1. Startseite
  2. Welt

Extremhitze in Indien und Pakistan: Experten besorgt - „Diese Hitzewelle könnte tausende Menschen töten“

Erstellt:

Von: Michelle Brey

Kommentare

Eine Person geht durch ein ausgetrocknetes Flussbett des Flusses Yamuna in Indien, dessen Wasserstand infolge des heißen Wetters gesunken ist.
Eine Person geht durch ein ausgetrocknetes Flussbett des Flusses Yamuna in Indien, dessen Wasserstand infolge des heißen Wetters gesunken ist. © Manish Swarup/dpa

Nur ein Vorgeschmack auf die Zukunft? Experten sind wegen der extremen Hitze in Indien und Pakistan in Sorge. Auch eine Studie verheißt nichts Gutes.

Neu-Dehli / München - Sonnenschein und extreme Temperaturen: Seit März leiden die Menschen in Indien und Pakistan unter einer beispiellosen Hitzewelle. Mehr als eine Milliarde Menschen sind von Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke betroffen. Doch ist dieses Wetter nur ein Vorgeschmack auf eine nahe Zukunft mit häufiger unerträglicher Hitze in Südasien? Klimaforscher sind von dem Extremwetter nicht überrascht.

Extremhitze in Indien und Pakistan: Experte warnt eindringlich

Die Auswirkungen der hohen Temperaturen lassen Robert Rohde vom US-Klimaanalyseinstitut Berkeley Earth warnen. „Diese Hitzewelle könnte tausende Menschen töten“, sagte er hinsichtlich der Hitzewelle seit März. Es wird noch etwas Zeit vergehen, bis die genaue Zahl der Opfer, insbesondere unter alten sowie armen Menschen, feststeht. Auch ein deutscher Klimaforscher sprach jüngst eine eindringliche Warnung aus.

Hitzewellen in Indien und deren Auswirkungen auf die Menschen

Die Sterblichkeit durch Hitze hat in Indien seit 1980 um mehr als 60 Prozent zugenommen. Das geht aus Angaben der indischen Regierung hervor. Zuletzt gab es 2015 und 2019 Hitzewellen mit vielen Todesopfern.

Petteri Taalas, Chef der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), spricht von einer „Kaskade der Auswirkungen“ der Hitze auf die Landwirtschaft sowie die Wasser- und Energieversorgung. Darüber hinaus verschlechtert sich die Luftqualität durch die hohen Temperaturen und das Brandrisiko steigt.

Hitzewelle in Indien und Pakistan keine Überraschung - „Seit langem gewarnt, dass sich solche Katastrophen anbahnen“

Aus Sicht von Klimaforschern sind die zunehmenden Hitzewellen in Südasien eine Katastrophe mit Ansage. „Mich überrascht, dass die meisten Leute schockiert sind, obwohl wir sie seit langem gewarnt haben, dass sich solche Katastrophen anbahnen“, sagt etwa der Biologe Camilo Mora von der University of Hawaii. „Diese Erdregion und die meisten tropischen Gebiete zählen zu den Gebieten, die am anfälligsten für Hitze sind.“

In einer viel beachteten Studie aus dem Jahr 2017 hatten Mora und sein Team prognostiziert, dass bis zum Ende dieses Jahrhunderts fast die Hälfte der Erdbevölkerung mindestens 20 Tage jährlich einer „tödlichen Hitze“ ausgesetzt sein wird. Dies gilt demnach auch dann, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt würde. Derzeit (Stand: Mai 2022) steuert die Welt laut Weltklimarat IPCC jedoch auf eine Erwärmung um 2,8 Grad zu.

Experten prüfen noch, inwieweit die aktuelle Hitzewelle in Indien und Pakistan auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Die deutsche Klimaforscherin Ulrike Otto sagte, es bestehe jedenfalls „kein Zweifel, dass der Klimawandel die Spielregeln in puncto extremer Hitze verändert“. Die Wissenschaftlerin des Londoner Imperial College fügte an: „Was wir jetzt erleben, wird in einer zwischen zwei und drei Grad wärmeren Welt normal beziehungsweise kühl sein.“

Extremhitze ein Vorgeschmack auf nahe Zukunft in Indien und Pakistan

Auch der Weltklimarat sagt für Indien und Pakistan „intensivere, längere, häufiger Hitzewellen“ vorher. Bevor die Menschheit mit ihren Aktivitäten das Klima massiv verändert habe, seien Hitzewellen wie die nun auftretende in Indien alle 50 Jahre vorgekommen. Das sagte Marian Zachariah vom Imperial College. Heute seien damit allerdings alle vier Jahre zu rechnen.

Studie sagt Rekordhitzewelle in Indien voraus - Temperaturen von mehr als 50 Grad

Für eine Verschlimmerung der Lage in Südasien spricht auch eine vergangene Woche im Fachblatt „Science“ veröffentlichte Studie, für die Vikki Thompson von der Universität Bristol die weltweit schlimmsten Hitzewellen seit 1960 verglich. „Statistisch gesehen ist es wahrscheinlich, dass eine Rekordhitzewelle Indien früher oder später trifft“, warnt Thompson auf dieser Grundlage. Dann seien Temperaturen von mehr als 50 Grad zu erwarten.

Der Klimawissenschaftler Roxy Mathew Koll vom Indischen Institut für tropische Meteorologie ist in Sorge. Schon bei der bisherigen Erderwärmung um 1,1 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gebe es in Indien eine Zunahme an Hitzewellen, Überflutungen, Stürmen und Dürren. „Es ist schwer für mich, mir die Auswirkungen vorzustellen, wenn sich der Anstieg der globalen Temperaturen verdoppelt.“

In Deutschland warten die Menschen indes auf den endgültigen Einzug des Sommers. Und auch hierzulande werden die ersten extremen Temperaturen erwartet. Eine Hitzewelle rollt auf Europa zu - und erreicht auch München. (mbr mit Material von AFP)

Auch interessant

Kommentare