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Die Flamme auf leckgeschlagener Nordsee-Plattform lodert weiter.

Total weiß seit einem Monat von Leck-Problem

Edinburgh -  Total hat bereits mehr als einen Monat vor Bekanntwerden des Gaslecks an seiner “Elgin“-Plattform Probleme festgestellt. Etwa 3,8 Tonnen ölige Substanz schwimmen mittlerweile auf dem Meer.

Der Energiekonzern Total hat bereits mehr als einen Monat vor Bekanntwerden des Gaslecks an seiner “Elgin“-Plattform Probleme bei der Gasförderung in der betroffenen Bohrung festgestellt. Am 25. Februar seien zum ersten Mal Druckschwankungen festgestellt worden, sagte Management-Direktor Philipe Guys am Freitag in Aberdeen. Von da an bis zum Verlassen der Plattform am vergangenen Sonntag sei versucht worden, die Probleme unter Kontrolle zu bekommen. Die Ursache für die Problematik sei derzeit nicht klar. “Zurzeit gibt es keine Anzeichen für menschliches Versagen“, sagte Guys.

Täglich strömen aus dem Leck der Förderplattform in der Nordsee nach Schätzungen des Betreibers Total 200 000 Kubikmeter Gas. Doch der Konzern hat noch immer keine Lösung zum Stopfen des Lochs an der Plattform vor Schottland.

Total-Management-Direktor Philipe Guys sagte am Freitag in Aberdeen, zwei Optionen zum Abdichten würden weiter parallel vorangetrieben: Ein sogenannter “Kill“ mit schwerem Schlamm von oben und Entlastungsbohrungen. “Wir glauben, dass wir zwei Entlastungsbohrungen brauchen würden.“ Total habe bereits andere Bohrvorhaben in der Nordsee gestoppt, um im Zweifel genügend Ausrüstung für die Bohrungen zur Verfügung zu haben.

Die über der Plattform lodernde Gasflamme, mit der überschüssiges Gas in den Rohrleitungssystemen abgefackelt wird, sei inzwischen deutlich kleiner geworden. Total hofft, dass sie bald von alleine erlischt. Außerdem werde nach Wegen gesucht, die Flamme zu ersticken. Dies könnte mit Hilfe von Löschflugzeugen oder Feuerwehrschiffen geschehen.

Explosion befürchtet

Das Gasleck belastet das Meerwasser weniger als bisher angenommen. Der Teppich aus sogenanntem Gaskondensat, der in einer Ausbreitung von 22 Kilometern Länge und 4,5 Kilometern Breite auf dem Wasser schwimmt, habe insgesamt ein Gewicht von etwa 3,8 Tonnen, teilte das britische Ministerium für Energie- und Klimaschutz am Freitag mit. Ursprünglich war angenommen worden, dass mehr Gaskondensat ins Meer gelangt sei.

Gaskondensat entsteht, wenn in gefördertem Erdgas aus der Tiefe noch weitere Kohlenwasserstoffe vorhanden sind, erklärt Jürgen Messner, Erdölgeologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Unter den Druck- und Temperaturverhältnissen an der Meeresoberfläche sind diese Substanzen (unter anderem der Kohlenwasserstoff Pentan und ähnliche Verbindungen) flüssig.

Dieses Gemisch treibt dann als ölartiger, dünner Film auf der Meeresoberfläche, “etwa wie leichtes Erdöl“, sagte der Wissenschaftler. “Gaskondensate sind kein Abfallprodukt“, ergänzte Messner. Sie werden aus vielen Lagerstätten gezielt und in großer Menge gewonnen und weiterverarbeitet.

Die Flamme befindet sich etwa 100 Meter vom Austrittsort des Gases entfernt. Experten befürchten eine Explosion, sollte der Wind in den kommenden Tagen drehen und das Gas entzünden. Löschschiffe stehen bereit, in einem Umkreis von fast vier Kilometern um den Unglücksort wurde eine Sperrzone verhängt.

dpa

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