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Einer der vielen Angeklagten schützt sich im Gerichtssaal vor Fotografen. Foto: Patrick Seeger

Freiburger Prozess

Kretschmann kündigt Aufarbeitung nach Missbrauchsfall an

Die Urteile im grausamen Freiburger Missbrauchsfall sind gefällt. Ministerpräsident Kretschmann nimmt nun erstmals Stellung - und kündigt an, dass der Fall für ihn noch lange nicht abgeschlossen ist.

Stuttgart (dpa) - Nach den Urteilen im Freiburger Missbrauchsprozess hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine umfassende Aufarbeitung angekündigt.

"Wir müssen genau schauen, ob und welche Fehler in diesem konkreten Fall gemacht wurden", betonte der Grünen-Politiker am Mittwoch. Mögliche Verbesserungen beim Kinder- und Jugendschutz müssten geprüft werden.

Ein Paar aus dem badischen Staufen hatte einen heute Zehnjährigen mehr als zwei Jahre vielfach vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen. Das Kind war zwischenzeitlich vom Jugendamt in Obhut genommen, später aber von Familiengerichten zurück zur Mutter geschickt worden. Die 48-Jährige wurde am Dienstag vom Landgericht Freiburg zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Kind war über das Internet an Männer aus dem In- und Ausland verkauft worden.

Kretschmann äußerte sich am Mittwoch erstmals öffentlich zu dem Missbrauchsfall. "Diese schrecklichen Taten sind unfassbar und für jeden normal denkenden Menschen unvorstellbar, mir geht das auch persönlich tief unter die Haut", sagte der Politiker.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte Kretschmann und die grün-schwarze Landesregierung am Dienstag zu einer umfassenden Aufarbeitung von Verfehlungen und Versäumnissen aufgefordert. "Und zwar nicht nur in internen Arbeitsgruppen, sondern unter Hinzuziehung von externem Sachverstand aus Wissenschaft und Praxis", sagte Rörig am Dienstag im ZDF-"heute journal". Es deute viel auf strukturelle Probleme hin, sagte Rörig in der ARD und nannte etwa eine Überlastung von Jugendämtern.

Kretschmann betonte, die Landesregierung habe bereits eine Arbeitsgruppe aus Sozial-, Justiz- und Innenministerium eingerichtet. "Diese Arbeitsgruppe wird nun nach Abschluss des Gerichtsverfahrens und der Auswertung des Berichts der Behörden vor Ort zeitnah Ergebnisse liefern", sagte er.

Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt forderte eine Fortbildungspflicht für Familienrichterinnen und Familienrichter. Zudem brauche es einen verpflichtenden Austausch zwischen Familiengericht, Jugendamt und Staatsanwaltschaft.

"Der Staat muss auch Behördenmitarbeiter besser ausbilden, damit künftig sichergestellt ist, dass unschuldige Kinder perversen Kriminellen nicht ausgeliefert sind - schon gar nicht über einen längeren Zeitraum", sagte die Bundesgeschäftsführerin der Opferhilfsorganisation Weißer Ring, Bianca Biwer, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch).

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