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Prozess um Fenstersturz: Modell des Tatorts mit Lego-Steinen nachgebaut.

Doch kein Mord?

Fenstersturz-Prozess: Lego-Modell hilft Angeklagten

Der Prozess in Düsseldorf sorgte für Aufsehen. Der Richter hatte ein Modell des Tatorts mit Lego-Steinen nachgebaut und im Gerichtssaal präsentiert. Nun wurde das Urteil verkündet.

Düsseldorf - Im Zweifel für den Angeklagten: Im Prozess um den mysteriösen Fenstersturz einer jungen Frau in Düsseldorf ist ein 40-Jähriger vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen worden. Die Aussage des Opfers habe sich in mehreren Punkten nicht bestätigt, sagte der Vorsitzende Richter. Es gebe erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau.

Ungewöhnliche Methode im Gerichtssaal 

Der Prozess hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil der Richter „von Amts wegen“ ein Modell des Tatorts mit Lego-Steinen nachgebaut und im Gerichtssaal präsentiert hatte. „Wir haben versucht, uns einen Reim auf die ganze Sache zu machen“, hatte er gesagt.

Die 25-Jährige hatte bei dem fast sieben Meter tiefen Fall mehrere Brüche der Wirbelsäule und eine teilweise Querschnittslähmung erlitten. Sie werde ein Leben lang unter den Folgen leiden, hatte der Staatsanwalt betont.

Das Opfer hatte behauptet, von dem Angeklagten aus dem Fenster gestoßen worden zu sein. Dieser habe befürchtet, dass sie seine Drogengeschäfte der Polizei verrate. Der Albaner habe sie zuvor über einen längeren Zeitraum eingesperrt und zur Prostitution gezwungen. Als sie fliehen wollte, habe er sie an den Unterschenkeln gepackt und aus dem Fenster im zweiten Stock gestoßen.

Angeklagter beteuerte immer seine Unschuld

Der Angeklagte schilderte den Fall ganz anders: Die Frau habe schon im Hinterhof gelegen, als er nach Hause gekommen sei. Bei ihr hätten 1800 Euro Bargeld gelegen, die ihm die kokainsüchtige Prostituierte aus der Wohnung gestohlen habe. „Mir hatte sie gesagt, sie sei gestürzt, weil ihr schwindlig geworden sei“, sagte der Angeklagte. Von seiner Festnahme im Krankenhaus sei er völlig überrascht gewesen.

Zeugen hatten zudem beobachtet, wie die Frau den 40-Jährigen noch an Ort und Stelle im Hinterhof bat, ihr die Füße zu massieren. Außerdem habe sie sich weitgehend frei bewegen und mit einem Handy telefonieren können, was gegen die Version der Zwangsprostitution sprach. „Sie wollte den Angeklagten dauerhaft verlassen und nahm auch einen größeren Geldbetrag mit“, sagte Richter Drees am Dienstag.

Opfer war nicht glaubwürdig

Ein Professor für Biomechanik hatte als Gutachter mit einer Computersimulation die erheblichen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau noch verstärkt: Wenn sie - wie von ihr geschildert - aus dem Fenster gestoßen worden wäre, hätte sie nachdem Aufprall nicht mehr als zwei Meter vom Haus entfernt mit dem Kopf in Richtung Hauswand gelegen. Wahrscheinlicher sei ein Sprung.

Auf freien Fuß kam der 40-Jährige am Dienstag aber nicht. Weil die Polizei in seiner Wohnung fast 15 Gramm hochreines Kokain gefunden hatte, verurteilte ihn das Gericht zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Drogenhandels.

dpa

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