Waldbrände in Italien: Dichter Rauch über der Stadt Pescara an der Küste
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Waldbrände in Italien: Tagelang kämpfte die Feuerwehr besonders im Süden des Landes gegen die Flammen.

„Machtdemonstration“

Die Feuer-Mafia in Italien: Zwei von drei Waldbränden vorsätzlich gelegt

In Süditalien wütet das Feuer: Doch nicht allein Trockenheit und Hitze sind für die Brände verantwortlich – offenbar hat auch die Mafia ihre Hände mit im Spiel.

Rom – Giuseppe F. versteckte sich hinter den Büschen. Ein paar Feuerzeuge hatte der 53-Jährige in den Hosentaschen, seine Finger waren noch schwarz vom Ruß. Acht Brände soll der Mann aus der Nähe von Alghero auf Sardinien seit vergangenem Sommer gelegt haben. Vor Tagen ging er den Carabinieri schließlich in die Falle. Nun sitzt er in Untersuchungshaft, ihm drohen vier bis zehn Jahre Haft.

Menschen wie Giuseppe F. sind verantwortlich für die dutzenden Waldbrände in Italien. Immer noch wüten die Feuer, derzeit vor allem auf Sizilien bei Palermo. Temperaturen über 40 Grad, extreme Trockenheit und starker Wind spielen den Brandstiftern in die Hände. Nach Angaben der Carabinieri sind nur zwei Prozent aller Waldbrände in Italien natürlicher Ursache, also etwa von einem Blitzeinschlag ausgelöst. Den Rest, also 98 Prozent, besorgt der Mensch. 57 Prozent, also knapp zwei Drittel der Waldbrände in Italie-,n sind vorsätzlich gelegt.

Die Feuer-Mafia in Italien: 55 Prozent der vorsätzlich gelegten Brände von der Ndrangheta

Im Visier der Ermittler ist auch die Organisierte Kriminalität. Waldbrände werden gelegt als Mittel zur Erpressung, als Rache, aus wirtschaftlichem Interesse oder schlicht zur Machtdemonstration. „Der Appetit der ‘Ndrangheta auf Wald- und Weideflächen ist bekannt“, sagt Enrico Fontana, Verantwortlicher des Observatoriums für Umwelt und Legalität der Umweltorganisation Legambiente.

Die ‘Ndrangheta ist die Mafia Kalabriens, eine der mächtigsten Verbrecherorganisationen der Welt. Zwischen Mafia-Präsenz und Waldbränden gibt es eine statistische Verbindung. 55 Prozent der vorsätzlich gelegten Waldbrände kommen in den vier süditalienischen Regionen mit der höchsten Präsenz krimineller Organisationen vor, Kalabrien, Kampanien, Sizilien und Apulien. In diesen Gegenden befinden sich auch 82 Prozent der beschädigten Flächen.

Waldbrände in Italien: Mafia legt vorsätzlich Feuer - „Machtdemonstration“

Was aber sind die Interessen der Organisierten Kriminalität? Früher konnten verbrannte Flächen als Baugrund genutzt werden, diese Umwidmung eines Wald- oder Weidebrand-Gebietes wird seit dem Jahr 2000 von einem Gesetz für die Dauer von 15 Jahren verboten. Seither legt die Mafia dort Feuer, wo sie Immobiliengeschäfte anderer verhindern will.

Dem Mafia-Experten und Bestseller-Autor Roberto Saviano zufolge hat sich folgende Dynamik durchgesetzt: „Die Clans legen Feuer, um eine Fläche zu blockieren, die demnächst als Baugrund ausgewiesen werden soll.“ Ein Brand kann ein Immobilienprojekt schließlich für 15 Jahre stoppen. Wer bauen will, muss sich zuvor mit den Clans einigen. „Es handelt sich also um eine Machtdemonstration, dass ohne die Clans nichts geht“, sagt Saviano. Entscheidend ist bei diesem Vorgehen die Einstufung des verbrannten Areals als Weide- oder Waldfläche. Für als Landwirtschafts-Flächen eingestufte Areale gilt das nicht. Auch sie werden abgefackelt und anschließend als Baugrund ausgewiesen. (J. Müller-Meiningen)

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