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Finnland: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Der Hafen in Helsinki, Finnland, im Hintergrund der Dom
Finnland erstreckt sich im Norden Europas von den südlichen Seenlandschaften und der Hauptstadt Helsinki bis in die arktische Wildnis © picture alliance / dpa | Bernd Thissen

Finnland erstreckt sich im Norden Europas von den südlichen Seenlandschaften und der Hauptstadt Helsinki bis in die arktische Wildnis. Mit einer Gesamtfläche von 338.465 Quadratkilometern ist der Staat etwa so groß wie Deutschland, verfügt jedoch über einen Bruchteil der Einwohnerzahl. Mit einer Bevölkerung von circa 5,5 Millionen Menschen gehört es zu den am dünnsten besiedelten Staaten Europas.

Helsinki – Der Staat Finnland blickt auf eine Geschichte zurück, die sich bis zur letzten Eiszeit zurückverfolgen lässt. In der Zeit der Völkerwanderung knüpfte man aufgrund der vorteilhaften Lage an der Ostsee erste Handelsbeziehungen zu weiteren Ländern Europas. Über einen langen Zeitraum gehörte das heutige Finnland zu seinen Nachbarländern, erst zu Schweden, dann zu Russland. Seit 1917 ist es ein autonomer Staat.

Finnland: Eckdaten zur Geschichte

Bereits um 8500 vor Christus war Finnland besiedelt. Die Ursprünge der Bevölkerung sind bis heute weitgehend unklar. Als Urheimat der Finnen wird ein Gebiet östlich des Uralgebirges oder in der Gegend der Wolgaschleifen im heutigen Russland vermutet.

Von der Jäger- und Sammlerkultur der Steinzeit entwickelten sich die Finnen bis in die Bronzezeit um 1700 v. Chr. zu einem Volk von Bauern. Erst 100 v. Chr. nahm der Handel mit Mitteleuropa stark zu. Dies führte zu Kontakten mit dem christlichen Glauben.

Im Mittelalter war Finnland umkämpft. Ansprüche an das Land stellten sowohl Schweden als auch Nowgorod im heutigen Russland. Im Jahr 1323 legte man im Vertrag von Nöteborg die Zugehörigkeit von West-, Süd- und Zentralfinnland zu Schweden fest. Die östlichen und nördlichen Gebiete fielen zeitweise Russland zu.

Schweden verlor im 18. Jahrhundert zunehmend seine Machtstellung. Im Zuge des Großen Nordischen Kriegs von 1700 bis 1721 wurde Finnland von den Russen besetzt. Nach einer kurzen Phase der Unabhängigkeit gehörte der Staat von der Mitte des 18. Jahrhunderts rund 200 Jahre lang zum Russischen Reich. Nach der Oktoberrevolution 1917 erklärte Finnland seine Unabhängigkeit, die kurz danach von zahlreichen Ländern anerkannt wurde.

Finnland im Zweiten Weltkrieg

Nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 meldete Russland Interesse an Finnland an. Am 30. November 1939 marschierte die russische Armee in den nordeuropäischen Staat ein. Der sogenannte Winterkrieg oder Sowjetisch-Finnische Krieg endete im März 1940 mit dem Friedensvertrag von Moskau und der weiteren Unabhängigkeit Finnlands.

Rund ein Jahr später, im Juni 1941, schloss sich Finnland nach dem Bruch des Nichtangriffspakts Deutschland an. Im „Fortsetzungskrieg“ zum Winterkrieg eroberte Finnland an den östlichen Nachbarn verlorene Gebiete zurück und sicherte sich das Gebiet Ostkarelien. Der Fortsetzungskrieg endete im September 1944 mit dem Waffenstillstand von Moskau und damit der Rückgabe der eroberten sowie weiterer Gebiete. Auch die militärische Kooperation mit dem Deutschen Reich wurde damit eingestellt.

Finnland verpflichtete sich, die deutschen Truppen aus dem Staatsgebiet zu vertreiben. Die Folge war eine weitgehende Zerstörung Lapplands, dem nördlichen Teil Finnlands. Die letzten deutschen Soldaten verließen das Land Ende April 1945.

Finnland in der Nachkriegszeit

Während des Zweiten Weltkriegs bewahrte Finnland sich weitgehende Unabhängigkeit. Zur Zeit des Kalten Krieges agierte es neutral und behielt dabei ein kooperatives Verhältnis zur Sowjetunion. Nach deren Zusammenbruch Anfang der 1990er-Jahre kam es zu einer schweren Wirtschaftskrise.

Seit 1995 ist Finnland Mitglied der Europäischen Union. Die Währung Finnmark wurde zum 1. Januar 2002 durch den Euro ersetzt.

Finnland: Das politische System

Die Politik Finnlands ist seit der Unabhängigkeit von Russland parlamentarisch-demokratisch bestimmt. Am 1. März 2000 trat die bis heute gültige Verfassung in Kraft, die Parlament und Regierung weiter gehende Befugnisse als zuvor zuspricht, die Macht des Staatspräsidenten dagegen reduziert.

Das Einkammerparlament umfasst 200 Abgeordnete, die für eine Legislaturperiode von vier Jahren nach dem Verhältniswahlrecht gewählt werden. Jeder finnische Staatsbürger ab 18 Jahren ist wahlberechtigt.

Der Ministerpräsident wird vom Parlament gewählt. Seit 10. Dezember 2019 hat dieses Amt Sanna Marin von der Sozialdemokratischen Partei Finnlands inne. Sie löste Antti Rinne nach deren Rücktritt ab. Marin wurde 1985 geboren und ist die jüngste Präsidentin der Geschichte Finnlands. Zur Zeit ihres Amtsantritts war sie zeitweise die jüngste Regierungsvorsitzende weltweit.

Finnland: Bevölkerungsstruktur

Pro Quadratkilometer leben in Finnland etwa 16,3 Einwohner. Dabei ist ein klares Nord-Süd-Gefälle der Bevölkerung zu beobachten. Während die Provinz Südfinnland 62,6 Einwohner pro Quadratkilometer zählt, sind es im nördlichen Lappland nur 1,8.

Die meisten Menschen wohnen rund um die großen Städte im Süden und in der Mitte Finnlands. Die Region Helsinki ist Heimat für rund 1,6 Millionen Menschen.

Die Bevölkerung Finnlands wächst kontinuierlich, bleibt dabei jedoch auf einer im Vergleich zu Deutschland niedrigen Zahl. Rund 5,5 Millionen Menschen leben im Staatsgebiet.

Mit rechnerisch 1,74 Kindern ist die Geburtenrate etwas höher als im europäischen Durchschnitt. Dennoch weist Finnland eine Tendenz zur Alterung auf. Die Einwanderquote ist im Vergleich niedrig. Finnland verfolgt eine strikte Einwanderpolitik und verzeichnete aufgrund langer wirtschaftlicher Schwäche nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Aus- als Zuwanderer. Heute verlassen jährlich bis zu 15.000 Menschen das Land, rund 20.000 kommen hinzu.

Finnland: Geografische Lage und Besonderheiten

Finnlands Geografie ist von Wasser geprägt. Von den 338.455 Quadratkilometern Gesamtfläche Finnlands fallen knapp 35.000 Quadratkilometer auf Binnengewässer. Mehr als 187.000 Seen erstrecken sich über die Landfläche. Das brachte Finnland den Beinamen „Land der tausend Seen“ ein. Darüber hinaus gehören rund 52.000 Quadratkilometer Meeresfläche zum Staatsgebiet. Ein Drittel des Landes liegt nördlich des Polarkreises. Damit ist Finnland eines der nördlichsten Länder der Erde.

Finnland verfügt über vier Grenzen mit unterschiedlichen Längen:

Finnland: die wichtigsten Städte im Überblick

Weite Teile Finnlands sind ländlich geprägt. Die großen Städte befinden sich vor allem im Süden und in der Landesmitte (Stand Ende 2018):

Oulu ist mit seinen 203.567 Einwohnern die größte Stadt im Norden Finnlands und die fünfgrößte des Landes.

Espoo und Vantaa bilden gemeinsam mit Helsinki und dem kleineren Kauniainen die Hauptstadtregion. Die Städte sind politisch eigenständig. Durch das starke Wachstum sind sie de facto heute eine Großstadt mit mehr als einer Million Einwohner.

Finnland: Amtssprachen und Sprachstamm

Forschungen konnten frühe finno-ugrische Sprachen bis in das Jahr 5000 v. Chr. nachverfolgen. Die Entwicklung der Sprache ist zum Teil von der Geografie Finnlands geprägt. Zuwanderungen aus dem nahen baltischen Raum rund um das heutige Litauen vermischten frühe indogermanische Sprachen mit den finno-ugrischen. Das sorgte dafür, dass sich auf dem heutigen Gebiet des Staates Finnland zwei Sprachen herausbildeten: das Urfinnisch an den südlichen Küstengebieten und Samisch im Binnenland.

Finnisch und Schwedisch sind offizielle Amtssprachen. Insbesondere in den Küstenregionen sprechen knapp über fünf Prozent der Bevölkerung finnlandschwedisch. Dies unterscheidet sich in der Aussprache sowie im Wortschatz von der auf schwedischem Staatsgebiet gesprochenen Sprache. Knapp 89 Prozent geben Finnisch als Muttersprache an. Dazu kommen rund 1.750 Samen auf dem Gebiet von Lappland im äußersten Norden, die eine von drei samischen Sprachen (Nordsamisch, Inarisamisch und Skoltsamisch) sprechen.

Heute ist jede Gemeinde entweder schwedisch-, finnisch- oder zweisprachig. Letzteres gilt, wenn mindestens acht Prozent oder 8.000 Einwohner eine sprachliche Minderheit bilden.

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