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Suchen Kontakt zu Cornelius Gurlitt: (v.l.) Staatsanwalt Reinhard Nemetz, Generalstaatsanwalt Christoph Strötz und Leiterin der Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel.

Gurlitt reagiert nicht auf Kontaktversuche

Fall Gurlitt: Bilder gegen Straffreiheit?

München - Das Internetportal www.lostart.de hat weitere 101 Werke aus dem Gurlitt-Fund veröffentlicht. Derweil steht die Frage im Raum, ob es einen Deal mit Gurlitt geben könnte - wenn er sich denn melden sollte.

Weitere Bilder aus dem Münchner Kunstfund sind am Donnerstag auf der Internetseite www.lostart.de veröffentlicht worden. Es handele sich um 101 der in der Wohnung des Kunsthändler-Sohns Cornelius Gurlitt gefundenen Werke, wie die zu dem Fund eingerichtete Taskforce in Berlin mitteilte. Darunter seien Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken von Künstlern wie Edgar Degas, Eugène Delacroix, Paul Cézanne, Pablo Picasso, Albrecht Dürer und Honoré Daumier.

Die Leiterin der Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel, sprach von einem weiteren wichtigen Beitrag zur Klärung der Herkunft der beschlagnahmten Bilder. Weitere Werke sollen in Kürze veröffentlicht werden. In der Wohnung Gurlitts waren im vergangenen Jahr mehr als 1400 Kunstwerke gefunden worden. Sie sollen teils aus NS-Raubkunst stammen, könnten zum Teil aber auch zu der privaten Sammlung von Gurlitts Vater gehören.

Seit Januar dieses Jahres ist Gurlitt für Staatsanwaltschaft nicht mehr zu erreichen

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat nach eigenen Angaben mindestens zehnmal versucht, den Kunstsammler Cornelius Gurlitt zu erreichen. Bereits im Januar dieses Jahres sei ihm angeboten worden, einen Teil seiner Bilder zurückzubekommen, sagte Staatsanwalt Reinhard Nemetz am Donnerstag im Justizausschuss des bayerischen Landtags. Den Termin habe Gurlitt aber aus persönlichen Gründen verschoben - und sei seitdem für die Staatsanwaltschaft nicht mehr zu erreichen gewesen. Vom 15. Mai an habe es zehn Kontaktversuche gegeben, sagte Nemetz - telefonisch und schriftlich.

Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus Münchner Fund

Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus Münchner Fund

Der letzte Versuch war nach Angaben Nemetz' ein Brief vom 23. Oktober. Mitarbeiter seiner Behörde seien sogar bei Gurlitt zu Hause vorbei gefahren, um sicherzugehen, dass bei dem heute 80-Jährigen alles in Ordnung sei. „Wir wussten auch um das Alter unseres Beschuldigten“, sagte Nemetz. „Man hat deswegen Kontakt zu Hausbewohnern gesucht und von denen in Erfahrung gebracht, dass er sehr wohl guter Dinge ist.“ Er sei beim Einkaufen gesehen worden. „Es bestand kein Grund, uns Sorgen zu machen.“

Gurlitt soll rund 300 Werke aus seiner 1280 Werke umfassenden Sammlung zurück erhalten, die ihm zweifelsfrei gehören. Auch die Taskforce, die die Herkunft der Bilder ermitteln soll, konnte Gurlitt bislang nicht erreichen. Die Behörden wollen es aber weiter versuchen. „Dinge, die ihm gehören, die kriegt er auch“, sagte der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz.

Deal mit Gurlitt: "Straffreiheit gegen Bilder"?

Einen Deal mit dem 80-Jährigen werde es aber keinesfalls geben, bekräftigte Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU).  „Einen Deal - Straffreiheit gegen Bilder - wird es nach meinem besten Willen nicht geben“, sagte er. Die strafrechtlichen Ermittlungen und die Provenienzrecherche seien unterschiedliche Fragestellungen. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

Die Taskforce, die die Herkunft der Bilder herausarbeiten soll, hat inzwischen nach Angaben ihrer Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel zahlreiche Anfragen möglicher Besitzer bekommen. Die Behörden hatten im Frühjahr 2012 insgesamt 1280 Bilder aus der Schwabinger Wohnung Gurlitts beschlagnahmt - zuvor hatten sie Gurlitt observiert, wie Staatsanwalt Nemetz am Donnerstag sagte.

593 der Bilder stehen in dem Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein, bei 384 könnte es sich um Werke handeln, die die Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ diffamierten und aus Museen entfernten. Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte am Donnerstag weitere 101 Werke in der Datenbank www.lostart.de. Damit sind 219 Werke aus der Sammlung Gurlitt im Internet zu sehen.

Rund 300 Kunstwerke gehören Gurlitt nach Angaben der Experten zweifelsfrei. Er soll sie bald zurück bekommen - wenn die Behörden ihn denn erreichen. Berggreen-Merkel sagte: „Um mit Herrn Gurlitt zu sprechen, brauche ich Herrn Gurlitt“.

dpa

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