetzt.

Tipps für Hobbypiloten

Klären Sie vor dem ersten Flug den Status Ihrer privaten Haftpflicht. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass die Drohne mitversichert ist Schließen Sie gegebenenfalls eine Zusatzversicherung ab. Alternativ gibt es bei Modellflugverbänden auf Anfrage oder über eine Mitgliedschaft Policen. Hat Ihre Drohne eine Kamera an Bord? Sie dürfen nicht alles filmen oder fotografieren! Fragen Sie Privatpersonen oder auch beim Überflug von Gebäuden, Parks und Schlössern nach Erlaubnis. Informieren Sie sich über Tabuzonen, z. B. hier: www.dfs.de. Übrigens: Wer sich an das Drohnenverbot an Flughäfen nicht hält, erfüllt den Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Je nach Schwere drohen bis zu zehn Jahre Knast.

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