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Worauf kommt es bei der Scheidung an? Wir erklären es im fünften Teil unserer Fachanwalts-Serie.

Fachanwalts-Serie

Millionen-Trennung: Wie ein Top-Manager durch die Scheidung arm wurde

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Scheiden tut weh! In Bayern erwischt es fast jede zweite Ehe, meistens im sechsten Jahr. 24 247 Fälle gab es im Jahr 2015, in München scheiterten 2276 Ehen. Und das ist oft richtig teuer.

Manfred N. (57) war Top-Manager, investierte eine Million Euro in seine Ehe – nach seiner Scheidung zog er dann wieder bei seiner Mutter ein. In der tz erzählt er seine Geschichte. Fachanwältin Dr. Doris Kloster-Harz hat Manfred N. vertreten, so wie Tausende andere Mandanten in den vergangenen 40 Jahren. Sie weiß, worauf es ankommt, wenn die Scheidung droht – und gibt im fünften Teil unserer Serie ihre Erfahrungen weiter.

Mehr als eine Million Euro in die Ehe gesteckt

Seit 40 Jahren im Geschäft: Doris Kloster-Harz rät, die Scheidung genau zu planen. 

„Ich war jung und verliebt.“ Warum Manfred N. (57) seine Frau Anja (55) geheiratet hat, weiß er noch ganz genau. Bis heute sind die beiden durch ihre Töchter (19 und 22 Jahre alt) verbunden. Die Ehe aber hat nicht gehalten: Nach 23 Jahren ließ sich das Ehepaar 2016 scheiden. Für Wolfgang N., früher Manager und Top-Verdiener, hatte das bittere Folgen: Er kann sich heute nicht mal eine Mietwohnung leisten – und zog zu seiner Mutter nach Untermenzing. „Ich habe mehr als eine Million Euro in diese Ehe gesteckt“, sagt er. „Und gegangen bin ich mit leeren Händen. Die Scheidung hat mich arm gemacht.“

120 000 Jahresgehalt reichten nicht

1993 hatte das Paar sich trauen lassen. „Wir haben im Haus meiner Frau gewohnt“, sagt N. Er hatte Karriere gemacht und bis zu 120.000 Euro pro Jahr verdient, während Anja zuhause blieb. „Wir stritten oft um die Haushaltsführung. Das hat sich über die Jahre aufgestaut.“ Bis es im Jahr 2014 zu einem folgenschweren Krisengespräch kommt: „Da habe ich meinen Groll rausgelassen.“ Manfred N. konnte die Unordnung im Haus nicht mehr ertragen, aber auch seine Frau war mit der Ehe unzufrieden – und äußerte plötzlich ihren Trennungswunsch. Zwei Jahre nahm das Paar eine Auszeit. Schon da musste er ausziehen – „obwohl ich mehr als 100 000 Euro für das Haus abbezahlt habe.“ Als Anja dann die Scheidung einreichte, blieben ihm nur schöne Erinnerungen. Rechtlich stand ihm nichts zu. So regelte es der Ehevertrag!

Emotionales Problem für geschassten Ehemann

„Bis auf zwei Jahre hat meine Ex-Frau nie gearbeitet, ich trug das wirtschaftliche Risiko. Sie aber besaß neben dem Haus auch Mietwohnungen aus einem Erbe“, sagt N. Mit seinem Gehalt habe er der Familie einen hohen Lebensstil ermöglicht. „Aber am Ende war Anja nicht bereit, mir auch nur einen Cent zu lassen.“ Nicht nur ein emotionales Problem für den geschassten Ehemann: Er war als Manager ausgestiegen, um sich selbstständig zu machen. „Ich hatte Vertrauen in unsere Ehe“, sagt er. „Jetzt schaue ich in die Röhre.“ Denn auch am Vermögenszuwachs wird er nicht beteiligt: Anjas Haus, damals eine Million Mark wert, liegt heute bei 1,4 Millionen Euro – und gehört ihr allein.

Dass die Ehe gescheitert ist: „Damit kann ich leben“, sagt Manfred N. „Aber es ist unfair, dass ich so schlecht wegkomme.“ Nur 100 000 Euro erhielt er am Ende durch einen gerichtlichen Vergleich. Seine Anwältin Doris Kloster-Harz sagt: „Es ist vernünftig, einen Ehevertrag zu schließen – damit beide wissen, was auf sie zukommt, falls die Ehe scheitert.“ Allerdings verändert sich jede Ehe-Situation über die Jahre: Oft passe die Regelung, die man mit Anfang 20 traf, nicht mehr, wenn man Ende 50 ist. Ihr Tipp: Ab und zu besprechen, ob der Ehevertrag an die aktuelle Lebenssituation angepasst werden soll. Das geht – ebenso wie beim Testament!

Manfred N. schaut mittlerweile wieder nach vorn. Er hat in ein neues Haus investiert: „In Griechenland, wo auch mein Bruder wohnt. Dort plane ich meinen Alterswohnsitz.“

Scheidung: Darauf sollten Sie achten

„Als erstes rate ich Mandanten, sich gut zu überlegen, ob sie sich wirklich scheiden lassen wollen“, sagt Doris Kloster-Harz. Denn die Folgen sind gravierend: Oft bricht nicht nur das soziale Umfeld mit Familie und Freunden weg. Mit der Scheidung drohen auch heftige finanzielle Einschnitte.

Planen

Wichtig ist schon vor der Entscheidung gegen die Ehe: „Man muss seine wirtschaftliche Zukunft genau berechnen. Jeweils für den bestmöglichsten und den schlechtesten Fall.“ Es geht um das gemeinsame Eigentum, den Unterhalt und die Kinder – und darum, wie man ohne den Partner klar kommt. Beispiel: Sind Frauen nicht berufstätig und über ihren Mann mitversichert, verlangt die Krankenkasse nach der Scheidung von ihnen bis zu 1000 Euro im Monat. Dazu können Job- und Wohnungssuche kommen, während man sich noch um die Kinder kümmern muss.

Vor Gericht

Die eigentliche Akt der Scheidung dauert nur zwei Minuten. Beide Ex-Partner treffen sich vor Gericht, der Richter kontrolliert die Ausweise und spricht die Scheidung förmlich aus. Aber nur dann, wenn alle Scheidungsfolge-Aspekte (wie etwa Besitz und Unterhalt) geklärt sind. Dabei helfen vorher Fachanwälte oder ein Mediator.

Die Kosten

Etwa 5000 Euro fallen für eine Scheidung an: zwei Drittel für den Anwalt, ein Drittel sind Gerichtskosten. Wer hier sparen will, macht Fehler: „Man kann nicht schneller Geld verdienen als seine Scheidung ordentlich zu klären“, sagt Kloster-Harz. Auch wenn der Frust groß ist: Von der Scheidung als Schnellschuss hält sie wenig. „Frauen, die einmal betrogen wurden, habe ich schon geraten, die Sache auszusitzen.“

Ehevertrag

Ist die Ehe erst zerbrochen, werde oft gelogen, dass sich die Balken biegen. Nur ein Ehevertrag schafft da klare Verhältnisse: Darin sind Vermögens- und Besitzverhältnisse, Zugewinn und Schenkungen geregelt. Ein Beispiel: Eine Frau heiratet einen Mann, der eine Firma hat. Zu Beginn der Ehe ist sie drei Millionen Euro wert, Jahre später schon 15 Millionen. Bei Scheidung steht der Frau die Hälfte des Vermögenszuwachses zu – wenn nichts anderes vereinbart wurde. „Für den Mann wäre das der sichere Ruin“, sagt Kloster-Harz. „Er müsste die Firma eventuell verkaufen und Angestellte entlassen.“ Mit Ehevertrag nicht: Darin lässt sich etwa Gütertrennung vereinbaren.

Trennungsjahr

Zum Problem wird oft, dass es in München schwierig ist, nach der Trennung eine andere Wohnung zu finden. „Wenn beide Ex-Partner in einer Wohnung bleiben, muss man den anderen behandeln wie einen Untermieter. Das bedeutet: getrennte Zimmer und getrennte Fächer im Kühlschrank“, sagt Doris Kloster-Harz.

Sorgerecht

Wer bekommt die Kinder? Meistens die Mutter. „Das Sorgerecht zu klären, ist oft das geringere Problem.“ Schwierig wird es beim Umgangsrecht. „Männer machen oft den Fehler, zu schnell eine Vereinbarung einzugehen.“ Ärger droht, wenn sie sich nicht dran halten.

Die härtesten Fälle im Überblick

Die Aktie des Böses: Eine Frau wollte sich von ihrem reichen Mann trennen. Als sie sah, dass seine Aktien im Wert sanken, kam sie wieder heim. Und zog die Scheidung erst Wochen später durch – mit diesem Mann sei es nicht auszuhalten! Durch den aktuellen Kurs kassierte sie nun 500 000 Euro. Wo die Aktien zum Stichtag des Antrags lagen, hatte sie besser im Blick als er. 

Teure Liebe: Eine Frau lebte mit ihrem Mann in einem Haus: Das hatten die Schwiegereltern vor 20 Jahren gekauft und ihr geschenkt. Der Wert des Hauses hat sich verzehnfacht. Der Mann betrog sie und ließ sich scheiden. Pech: Er hatte Anspruch auf die Wertsteigerung. Um ihn auszahlen zu können, musste sie verkaufen – und war obdachlos.

Porsche-Pleite: Ein Mann schenkte seiner Frau einen roten Porsche. Sie nahm ihn und fuhr direkt in den Urlaub – mit ihrem Geliebten! Nach der Scheidung gehörte das Auto ihr: Denn vereinbart wurde nicht, dass es ein ehebezogenes Geschenk ist

Apropos Scheidung: Auch dieser Promi-Ehe droht das Aus - nach 16 Jahren

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