Bei ihrer Festnahme: Mit einfachem Trick soll RAF-Terroristin Klette flüchtigen Komplizen gewarnt haben

Die Polizei nahm die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette Ende Februar fest. Ihre beiden mutmaßlichen Komplizen sind weiter auf der Flucht – einen konnte sie womöglich warnen.
Berlin – Sie haben mich, schrieb die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette bei ihrer Festnahme sinngemäß an den Gesuchten Burkhard Garweg. Das berichtete der Spiegel am Mittwoch (13. März). Laut ntv hatte die 65-Jährige die Polizeibeamten bei ihrer Festnahme ausgetrickst – und verhalf ihrem mutmaßlichen Komplizen womöglich zur Flucht.
Festnahme nach 30 Jahren Flucht: Wie Klette die Polizei bei Festnahme austrickste
Über 30 Jahre lang war Daniela Klette auf der Flucht. Auch international wurde nach ihr und den ebenfalls untergetauchten mutmaßlichen Ex-RAF-Mitgliedern Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg gefahndet. Bei der Festnahme der 65-Jährigen am 26. Februar in Berlin waren jedoch nur zwei normale Streifenpolizisten im Einsatz, wie RTL berichtete. Den Beamten hatte die Gesuchte laut ntv-Informationen zunächst einen falschen Ausweis gezeigt. Die Polizisten wiesen die 65-Jährige dennoch an, mitzukommen. Zuvor habe man ihr aber gestattet, auf die Toilette zu gehen, hieß es aus Polizeikreisen. Dort gelang es Klette offenbar, Burkhard Garweg zu warnen.
Sie habe eine Nachricht geschrieben und die SIM-Karte ihres Handys im Anschluss in der Toilette hinuntergespült, hieß es weiter. Sie haben mich, soll sie laut Spiegel-Informationen sinngemäß geschrieben haben. „Es drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass man möglicherweise überhaupt nicht davon ausgegangen ist, dass man tatsächlich bei dieser letzten Befragung auf die Terroristin trifft“, so die Einschätzung des Terrorismusexperten Michael Ortmann. Darauf weist auch eine Aussage des Chefs des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen, Friedo de Vries hin. Als Klette verhaftet wurde, sei die Reaktion der Ermittler „eher ungläubig“ gewesen, so der LKA-Chef zum Spiegel.
Die Suche geht weiter: Was die Ermittler über den Verbleib von Burkhard Garweg wissen
Seit dem Tag von Klettes Festnahme war das Handy von Burkhard Spiegel-Recherchen zufolge nicht mehr in Betrieb. Der 55-Jährige hatte laut Ermittlerangaben unter dem Tarnnamen „Martin“ in einem Bauwagen in Berlin-Friedrichshain gewohnt. Bei einer Durchsuchung habe man den früheren RAF-Terroristen nicht angetroffen. In dem Bauwagen habe man aber Geräte zur Fälschung von Dokumenten sichergestellt, hieß es laut Informationen des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen laut dpa. Es gebe „neue Hinweise, die zum Beispiel auf einen Aufenthalt im europäischen Ausland hindeuten“, so de Vries im Gespräch mit dem Spiegel. Einzig zu Staub habe man demnach bislang „keine relevanten Fahndungshinweise, die uns konkret auf seine Spur gebracht hätten.“
Die Staatsanwaltschaft Verden wirft Daniela Klette und den Flüchtigen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg bewaffnete Raubüberfälle vor, die das Trio zwischen 1999 und 2016 begangen haben soll, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Ein Podcast-Team war Klette mittels einer Gesichtserkennungssoftware bereits vor der Polizei im vergangenen Jahr auf die Schliche gekommen. „Das Internet aber einfach so nach Personengleichheit zu ‚durchforschen‘, ist für die Polizei rechtlich nicht möglich“, betonte LKA-Chef de Vries (bme mit dpa).