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Pressevertreter stehen am Donnerstag in Haßmersheim in Nordbaden vor einem Haus, in dem eine 20-Jährige ein Jahr lang wie eine Sklavin gefangen gehalten und sexuell genötigt worden sein soll. Am Wochenende war der Frau die Flucht durch ein offenes Fenster des Hauses gelungen.

In diesem Haus: Familie hielt Frau ein Jahr lang als Sklavin

Haßmersheim - Eine 20 Jahre alte Frau aus Bayern soll im badischen Haßmersheim ein Jahr lang gefangen gehalten, misshandelt, bedroht und sexuell genötigt worden sein. Noch sind viele Details des Falles rätselhaft.

Eine 20-Jährige ist nach eigenen Angaben ein Jahr lang unter unmenschlichen Bedingungen bei einer Familie in Baden eingeschlossen gewesen. Am Wochenende gelang der Frau die Flucht aus ihrer Gefangenschaft durch ein geöffnetes Fenster eines Mehrfamilienhauses in Haßmersheim im Neckartal. Die Frau aus Würzburg wurde demnach von einer dreiköpfigen Familie als eine Art Sklavin gehalten. Erst am Donnerstag gab die Staatsanwaltschaft Mosbach den Fall an die Öffentlichkeit, nachdem ein Sondereinsatzkommando am frühen Mittwochmorgen um fünf Uhr die mutmaßlichen Täter - ein Paar mit Sohn - überwältigt hatte.

Wie die Staatsanwaltschaft Mosbach mitteilte, sitzt die Familie inzwischen in Untersuchungshaft. “Die beiden Beschuldigten haben wohl die Tat bestritten, aber der Sohn soll Einzelheiten eingeräumt haben“, sagte Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering. Viel wisse man über den Fall aus dem 4800-Einwohner-Dorf noch nicht.

In diesem Haus wurde eine Frau (20) ein Jahr lang versklavt

In diesem Haus wurde eine Frau (20) ein Jahr lang versklavt

Nach Angaben der Behörde schloss die Familie die Frau monatelang in ihrem Haus ein und zwang sie mit Gewalt und Drohungen zur Hausarbeit. Rund um die Uhr soll mindestens ein Familienmitglied die 20-Jährige bewacht haben, um eine Flucht zu verhindern. Laut Staatsanwaltschaft soll der Familienvater auch versucht haben, die Frau sexuell zu nötigen.

Laut Heering handelt es sich bei der 20-Jährigen um eine Bekannte des Sohnes, die freiwillig zu der Familie gezogen sei. “Vielleicht war das eine Gelegenheit für sie, unterzukommen.“ Das müsse noch geklärt werden. Offenbar sei sie auch mit der Familie erst vor wenigen Wochen nach Haßmersheim gezogen. “Wie sich das dann in der psychosozialen Dynamik entwickelt hat, müssen wir sehen.“

Das Sondereinsatzkommando sei aus Sicherheitsgründen hinzugezogen worden. Man habe den Familienvater als gewalttätig eingeschätzt und Hinweise gehabt, dass er eine Waffe besitze.

Bürgermeister zeigt sich "bestürzt"

“Ich bin bestürzt, dass sowas in unserer Gemeinde möglich ist“, sagte Haßmersheims parteiloser Bürgermeister Marcus Dietrich der Nachrichtenagentur dpa. “Unvorstellbar, dass das bei uns passiert - aber offenbar war es so.“ Die soziale Kontrolle “in einem positiven Sinne“ funktioniere im Dorf eigentlich. Offenbar habe man bei der neu zugezogenen Familie diese soziale Kontrolle noch nicht, sagte er.

Zum Schutz des Opfers und der mutmaßlichen Täter wollten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht noch weitere Angaben machen. “Die Ermittlungen laufen auf jeden Fall weiter“, sagte ein Beamter.

Bürgermeister Dietrich sagte, noch sei es ruhig im Dorf, aber dass seine Gemeinde nun kurzzeitig im Mittelpunkt des Medieninteresse steht, ist dem 50-Jährigen klar. “Das geht hoch. Wir leben hier friedlich auf dem Land, und sowas - denkt man - passiert nur in der Stadt.“

Von Panja Schollbach

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