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In Gummibärchen steckt meistens Gelatine. Diese wird aus Schlachtresten und Knochen hergestellt.

Gummibärchen, Limo und Co.

Achtung, Vegetarier! Hier lauern Fleisch-Fallen

München - Fleisch ist für Vegetarier tabu. Weingummi mit tierischer Gelatine und Käse mit Kalbsmagen-Lab kommt nicht auf den Tisch - sofern der Inhalt erkennbar ist. Denn nicht immer steht auf den Produkten, was genau drin ist.

Gleich neben den abgepackten Fleischpflanzerln im Kühlregal des Supermarkts steht die vermeintlich fleischlose Variante: Gemüsefrikadellen. Klingt gesund und lecker. Eine perfekte Alternative für Vegetarier, die auf Fleisch verzichten wollen. Oder auch nicht. Denn häufig enthalten Gemüsefrikadellen Geflügelfleisch. Erkennbar ist das nur beim Blick aufs Kleingedruckte, in die Zutatenliste.

Und selbst dort finden Verbraucher nicht immer alle Informationen, die sie brauchen. Denn viele Lebensmittel, die auf den ersten Blick frei von tierischen Inhaltsstoffen sind, enthalten dennoch Zutaten tierischen Ursprungs. „Produktionshilfsstoffe wie Lab oder Emulgatoren gelten international nicht als Lebensmittelzusatzstoffe“, erklärt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Deshalb gebe es dafür keine Deklarationspflicht. In ihnen finden sich – weitgehend versteckt – oft Inhalte tierischen Ursprungs. Ebenso wie in Trägerstoffen und Lösungsmitteln von Aromen, Zusatzstoffen und Enzymen.

So birgt der Einkauf vor allem für die rund sieben Millionen Vegetarier und 800.000 Veganer in Deutschland jede Menge Stolperfallen. Und zwar nicht nur bei der scheinbar tierlosen Fleischpflanzerl-Variante.

Knochen im Pudding und Limo mit Läusen

Auch Chips, bestimmte Käsesorten und Knabbereien sind mit Vorsicht zu genießen. Denn Käse beispielsweise kann tierisches Lab aus dem Magen junger Kälber enthalten. Lab ist ein Enzym-Gemisch zur Spaltung des Milch-Eiweiß Kasein. Zu lesen ist dieser Zusatz auf den wenigsten Produkten. Eine Liste labfreier Käsesorten hat darum der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) zusammengestellt. Der Rotkohl aus der Tiefkühltruhe wird ebenfalls häufig mit Schweineschmalz verfeinert. Und auch das Naschen und Knabbern machen die Lebensmittelhersteller den Vegetariern und Veganern ziemlich schwer: Viele Chipssorten enthalten tierische Fette, in etlichen Gummibärchen und Schokopuddings steckt Gelatine. Die wird aus Schlachtresten und Knochen hergestellt. Eine tierlose Alternative zur Gelatine stellen Pektin und Johannisbrotkernmehl dar.

Ganz genau sollten Verbraucher auch bei Emulgatoren hinschauen. Die Hilfsstoffe zur Kombination von Flüssigkeiten, die sich nur schwer mischen lassen, enthalten oft tierische Stoffe. Ebenso ist bei Farbstoffen Vorsicht geboten: Karmin (E 120) beispielsweise färbt Marmelade rot und gibt der Limo ihre leuchtende Farbe. Gewonnen wird es aber aus getrockneten Scharlach-Schildläusen.

Viele Siegel nicht vertrauenswürdig

Tierische Zutaten zu erkennen, ist oft gar nicht so leicht. Die Verbraucherzentrale warnt: „So lange ein Produkt nicht ausdrücklich als vegetarisch oder vegan gekennzeichnet ist, müssen Verbraucher mit Zutaten tierischen Ursprungs rechnen.“ Da helfen auch keine Siegel. Denn „es gibt immer mehr Hersteller, die Siegel für Vegetarier oder Veganer erfinden. Die selbsternannten Kriterien sind aber oft undurchsichtig“, sagt Krehl.

Darum fordern die Verbraucherzentrale, Foodwatch, der VEBU und weitere Organisationen ein einheitliches Siegel. „Wir wollen erreichen, dass die Verbraucher im Supermarkt nicht mehr belogen werden“, sagt Andreas Winkler von Foodwatch. „Ziel ist es, dass der Blick auf die Verpackung genügt, um zu erkennen, ob tierische Inhaltsstoffe verwendet wurden oder nicht.“

V-Label suchen oder Hersteller fragen

Aber ein Siegel allein reicht nicht, meint die Verbraucherzentrale. Es sei wichtig, die Angaben „vegetarisch“ und „vegan“ EU-weit einheitlich rechtsverbindlich zu definieren. Die Organisation unterstützt daher wie der VEBU einen Antrag im Europaparlament, in dem die EU-Kommission aufgefordert wird, rechtliche Vorgaben für eine freiwillige Kennzeichnung zu erlassen.

Wer wirklich sicher gehen will, was in einem Produkt drin ist, muss den Hersteller fragen. „Das ist momentan die einzige Möglichkeit, zuverlässige Informationen zu bekommen“, unterstreicht Krehl. Zudem bietet das V-Label eine gewisse Sicherheit. Das grüne V im gelben Kreis ist eine international geschützte Marke zur Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln. Es wird als Orientierungshilfe auf Lebensmittelverpackungen und Speisekarten eingesetzt. Damit auch Vegetarier und Veganer entspannt – und sicher tierfrei – ihr Essen genießen können.

Von Katharina Selle und Janine Tokarski

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