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Natascha Kampusch schrieb ein Buch über ihr jahrelanges Martyrium

Kampusch: So pfuschten die Ermittler

Wien - Sechs Jahre nach Natascha Kampuschs Flucht vor ihrem Entführer hat ein Untersuchungsausschuss zahlreiche Ermittlungspannen aufgedeckt und verschiedene Gerüchte untersucht. 

Der Ausschuss wollte in seiner mehrmonatigen Arbeit vor allem zwei Fragen klären: ob die Ermittler mit der notwendigen Sorgfalt und Professionalität gehandelt haben und ob die wesentlichen Fragen geklärt wurden. „Nach Ansicht des Unterausschusses sind beide Fragen mit "Nein" zu beantworten“, sagte der Vorsitzende.

Dem Hinweis eines Polizei-Hundeführers auf den Entführer Priklopil sei nicht nachgegangen worden, hieß es. Eine junge Zeugin, die die Entführung beobachtet hatte und von zwei Tätern sprach, sei „unter Druck gesetzt worden“, um ihre Aussage zu ändern. Aber es hieß auch: Die zentrale Frage, ob der Entführer Mittäter oder Mitwisser hatte, könne mit den vorliegenden Ermittlungsergebnissen „nicht abschließend beantwortet werden“.

Kampusch selbst hatte im Frühjahr in einem langen Fernsehinterview um Ruhe gebeten und sich gegen die zahlreichen Verschwörungstheorien gewehrt. Weder habe es weitere Täter neben dem Entführer gegeben, noch sei sie schwanger gewesen, sagte sie. Die Debatten in den österreichischen Medien nannte sie „empörend“.

Kampusch (24) wurde 1998 als Zehnjährige von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und acht Jahre lang in dessen Haus bei Wien gefangen gehalten. Nach der Flucht des Opfers im Jahr 2006 tötete sich Priklopil selbst.

Ein Polizist flog damals auf, weil er auf eigene Faust ermittelte und illegal von einem Grundschulmädchen DNA-Proben nahm, um zu beweisen, dass Kampusch die Mutter des Kindes sei. Ein seriöses Gutachten widerlegte das.

Auf die erneute Debatte hatten im März auch die Ermittler vom Bundeskriminalamt und der Justiz verständnislos reagiert. Alles sei komplett geklärt, hieß es. „Intensiver kann man einen Fall nicht ausermitteln“.

Der Ausschuss empfahl, den Fall erneut zu untersuchen. Dazu sollten auch ausländische Spezialisten für Altfälle, etwa des FBI, hinzugezogen worden, sagte der Ausschussvorsitzende Werner Amon am Donnerstag im Parlament in Wien.

Im Mai begannen Dreharbeiten zur Verfilmung des Lebens- und Leidenswegs von Kampusch. Der verstorbene Filmproduzent Bernd Eichinger schrieb ein Drehbuch nach Kampuschs Autobiografie „3096 Tage“.

dpa

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