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Magnus Gäfgen ist als Mörder des damals elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Folter-Drohung: Kindsmörder Gäfgen will Fall neu aufrollen

Darmstadt - Der als Mörder des Bankierssohns Jakob von Metzler verurteilte Magnus Gäfgen hat beim Landgericht Darmstadt die Wiederaufnahme seines Strafverfahrens beantragt. Grund: Ihm war mit Folter gedroht worden.

Grundlage des Antrags sei die Entscheidung des Straßburger Gerichtshofs für Menschenrechte zu dem Fall, sagte Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer am Donnerstag in Bendorf auf dapd-Anfrage.

Gäfgen ist als Mörder des damals elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte im Juni entschieden, dass die Gewaltandrohung gegen den heute 35-jährigen während des Polizeiverhörs nach dem Verschwinden des Jungen ein Verstoß gegen das Folterverbot der Europäischen Menschenrechtskonvention war. Gleichwohl befanden die Straßburger Richter, dass Gäfgen ein faires Strafverfahren hatte und der Prozess nicht neu aufgerollt werden muss.

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Der Rechtsanwalt sieht dagegen die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Verfahrens durch den Straßburger Richterspruch dennoch erfüllt. Ein Urteil, das auf einem Verstoß gegen das Folterverbot beruhe, dürfe keinen Bestand haben, sagte Heuchmer. Eine Sprecherin des Landgerichts Darmstadt konnte auf Anfrage den Eingang des Wiederaufnahmeantrags nicht bestätigen.

Gäfgen hatte 2002 Jakob von Metzler entführt und ermordet. Die Polizei wähnte den Jungen noch am Leben und drohte Gäfgen mit Gewalt, um das Versteck des Kindes zu erfahren. 2003 verurteilte das Frankfurter Landgericht den Mörder zu lebenslanger Haft und stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest. Der damalige Frankfurter Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner war wegen der Gewaltandrohung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

dapd

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