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„Flurona“ - Wie gefährlich ist eine Corona-Grippe-Doppelinfektion?

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Von: Martina Lippl

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Corona und Grippe gleichzeitig? In Israel wurde erstmals eine Doppelinfektion „Flurona“ festgestellt.
Corona und Grippe gleichzeitig? In Israel wurde erstmals eine Doppelinfektion „Flurona“ festgestellt. © Yurii Rylchuk/imago

Corona- und Grippe-Infektion (Influenza) zur gleichen Zeit? In Israel, Spanien und den USA sind bereits erste Fälle von Doppelinfektionen aufgetreten. So bewerten Experten „Flurona“.

Tel Aviv - Bei einer Schwangeren in Israel wurde gleichzeitig eine Infektion mit Corona und Grippe festgestellt - der erste Fall von „Flurona“. Die ungeimpfte Patientin im Beilinson-Krankenhaus bei Tel Aviv war wegen einer Atemwegsinfektion behandelt worden. Bei Tests wurde eine Infektion mit dem Influenza-Typ A oder B und dem Coronavirus festgestellt.

„Flurona“: Doppelinfektion aus Grippe und Corona erstmals in Israel festgestellt

Die Symptome bei der schwangeren Frau sollen laut den Ärzten jedoch leicht gewesen sein. Die Frau um die 30 hat vergangene Woche ihr Baby zur Welt gebracht habe, bestätigte eine Sprecherin des Beilinson-Krankenhauses am Dienstag. Sie sei am Donnerstag mit dem Säugling in gutem Zustand entlassen worden.

In Israel ist es der erste Fall einer Doppelinfektion, wie die Gesundheitsbehörden mitteilen. Doch bereits im Frühjahr 2020 tauchten in den USA Berichte von Patienten mit Grippe und Covid-19 auf, berichtet The Times of Israel. Auch in Spanien und Brasilien sind „Flurona“-Fälle bestätigt worden. „Flurona“ ist ein nicht wissenschaftlicher Begriff, der zuerst von der israelischen Zeitung ynet.news.com verwendet wurde. Das Kunstwort „Flurona“ setzt sich aus dem englischen „flu“ für Grippe und Corona zusammen.

Experten erwarten, dass weitere Doppelinfektionen mit Grippe und Corona auftreten. Israel verzeichnete in den vergangenen Wochen einen Anstieg der Influenza-Fälle. Das befeuere die Angst vor einer sogenannten „Twindemie“ (auf Englisch Twindemic) ist in The Times of Israel zu lesen. Der Begriff „Twindemie“ steht für ein Szenario, in dem Krankenhäuser mit einer großen Anzahl von Grippefällen und Covid-19-Patienten überfordert sein könnten. Im vergangenen Winter hatten die Corona-Maßnahmen die meisten Grippefälle verhindert. Doch dieses Jahr sei es bereits anders. Die Gesundheitsbehörden gehen laut Medien davon aus, dass viele andere Menschen wahrscheinlich mit beiden Viren infiziert seien, aber noch keine Diagnose vorläge.

Doppelinfektion von Corona und Grippe für Experten „nichts Besonderes“, aber „selten“

Wie sich eine Doppelinfektion von Corona und Grippe auf den Körper auswirkt, ist noch unklar. Die Zahl der bisher beobachteten Fälle ist noch zu gering. Die Israelin hatte einen milden Verlauf, die Patienten aus den USA sollen unter Fieber und trockenem Husten gelitten haben.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, hält das Auftreten solcher Doppelinfektionen allerdings für „nichts Besonderes“. „Solche Fälle müssen irgendwann mal auftreten“, sagte Salzberger der Nachrichtenagentur dpa. Eine Doppelinfektion sei vermutlich etwas schlimmer als eine Infektion mit nur einem Erreger. Doppelinfektionen mit Grippe und Corona seien selten, „weil beide Viren gleichzeitig selten vorhanden sind - durch das Maskentragen sind zwei Winter fast ohne Influenza abgelaufen“, sagte Salzberger.

Professor Arnon Wiznitzer, Leiter der Gynäkologie im Beilinson-Krankenhaus in Tel Aviv sagte den Angaben zufolge, dass die Patientin mit Medikamenten behandelt worden sei, die gleichzeitig gegen Corona und die Grippe effektiv seien.

Ärzte empfehlen Impfung gegen Grippe (Influenza) und Corona

Die echte Grippe - Influenza - ist nicht mit einer Erkältung zu verwechseln. Wer sich mit dem Grippevirus infiziert, muss mit heftigen Symptomen rechnen. Ärzte empfehlen Risikogruppen wie älteren Menschen und Schwangeren eine Grippeschutzimpfung. Gegen Corona und Grippe kann gleichzeitig geimpft werden, das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits im Herbst 2021 mit.

Wegen der Corona-Maßnahmen ist die sonst übliche Grippe-Welle bisher ausgeblieben, analysiert die Barmer-Krankenkasse. Die Zahl der wegen Influenza-Krankgeschriebenen sei zwar zuletzt gestiegen, liege aber erneut auf Vor-Corona-Jahr-2019-Niveau. Das hört sich gut an. Es bleibt zu hoffen, dass die Lage so bleibt. Normalerweise beginnt die Grippe-Welle im Herbst. Nachdem Höhepunkt Mitte Januar zieht sich die Grippesaison bis in das Frühjahr. Insofern ist es nach Ansicht von Experten sinnvoll, sich auch jetzt noch gegen Influenza impfen zu lassen. Es geht auch in Deutschland darum, Kliniken zu entlasten. Ein Pieks gegen Grippe kann da schon helfen. Auch ein Booster gegen die neue Corona-Variante wirkt. Denn, eins ist sicher, die Omikron-Welle wird Deutschland treffen. (ml/dpa)

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