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In vielen Ländern werden Gefangene noch gefoltert.

Bericht von Amnesty International

Folter in vielen Ländern noch alltäglich

London - Schläge, Elektroschocks oder vorgetäuschte Exekutionen: In mehr als der Hälfte der Länder der Welt wird nach Angaben von Amnesty International immer noch brutal gefoltert.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat 30 Jahre nach der Verabschiedung der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen die anhaltende weltweite Verbreitung von Folter angeprangert. "In erschreckend vielen Ländern" sei Folter weiterhin "alltäglich", erklärte Selmin Caliskan, AI-Generalsekretärin in Deutschland, anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts zum Thema am Dienstag. Folter gelte in vielen Staaten als einfachster Weg, um Geständnisse zu erpressen und schnell vermeintliche Ermittlungserfolge vorzuweisen.

Die schlimmsten Foltermethoden

"Schläge, Tritte, Aufhängen an Händen oder Füßen, Elektroschocks, Isolation, vorgetäuschte Exekutionen, Schlafentzug, Vergewaltigung, Bedrohung durch Hunde - dieser Albtraum ist Realität für unzählige Gefangene weltweit", erklärte Caliskan. "Damit dürfen wir uns nicht abfinden", fügte sie zum Start einer internationalen AI-Kampagne gegen Folter hinzu. In den vergangenen fünf Jahren habe AI aus 141 Ländern glaubwürdige Berichte über Folter erhalten.

AI forderte Regierungen weltweit auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. "Die Staaten müssen endlich ihre Doppelmoral beenden", forderte Caliskan. Das Bekenntnis zum internationalen Folterverbot sei nichts wert, solange viele Staaten Misshandlungsvorwürfen nicht nachgehingen, Gerichte erpresste Geständnisse verwerteten und Folterer straffrei blieben. Besondere Kritik übte AI an Mexiko, den Philippinen, Marokko, Nigeria und Usbekistan.

Keine Folter-Fälle in Deutschland bekannt

Aus Deutschland berichtete AI über keinen Fall von Folter, auch wenn es Berichte über Misshandlungen durch die Polizei gebe. Trotzdem müsse Deutschland das Zusatzprotokoll der UN-Antifolterkonvention konsequent umsetzen. "Bisher ist die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter, die Hafteinrichtungen überprüfen soll, völlig unterfinanziert, damit macht sich Deutschland als Verfechter der Menschenrechte international unglaubwürdig", erklärte Caliskan.

Als Teil ihrer Kampagne hatte AI nach eigenen Angaben eine Umfrage unter mehr als 21.000 Menschen in 21 Ländern, darunter Deutschland, beim Institut GlobeScan in Auftrag gegeben. Diese ergab demnach, dass 44 Prozent der Befragten weltweit befürchten, nach einer Festnahme in ihrem Heimatland gefoltert zu werden. 82 Prozent waren der Meinung, dass klare Gesetze zur Bekämpfung von Folter notwendig sind. 78 Prozent der Deutschen hielten Folter unter keinen Umständen für gerechtfertigt.

AFP

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