Tod am Flughafen löst Diskussion um Elektroschocker aus

Der Tod eines polnischen Einwanderers am Flughafen von Vancouver hat in Kanada eine Debatte um den Einsatz von Elektroschockpistolen ausgelöst. Der verwirrte oder aufgeregte Mann war Mitte Oktober von der Polizei mit einem sogenannten Taser angeschossen worden und kurz darauf gestorben.

Ein erst jetzt veröffentlichtes Video zeigt, dass die Beamten die umstrittene Waffe schon 46 Sekunden nach ihrem Eintreffen einsetzten, obwohl sie nicht von dem Mann bedroht wurden.

US-Medienberichten vom Freitag zufolge fordert Amnesty International einen grundsätzlichen Verzicht auf die Waffe, der kanadische Sicherheitsminister Stockwell Day kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Seit Juli 2003 sind laut "New York Times" in Kanada 18 Menschen gestorben, nachdem sie von einem Schuss aus der Elektroschockpistole getroffen wurden, in den USA waren es 280 Fälle seit 2001.

In Deutschland hat die Bundesinnenministerkonferenz im vergangenen Jahr empfohlen, in allen Bundesländern für die Spezialeinsatzkommandos der Polizei Taser anzuschaffen. Die Waffe, die dem Opfer mit Nadelelektroden einen kurzen, heftigen Elektroschock versetzt, gilt als nicht tödlich.

Zu dem Vorfall in Vancouver war es gekommen, weil der aus Polen kommende Mann nach einer zehnstündigen Einreise-Prozedur seine Mutter am Flughafen nicht mehr finden konnte. Er geriet in Panik, begann auf Polnisch zu schreien und warf am Schluss mit einem Stuhl um sich. Die herbeigerufenen Polizisten gaben dem Video zufolge mindestens zwei Schüsse ab, 68 Sekunden nach ihrem Eintreffen lag der Mann regungslos am Boden. Die Polizei hatte das von einem Mitreisenden gedrehte Video zunächst beschlagnahmt, nach der Androhung juristischer Schritte jedoch wieder herausgegeben.

Der Generalsekretär von Amnesty International in Kanada, Alex Neve, erklärte: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Taser früher benutzt wurde, als es die Situation erforderlich machte." Nach einem Bericht der kanadischen Zeitung "Globe and Mail" hatte eine Mitreisende unmittelbar vorher noch versucht, den Mann zu beruhigen. "Alles, was der Mann brauchte, war ein Dolmetscher", sagte sie. "Er war für niemanden eine Gefahr."(dpa)

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