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Folterskandal: Pentagon gibt Spitze Mitschuld

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- Washington - Der Misshandlungsskandal im US-Militärgefängnis von Abu Ghoreib im Irak ist nach einem Pentagonbericht durch die Vernachlässigung der Aufsichtspflicht bis hin in die höchste Armeespitze begünstigt worden.

 

Obwohl Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nicht namentlich genannt werde, werde ihm und seinen höchsten militärischen und zivilen Stabsmitarbeitern die Schuld an nicht ausreichender Aufsicht und einer verwirrenden Zahl von Anordnungen und Verhörmethoden in Haftanstalten auf Kuba, in Afghanistan und im Irak gegeben, schreibt die Tageszeitung «New York Times» am Dienstag.

Das Blatt beruft sich dabei auf einen Bericht einer unabhängigen Kommission, der noch am Dienstag veröffentlicht werden sollte. Ein zweiter armeeinterner Untersuchungsbericht über die Rolle von Geheimdienstmitarbeitern im Missbrauchskandal soll an diesem Mittwoch vorgelegt werden. Als Konsequenz aus den beiden neuen Berichten könnte mindestens ein Dutzend weiterer Soldaten und zivilen Armeemitarbeiter angeklagt werden, schreibt die Tageszeitung «Washington Post».

Derzeit müssen sich sechs US-Soldaten und ein zivililer Mitarbeiter vor der Justiz verantworten. Ein Soldat hat sich bereits schuldig bekannt und verbüßt eine einjährige Haftstrafe.

Die vom Pentagon eingesetzte unabhängige Kommission kommt nach US- Medienangaben zu dem Schluss, der Generalstab habe nicht erkannt, dass die Wachsoldaten die große Zahl an Häftlingen in Abu Ghoreib nicht bewältigen konnten. Der damalige Oberbefehlshaber der US- Truppen im Irak, General Ricardo Sanchez, wird kritisiert, weil er den sich verschlechternden Haftbedingungen in Abu Ghoreib nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt und die Aufsicht über die Gefängnisse an Untergebene delegiert habe.

Nach Angaben der «Washington Post» sollen Geheimdienstmitarbeiter im Gefängnis von Abu Ghoreib bei Besuchen internationaler Hilfsorganisationen auch die Existenz einiger irakischer Häftlinge verschwiegen haben. In mindestens einem Fall sei ein irakischer Häftling von einem US-Wachsoldaten sexuell missbraucht worden. Das Blatt berichtet weiter unter Berufung auf den armeeinternen Untersuchungsbericht, dass mindestens zwei Hundeführer mit ihren Tieren jugendliche Häftlinge im Alter von 15 Jahren eingeschüchtert und zum gegenseitigen Urinieren gezwungen hätten.

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