+
Im Zuge der Expo-Eröffnung kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei: Demonstranten warfen mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und anderen Gegenständen.

Mailand

Straßenschlachten und Proteste zur Expo-Eröffnung

Mailand - Trotz aller Kritik, Proteste und Probleme: Die Expo in Mailand ist wie geplant eröffnet worden. Italiens Regierungschef Matteo Renzi nutzt dies zu einem leidenschaftlichen Appell an sein Land. Derweil liefern sich Expo-Gegner Straßenschlachten mit der Polizei.

Überschattet von gewalttätigen Protesten hat die Weltausstellung Expo in Mailand offiziell begonnen. „Viele haben nicht daran geglaubt, aber jetzt ist es Realität“, sagte Italiens Regierungschef Matteo Renzi, der die Ausstellung zum Thema Ernährung am Freitag offiziell eröffnete. Papst Franziskus erinnerte in einer Video-Botschaft an die hungernden Menschen in aller Welt. Nach Beginn der Expo, die sechs Monate läuft und 20 Millionen Besucher anlocken soll, protestierten Hunderte Menschen im Stadtzentrum Mailands.

Es kam zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, Demonstranten warfen mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und anderen Gegenständen. Mehrere Autos wurden in Brand gesteckt, Gebäude mit Graffiti beschmiert und Scheiben eingeworfen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, wie italienische Medien berichteten. Im Zentrum Mailands herrschte Chaos, Straßen waren gesperrt, viele Läden geschlossen. Etwa 2600 zusätzliche Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Zuvor hatte die Expo um 10 Uhr pünktlich ihre Türen geöffnet, es bildeten sich erste Besucherschlangen. „Der große Tag ist da, endlich“, sagte Expo-Chef Giuseppe Sala mit Blick auf die lange Vorbereitung. Mailands Bürgermeister Giuliano Pisapia erklärte unter großem Applaus: „Wir haben es geschafft.“ Vor Beginn der Ausstellung hatte es viel Kritik an den Ausgaben gegeben, zudem war die Expo vergangenes Jahr von einem Korruptionsskandal erschüttert worden.

Viele der Expo-Gegner und Demonstranten kritisieren die hohen Kosten der Ausstellung sowie die Beteiligung großer Lebensmittelkonzerne als Sponsoren. In der Nacht vor der Eröffnung hatte eine Gruppe unbekannter Hacker die Ticket-Webseite für einige Stunden lahmgelegt.

An vielen Pavillons wurde in den letzten Minuten vor der Eröffnung noch gewerkelt und gebaut. „Wir hoffen, dass die Menschen von der Schönheit angezogen werden und sich nicht in den wenigen Dingen verlieren, die noch erledigt werden müssen“, sagte Sala. Der deutsche Pavillon ist einer der größten, es werden drei Millionen Besucher erwartet. Ihnen sollen neue Ansätze zu nachhaltiger Ernährung präsentiert werden, auch deutsche Spezialitäten werden angeboten.

Insgesamt 145 Länder nehmen an der Expo teil. Das Motto der Weltausstellung dreht sich um die Frage, wie in Zukunft alle Menschen ernährt werden können. Papst Franziskus bezeichnete die Expo in seiner Video-Botschaft als „eine Gelegenheit, um die Solidarität zu globalisieren“. Das Thema sei wichtig und existenziell. „Lassen Sie diese Expo zu einer Gelegenheit für einen Mentalitätswechsel werden, lassen wir die Vorstellung fallen, dass unsere täglichen Handlungen keinen Einfluss auf das Leben derer haben, die Hunger leiden.“

Renzi hieß die Besucher in Mailand willkommen. „Heute beginnt das Morgen in einem Land, das Lust auf Zukunft hat“, sagte er. Er rief seine Landsleute dazu auf, die Welt zu umarmen und sie zu verändern. „Schluss damit, sich selbst zu bemitleiden, wie es diejenigen wollen, die immer sagen: „Das schafft Ihr nie“. Das hier ist Eure Antwort.“ Italien erhofft sich von der Expo nach Jahren der Krise auch neue Impulse für seine Wirtschaft und einen Imagegewinn für das Land.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geräumtes Hochhaus in Dortmund wohl erst in zwei Jahren bewohnbar
Die Bewohner eines geräumten Hochhauses in Dortmund können nach Einschätzung des Eigentümers frühestens in zwei Jahren in ihre Wohnungen zurückkehren.
Geräumtes Hochhaus in Dortmund wohl erst in zwei Jahren bewohnbar
Trotz Badewarnung: Zwei deutsche Urlauber vor Teneriffa ertrunken
Vor der Kanareninsel Teneriffa sind am Montag zwei deutsche Urlauber ertrunken. Das teilte die Regionalregierung mit.
Trotz Badewarnung: Zwei deutsche Urlauber vor Teneriffa ertrunken
Passagierflugzeug in Kanada stößt mit Drohne zusammen
Schon 71 "Behinderungen durch Drohnen" haben Piloten in Deutschland gemeldet. Einen Zusammenstoß gab es hierzulande aber noch nicht. Dies ist nun in Kanada passiert.
Passagierflugzeug in Kanada stößt mit Drohne zusammen
Ex-Hurrikan „Ophelia“: Zahl der Toten steigt auf drei
Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem Ex-Hurrikan „Ophelia“ in Irland am Montag ist auf drei gestiegen. 
Ex-Hurrikan „Ophelia“: Zahl der Toten steigt auf drei

Kommentare