Das Nobelkomitee in Oslo hat den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari (71) mit dem Friedensnobelpreis 2008 ausgezeichnet.
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Das Nobelkomitee in Oslo hat den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari (71) mit dem Friedensnobelpreis 2008 ausgezeichnet.

Finne Ahtisaari bekommt Friedensnobelpreis 2008

Oslo/Helsinki - Das Nobelkomitee in Oslo hat den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari (71) mit dem Friedensnobelpreis 2008 ausgezeichnet. Es begründete die Entscheidung am Freitag mit dem jahrzehntelangen Einsatz Ahtisaaris als "international herausragender Vermittler" bei der Lösung von Konflikten.

Der Nordeuropäer gehörte seit Jahren zum engsten Favoritenkreis für den mit einer Million Euro (zehn Millionen schwedischen Kronen) dotierten Preis.

Der sozialdemokratische Politiker, frühere UN-Diplomat und ehemalige Staatspräsident (1994-2000) äußerte sich in der finnischen Hauptstadt Helsinki “zufrieden“ über die Auszeichnung. Er sagte im Rundfunk: “Natürlich bin ich sehr zufrieden mit der Entscheidung des Nobelkomitees. Und auch erfreut.“

Der Chef der Nobelpreis-Jury, Ole Danbolt Mjøs, nannte Ahtisaari in der Begründung einen “herausragenden internationalen Vermittler“. Er sagte weiter: “Während seines gesamten Lebens als Erwachsener, als finnischer Spitzendiplomat wie als Staatspräsident und als internationale Autorität, oft in Verbindung mit den UN, hat sich Ahtisaari für Frieden und Versöhnung eingesetzt.“ Der Finne habe in den letzten 20 Jahren in führender Position bei Anstrengungen zur Lösung mehrerer ernster und langwieriger Konflikte mitgewirkt.

Ahtisaari hatte Ende der 70er Jahre und bis 1990 als UN-Diplomat an der staatlichen Lösung Namibias von Südafrika mitgewirkt. Zwischen 1999 und 2006 beteiligte er sich mehrfach an Bemühungen zur Konfliktlösung während des Balkan-Krieges und in der Zeit danach. Als größter Erfolg gilt Ahtisaaris Vermittlung zur Beendigung des langwierigen Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh im Jahr 2005. Unterstützt wurde er dabei von seinem Institut “Crisis Management Initiative“ (CMI).

Der Friedensnobelpreisträger selbst sagte dazu: “Am allerwichtigsten von all meinen Einsätzen war natürlich der bei der Unabhängigkeit von Namibia. Dort war ich über 13 Jahre engagiert. Aceh und Kosovo sind aber auch sehr wichtig gewesen.“ Über die Bedeutung des Preises für seine weitere Arbeit meinte der 71-jährige Finne: “Ich hoffe, dass es nach dem Preis mit der Finanzierung meines Instituts etwas einfacher wird“.

In Oslo wurde die Entscheidung für Ahtisaari eher zurückhaltend aufgenommen. Mjøs wies in seiner Pressekonferenz Vermutungen zurück, wonach das Komitee auf Druck aus China sowie von norwegischer Seite eine geplante Vergabe an chinesische Menschenrechtler in letzter Minute durch den wenig kontroversen Ahtisaari ersetzt habe. Das Außenministerium in Peking hatte wenige Tage vor der Vergabe indirekt mit Konsequenzen gedroht, wenn das Komitee den als Preisträger nominierten und in seiner Heimat inhaftierten Menschenrechtler Hu Jia auszeichnen sollte.

Ahtisaari erhält die Auszeichnung am 10. Dezember in Oslo im Beisein von Norwegens König Harald V. überreicht. Im vergangenen Jahr waren der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der UN-Klimarat für ihre Aufklärungsarbeit zum Klimaschutz geehrt worden. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt.

dpa

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